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Gütersloh: Digitale Spaltung der Gesellschaft verschärft sich, Bertelsmann-Stiftung

Wie steht es nach einem Jahr Corona um die digitalen Kompetenzen der Bürger in Deutschland? Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt: In der breiten Bevölkerung bleibt der Digitalisierungsschub aus, die digitale Spaltung der Gesellschaft verschärft sich.

Lesedauer 4 Minuten, 26 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 9. November 2021
Gütersloh: Digitale Spaltung der Gesellschaft verschärft sich, Bertelsmann-Stiftung

Gütersloh: Digitale Spaltung der Gesellschaft verschärft sich, Bertelsmann-Stiftung

  • Wie steht es nach einem Jahr Corona um die digitalen Kompetenzen der Bürger in Deutschland? Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt: In der breiten Bevölkerung bleibt der Digitalisierungsschub aus, die digitale Spaltung der Gesellschaft verschärft sich, aber auch der Wunsch nach digitalen Unterstützungsangeboten nimmt zu.

Gütersloh, 9. November 2021. Homeschooling und Homeoffice haben in Zeiten von Corona die Relevanz von Digitalisierung und digitalen Technologien für eine moderne Gesellschaft gezeigt. Auch bei Behördengängen haben die Deutschen gemerkt, wo die digitalen Defizite liegen. Die vergleichende Analyse »Digital Souverän 2021: Aufbruch in die digitale Post-Coronawelt?«, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Kantar im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, zeigt erstmals: Digitale Technologien und der souveräne Umgang mit diesen wird nach einem Jahr Corona insgesamt höher eingeschätzt als noch vor zwei Jahren (2019). Dies betrifft insbesondere die Themen behördliche Angelegenheiten (plus acht Prozent) und Finanzen (plus acht Prozent). Hingegen verloren hat das Thema Mobilität (minus zwei Prozent).

#Pandemie verschärft digitale Spaltung

Bei genauerer Analyse der Daten von 2019 und 2021 im Vergleich zeigt sich jedoch eine digitale Spaltung entlang den Faktoren Alter, Bildungsgrad und Haushaltsnettoeinkommen: Für vier von zehn Befragten ist die Nutzung des Internets nun noch wichtiger als vor der Coronapandemie. Jüngere Menschen und Frauen messen dem Internet mehr Bedeutung zu als Ältere und Männer. Je höher der Bildungsgrad, desto höher ist auch die Relevanzzuschreibung.

Knapp die Hälfte der 14- bis 29-Jährigen gibt an, dass die Internetnutzung für sie, verglichen mit der Zeit vor der Coronapandemie, wichtiger geworden ist. Die Erklärung: Diese Altersgruppe befindet sich meist an verschiedenen Punkten in der Bildungsbiographie. »Bildung fand in den vergangenen Monaten oft digital statt. Die Umstellung auf Fernunterricht erhöht somit die Abhängigkeit vom Internet und von digitalen Kompetenzen für alle Beteiligten im Bildungsbetrieb maßgeblich. In der Folge verstärkt diese Abhängigkeit bestehende Bildungsunterschiede bei den Schüler:innen, aber auch die unterschiedlich ausgeprägten Kompetenzen der Lehrer«, erklärt Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung.

Bei den Altersgruppen der 30- bis 39-Jährigen, den 40- bis 49-Jährigen und den 50- bis 59-Jährigen wird der Internetnutzung im Durchschnitt mehr Bedeutung beigemessen als etwa von der Generation 60+. Dabei sind es gerade die Älteren, die von der Anwendung digitaler Technologien, wie etwa der Steigerung des Selbstwertgefühls und mehr sozialen Verbindungen, profitieren könnten. Die Ergebnisse der Studie zeigen jedoch, dass je älter die Befragten sind, desto weniger wichtig die Internetnutzung im Vergleich zu vor Corona ist. Je älter, desto schlechter werden auch die eigenen Kenntnisse im Bereich digitaler Technologien eingeschätzt. Der allgemein angenommene »Digitalisierungsschub« und ein damit einhergehender Bedeutungszuwachs der Internetnutzung zeigt sich somit für die Gruppe der über 60-Jährigen nicht.

Unterstützungsangebote gewünscht

In der #Pandemie zeigt sich die große Bedeutung eines menschlichen sozialen Netzwerks, das bei den unterschiedlichsten Fragen mit Rat und Tat zur Seite steht. Für Ältere ist vor allem die Möglichkeit, Fragen zum Umgang mit neuen Technologien an Freunde und Familienmitglieder stellen zu können, eine gute Voraussetzung, um Kenntnisse aufzubauen und die eigenen Problemlösungskompetenzen zu stärken.

Im Vergleich zu 2019 am stärksten gestiegen ist die selbstständige Suche nach Lösungen (plus acht Prozent). Rund die Hälfte der Befragten nutzt nun selbstständig das Internet, um Antworten zu suchen und Probleme zu lösen. Dies sind vor allem Jüngere (70 Prozent) und 30- bis 39-Jährige (78 Prozent). Je höher das Alter, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, selbstständig nach Lösungen zu suchen.

Zwar werden Fragen zur Nutzung des Internets im Vergleich zu 2019 nun stärker selbst gelöst, doch rund die Hälfte aller Befragten wünscht sich Unterstützungsangebote zum Erlernen digitaler Kompetenzen. Mehr als die Hälfte wünscht sich Hilfe in Form von Lernvideos oder Onlinekursen (58 Prozent), knapp die Hälfte Lernangebote außerhalb des Internets, wie beispielsweise Volkshochschulen und Bibliotheken (48 Prozent). 46 Prozent fänden die telefonische Unterstützung durch einen qualifizierten Computerexperten sinnvoll, 42 Prozent die Unterstützung durch einen Computerexperten, der persönlich nach Hause kommt.

Kirsten Witte, Expertin der #Bertelsmann-#Stiftung, erläutert: »In der Coronapandemie hat sich außerdem gezeigt: Ohne #digitale Kompetenzen wird die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zunehmend schwerer. Wichtig ist es deshalb, nun ziel- und altergruppenspezifische Angebote anzubieten, bei denen Nutzer:innen individuell lernen können. Gerade dort, wo die Familie und Freunde nicht die ersten Ansprechpartner sind, etwa in Alten- und Pflegeheimen, sollten digitale Zugänge, Unterstützungsstrukturen und Lernangebote geschaffen werden.« Besonders für Ältere sollten Lernmöglichkeiten und -orte durch gemeinsame Initiativen verstärkt alltagsnah geschaffen werden, zum Beispiel in Volkshochschulen, Stadtteil- und Begegnungszentren in den Kommunen, Bibliotheken oder Bürgertreffs. Bei Jugendlichen sollten digitale Kompetenzen stärker im Lehrplan verankert werden.

Zusatzinformationen

Für die Studie »Digital Souverän 2021: Aufbruch in die digitale Post-Coronawelt?« der Bertelsmann Stiftung wurden im Zeitraum vom 29. April bis 3. Mai 2021 insgesamt 1.013 Personen ab 14 Jahren telefonisch befragt. Von den Befragten waren 516 weiblich und 497 männlich, insgesamt 577 berufstätig. Die Daten der Studie 2019 wurden im Zeitraum vom 26. April bis 3. Mai 2019 erhoben. Insgesamt wurden 1.007 Personen ab 14 Jahren telefonisch befragt. Von den Befragten waren 511 weiblich und 496 männlich, insgesamt 550 berufstätig. Beide repräsentativen Befragungen wurden als Mehrthemenumfragen vom Marktforschungsinstitut Kantar durchgeführt.

Über die Bertelsmann-Stiftung: »Menschen bewegen. Zukunft gestalten.«

Die Bertelsmann-Stiftung setzt sich dafür ein, dass alle an der Gesellschaft teilhaben können – politisch, wirtschaftlich und kulturell. Unsere Themen: »#Bildung«, »#Demokratie«, »#Europa«, »#Gesundheit«, »#Werte« und »#Wirtschaft«. »Dabei stellen wir die Menschen in den Mittelpunkt. Denn die Menschen sind es, die die Welt bewegen, verändern und besser machen können.« Dafür erschließen wir Wissen, vermitteln Kompetenzen und erarbeiten Lösungen. Die gemeinnützige Bertelsmann-Stiftung wurde 1977 von Reinhard #Mohn gegründet.

Welche Menschen da in den Mittelpunkt gestellt werden, ist freilich die Frage. Und das Verhalten von Bertelsmann fragwürdig.


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