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Die »Welt« zur Causa Wagenknecht

Ulf Poschardt schreibt in der »Welt« zur Causa Wagenknecht, die ja nun bekanntermaßen rassistisch und rechtsreaktionär ist. Weil sie es – Gott bewahre – gewagt hat, nachzudenken, zu differenzieren und damit die Leute belästigt hat

Lesedauer 3 Minuten, 39 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 12. April 2021
Die »Welt« zur Causa Wagenknecht

Ulf Poschardt schreibt in der »Welt« zur Causa Wagenknecht, die ja nun bekanntermaßen rassistisch und rechtsreaktionär ist. Weil sie es – Gott bewahre – gewagt hat, nachzudenken, zu differenzieren und damit die Leute belästigt hat. Das geht nicht, Frau Wagenknecht. Hören Sie auf! Sie beleidigen uns! (Zitat Svenja Flaßpöhler, die dasselbe tut und dasselbe zu hören bekommt).

Und bitteschön, die Damen. So schafft Ihr es nie ins »Frühstücksfernsehen« oder ins »Dschungelcamp«. Was also soll das ganze? Müsst Ihr uns mit so etwas belästigen?

Auf den ersten Blick ist das, was er schreibt, erfrischend. Aber wenn man es ein paar mal liest, ist es leider doch reaktionär. Schade.

»Vegane Besserverdiener wählen die Linke, nicht die Arbeiter!«

Das ist originell, und da ist was dran. Es krankt nur daran, dass es so pauschal nicht stimmt. Aber dass etwas nicht stimmt, schadet ja heutzutage nicht.

»Der Materialismus der Linken war ihr Standbein in der Vernunft. Die Gerechtigkeitsreligion ihr Spielbein. Karl Marx verdeutlichte als großer Philosoph des 19. Jahrhunderts mit seiner materialistischen Dialektik, dass die Lebensumstände die Ideale, die Werte und den Glauben der Menschen prägen. Und nicht andersrum. Es ist ein nüchterner Blick auf die Realität und die Menschen, der die klarsten Momente marxscher Analyse prägt. Seine politischen Utopien waren nur vor dem Hintergrund damaliger Ausbeutungskapitalismen verstehbar. Heute würde Karl Marx FDP wählen. Aber das nur nebenbei.«

Das hat Marx natürlich so nicht gesagt, weil es so einfach nicht ist. »Und nicht andersrum« … doch. Auch andersrum. Die Zusammenhänge sind komplex und interdependent. Das ist eine verkürzte und verzerrte Darstellung. Verkürzung ist legitim und unvermeindlich. Verzerrung aber nicht. Und übrigens: Marx ist immer noch ein großer Philosoph. Nicht nur einer des 19. Jahrhunderts.

»Sahra Wagenknecht ist eine klassische Linke. Sie sieht auch – sehr markenbewusst – so aus.«

Was soll das bedeuten? Wie sieht denn eine Linke aus? Und hat sie sich ihr Aussehen bewusst gestaltet?

»Sie denkt und argumentiert, knietief in der deutschen Klassik stehend, entlang marxistischer Kategorien. Für sie ist die Klassenfrage nicht erledigt, und deswegen erkennt sie im Theoriesoufflé der sogenannten Identitätspolitik das, was es ist: das was es ist: das Distinktionsbedürfnis kleinbürgerlicher Intellektuellendarsteller und Zeitgeistopportunisten. Das schreibt sie in klaren Worten so in ihrem neuen Buch, und schon wittern die Priester der urbanen Linken eine Chance, Wagenknecht als ›rechts‹ zu markieren und aus der Partei zu drängen, weil sie das neue Glaubensbekenntnis der Opferreligionsfolklore verweigert.«

Ja. Aber das sagt eben sie. Das sagt nicht Poschardt. Der demontiert damit die »Linken«, die er als »urban« bezeichnet, und denen er vorhält, dass sie sich selbst zerlegen. Wichtig ist hier seine Wortwahl, und dass ihm das, was er beschreibt, offenbar gelegen kommt.

»TERFs (Trans Exclusive Radical Feminists) wollen nur Menschen mit Uterus und XX-Chromosomen empowern“ twitterte zuletzt die Bürgerkinderoffensive namens Fridays for Future und bediente mit ihrem amüsanten Intersektionalismus eine Fiktion von Befreiungskämpfen, die vor allem zu marktgängigen Instagram-Accounts und steuerfinanzierten Kulturinstitutionen passt. Wagenknecht ist klug genug, dieses Schmalspurprogramm als ›Lifestyle-Linke‹ zu durchschauen.«

Und wieder die Wortwahl (heute sagt man »Wording«). Und in reaktionärer Manier macht er sich über FFF lustig. Als ob Greta Thunberg so einen Nonsens twittern würde. Zumal das mit Intersektionalismus nun überhaupt nichts zu tun hat. Er schiebt FFF eine Opferrolle unter. Pfui Deibel. Und er traut sich nicht, das selbst zu sagen, und schiebt diese vermeintliche Erkenntnis Sahra Wagenknecht unter. Die klug genug sein dürfte, sein Gewäsch und seine Lobhudelei als das zu erkennen, was es ist. Eben das. Und Missbrauch. Reaktionär und feige.

»Die beeindruckende Inkompetenz der neuen Linken-Führung schafft nun Raum für einen Konflikt, den zwei intellektuelle Frauen wie Wagenknecht und Katja Kipping stets hochklassig eingehegt hatten. Wagenknechts Buch ›Die Selbstgerechten‹ erregt bereits vor dem Erstverkauf ihre Partei, weil auch die Zeitgeistsurfer und Opfermilieurepräsentanten wissen, wie recht sie hat. Vegane Besserverdiener und Rotwein trinkende Kuba-Nostalgiker wählen die Linke als Distinktion. Die Arbeiter*innen wählen AfD oder Union, weil sie sich nicht auch noch bei Linken für ihr Schweineschnitzel, ihre politisch unkorrekte Sprache oder den Traum vom Mallorca-Urlaub entschuldigen wollen.«

Nun zeigt er, worum es wirklich geht. Wie man heute so sagt: Die »Zerstörung« der »Linken«. Sogar durch sich selbst. Er wäscht seine Hände in Unschuld. Und er wiederholt sich. Und er wirbt für die AfD und die Union mit dümmlichen Argumenten, die er im Nachsatz natürlich gleich mitliefert. Und er verhöhnt die Arbeiterklasse, indem er sie vorgeblich patronisiert und ihr reaktionäres Denken unterstellt. Was für eine perfide Masche. Eben genau das, wovor Marx gewarnt hat.

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