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Freibrief für Solarien

Im September wurden auf dem Ärztekongress »International Pigment Cell Conference« in den Niederlanden die Ergebnisse einer großen, europäischen Studie vorgestellt. Die zentrale Frage war

Lesedauer 2 Minuten, 18 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 10. Februar 2005
Freibrief für Solarien

Im September wurden auf dem Ärztekongress »International Pigment Cell Conference« in den Niederlanden die Ergebnisse einer großen, europäischen Studie vorgestellt. Die zentrale Frage war: Waren Patienten mit Melanom häufiger auf dem Solarium? Die Antwort war überzeugend: Nein! Diese aktuelle Studie von 2000 bis 2002 wurde in 6 europäischen Ländern durchgeführt. Hierbei wurden Patienten befragt, die an einem Melanom (schwarzer Hautkrebs) erkrankt waren und die gleiche Anzahl von gesunden Kontrollpersonen, ob und wie häufig sie in der Vergangenheit unter der künstlichen Sonne gebräunt haben. Das Ergebnis faßt der Autor, Philippe Autier, wie folgt zusammen: »? (es) konnte kein Hinweis für den Zusammenhang zwischen Solarienbenutzung und Auftreten von Melanomen festgestellt werden.« Auch die oft geäußerte Vermutung, daß bei häufiger Solarien-Nutzung die Wahrscheinlichkeit steigen würde, Melanome zu bekommen, konnte Autier in seiner Untersuchung nicht bestätigen. Schon seit einiger Zeit läßt sich ein Umdenken in der Verteufelung der künstlichen Sonne beobachten. So schrieb die Amerikanerin Judy Foreman im »Boston Globe«, 4. Juni 2002: »Die Begründung für den Standpunkt ›ein wenig Sonne ist gut‹ besteht darin, daß das in der Haut als Reaktion auf die UV-B-Strahlung gebildete Vitamin D vor bestimmten Krankheiten wie zum Beispiel Brust-, Dickdarm- und Prostatakrebs schützen kann.«

Was hat es nun mit dem protektiven Vitamin D auf sich? Hierzu ein Fachmann auf dem Gebiet der Dermatologie, Professor Dr. med. Friedrich Schröpl …

Frage: »Welche Funktion hat Vitamin D im menschlichen Organismus?«

Antwort: »Vitamin D ist für die Regulierung des Kalziumstoffwechsels verantwortlich. Die aktive Form des Vitamin D steuert auch das Wachstum der Hautzellen. Dies bedeutet, daß die Zellteilung – und im Krankheitsfall auch die Zellwucherung – kontrolliert wird. Vitamin D wird durch UV-Strahlung gebildet.«

Frage: »In der Haut ist das einfach vorstellbar. Aber wie gelangt UV-Strahlung an Darm und Brust?«

Antwort: »UV-Strahlung bildet nicht direkt die aktive Form des Vitamin D sondern bewirkt eine Reaktionskette. Durch UV-B-Strahlung wird in der Haut das Pro-Vitamin D als Vorstufe gebildet. Diese Vorstufe gelangt mit dem Blutkreislauf in die Leber. Hier entsteht dann eine weitere Vorstufe des Vitamin D, das in der Niere zum endgültigen endgültigen aktiven Vitamin D3 umgewandelt wird.«

Frage: »Wie kann man den Einfluß von Vitamin D auf die Karzinom-Entstehung erklären?«

Antwort: »Die aktive Form des Vitamin D ist in der Lage, kranke Zellen dazu zu bewegen, sich wieder normal zu verhalten. Dieses konnte an Leukämiezellen (Blutkrebszellen) in Gewebekulturen gezeigt werden. Auch im Tierversuch konnte die schützende Hemmwirkung von Vitamin D auf Tumorzellen gezeigt werden. Es wird angenommen, daß das Vitamin die Zellteilung kontrolliert.«

Frage: »Kann man erklären, warum Vitamin D besonders vor Brust-, Dickdarm- und Prostatakrebs schützt?«

Antwort: »Die Frage kann nicht schlüssig beantwortet werden. Es spricht vieles dafür, daß die schützende Wirkung von Vitamin D vorwiegend bei Krebszellen wirksam ist, die von der epithelialen Gewebefamilie abstammen. Das heißt Brust-, Dickdarm-, Prostatagewebe entwickeln sich aus dem gleichen Gewebestamm und reagieren daher ähnlich.«

Kosmetik Sabine Keilbart-Mattusch, Website

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