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Meinungsfreiheit an Universitäten: Neuer Ansatz in einer kontrovers geführten Debatte

Wissenschaftliche Kontroversen werden häufig von Kritik und Gegenkritik begleitet. So auch eine Studie zur Meinungsfreiheit an Universitäten, die Ende vergangenen Jahres eine hitzige Debatte ausgelöst hatte. Ein innovatives Folgeprojekt mit Ursprung an der Universität Mannheim will die unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven nun

Lesedauer 2 Minuten, 9 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 1. September 2021
Meinungsfreiheit an Universitäten: Neuer Ansatz in einer kontrovers geführten Debatte

Wissenschaftliche Kontroversen werden häufig von Kritik und Gegenkritik begleitet. So auch eine Studie zur Meinungsfreiheit an Universitäten, die Ende vergangenen Jahres eine hitzige Debatte ausgelöst hatte. Ein innovatives Folgeprojekt mit Ursprung an der Universität Mannheim will die unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven nun konstruktiv zusammenführen: In Form einer »pre-registered adversarial collaboration« kommen Forscherinnen und Forscher mit dezidiert divergierenden Forschungsperspektiven und ideologischen Hintergründen zusammen, um den Stand der Meinungsfreiheit an Hochschulen gemeinsam zu untersuchen.

Das Projekt greift eine Studie des Mannheimer Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Richard Traunmüller und seines Kollegen Dr. Matthias Revers auf, die Ende vergangenen Jahres ein großes mediales Echo in vielen überregionalen Medien ausgelöst hatte. Auf Grundlage einer Befragung an der Universität Frankfurt hatten die Autoren resümiert, dass unter Studierenden große Bereitschaft herrsche, die Freiheit zur Äußerung unliebsamer Positionen einzuschränken.

Kritische Stimmen aus der Wissenschaft bemängelten daraufhin Studiendesign und ‑interpretation. Auf Initiative des Politikwissenschaftlers Dr. Alexander Wuttke, Fellow am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung der Universität Mannheim, sind nun Kritikerinnen und Kritiker der Ursprungsstudie eingeladen, sich gemeinsam mit den Ursprungsautoren auf ein Studiendesign zu einigen, das alle Beteiligten trotz unterschiedlicher Grundauffassungen für überzeugend halten. »Ziel dieses innovativen Wissenschaftsprojektes ist es, die Sichtweisen konstruktiv zusammenzubringen und die individuellen Hypothesen der Beteiligten mit neuen Daten einem kritischen Test zu unterziehen«, erklärt Wuttke, der den Prozess als unparteiischer Ombudsmann begleitet.

Die Idee einer »adversarial collaboration« geht zurück auf Nobelpreisträger Daniel Kahneman, der mehrfach Kritiker seiner Studien zu Forschungskooperationen eingeladen hatte. Eine weitere Besonderheit dieses Ansatzes ist die Bereitschaft der beteiligten Forschenden zur sogenannten Präregistrierung. Der Ansatz: Vor der Erhebung neuer Daten legen die Beteiligten alle Aspekte der Analysestrategie fest und erklären, welche Beobachtungen vereinbar und unvereinbar mit ihren individuellen Erwartungen wären. Beispielsweise einigen sich die Forscher darauf, mit welchen Frageinstrumenten sich am besten erfassen lässt, ob Studierende bereit sind, die Meinungsfreiheit einzuschränken, und legen vor der Datenerhebung fest, ab welcher Schwelle von einer überraschenden oder besorgniserregenden Ablehnung demokratischer Prinzipien gesprochen werden kann.

Die präregistrierte Analysestrategie der noch unbekannten Daten wirkt der menschlichen Tendenz entgegen, neue Informationen stets so zu interpretieren, dass sie als Bestätigung der eigenen Voreinstellungen erscheinen (confirmation bias). Die unvoreingenommene Offenheit, aus neuen Daten zu lernen, ist – neben dem kollaborativen Ansatz – ein weiteres Qualitätsmerkmal dieser Wissenschaftsform.

Sozialwissenschaftler und Sozialwissenschaftlerinnen mit kritischer Perspektive auf die Ursprungsstudie von Traunmüller und Revers sind nun eingeladen, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Die Ausschreibung zur Teilnahme an der pre-registered adversarial collaboration ist online verfügbar unter https://osf.io/p59cd/.

Matthias Revers, Richard Traunmüller: »Is Free Speech in Danger on University Campus? Some Preliminary Evidence from a Most Likely Case.« Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 72,

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