LWL, das Geheimnis der Kindergräber, wie gestalten wir inklusive Erinnerungskultur?

  • Landschaftsarchitektur Studenten der TH OWL erstellen Konzepte für Anstaltsfriedhof

Erinnern ist Arbeiten an der #Zukunft. Die Einrichtungen #Marsberg des Landschaftsverbandes #Westfalen #Lippe (LWL) haben ein gemeinsames Projekt mit der #Technischen #Hochschule #OWL ins Leben gerufen. Zusammen mit ihrer Professorin Elizabeth Sikiaridi haben 12 Studenten der Landschaftsarchitektur den Anstaltsfriedhof an der Bredelarer Straße im Rahmen eines zweitägigen Workshops besucht.

Begonnen hat der Workshop mit einer historischen Einordnung durch Dr. Jens Gründler vom #LWL Institut für westfälische Regionalgeschichte. »Die Zwangssterilisierungen und Patientenmorde in der Klinik während der #NS Zeit waren keine isolierten Ereignisse, sondern müssen im Kontext verschiedener theoretischer Vorläufer gesehen werden«, betont er. »Der wichtigste Vorläufer war die Eugenik, also die Idee und Lehre von der Verbesserung des menschlichen Erbgutes durch 
verschiedene Maßnahmen.« Über die genauen Ausmaße der ›Unruhen‹ in der Marsberger Bevölkerung über die Vorgänge in der Klinik sei wenig Genaues bekannt«, aber »sie führten dazu, dass die Kinderfachabteilung verlegt wurde.«

Im Anschluss haben Jens Effkemann und Vanessa Schmolke vom Volksbund Deutsche #Kriegsgräberfürsorge über Kriegsgräber und ihre einzigartige Bedeutung als Zeitzeugen gesprochen. »Kriegsgräber sind ein Ort der Mahnung und Verständigung«, so die beiden Referenten. »In Anbetracht des Kriegs in der Ukraine ist unsere Arbeit aktueller denn je.» Dabei gehe es nicht nur um die Klärung von Einzelschicksalen bei rund 20.000 Umbettungen pro Jahr, sondern auch um Verständnis, Versöhnung und Akzeptanz bei internationalen Jugendbegegnungen. »Die Gedenkkultur ist ein wichtiger Pfeiler, um den Frieden zu wahren«, so Vanessa Schmolke. 

In Kleingruppen hatten die jungen Erwachsenen im Vorfeld Impulsreferate zu verschiedenen Gedenkorten wie zum Beispiel die »Varusschlacht – #Museum und Park Kalkriese« oder dem #Gedenkort »Passagen« für den Philosophen Walter Benjamin gehalten. Im Anschluss an die Vorträge haben die Student:innen erste Ideen und Konzepte zur Gestaltung einer inklusiven Erinnerungskultur für den Anstaltsfriedhof entwickelt, die sie im Laufe des Semesters weiterentwickeln. Professorin Elizabeth Sikiaridi sagt: »Es ist schön, dass unsere Studenten die Möglichkeit bekommen, an einem realen Projekt zu arbeiten und so wertvolle Erfahrungen sammeln.«

Einladung an alle Interessierten

Die #Online Präsentation der Ergebnisse findet am Mittwoch, 29. Juni 2022, um 14 Uhr im Festsaal Weist statt. Die Präsentation inklusive Diskussion wird voraussichtlich rund 1,5 bis 2 Stunden dauern. Alle Interessierten sind ganz herzlich dazu eingeladen, die Online Präsentation gemeinsam im Festsaal mit zu verfolgen. Anmeldungen bitte Julia Hollwedel, Telefon +4929926011399, oder E Mail ju-lia.hollwedel@lwl.org.

Hintergrund

Im #Nationalsozialismus wurde das Sankt Johannes #Stift, Vorgänger des LWL Klinikums Marsberg, Klinik für Kinderpsychiatrie und Jugendpsychiatrie sowie des LWL Wohnverbundes Marsberg zu einer »Kinderfachabteilung« des »Reichsausschusses zur wissenschaftlichen Erfassung erbbedingter und anlagebedingter schwerer Leiden.« In den folgenden Monaten wurden dort etwa 50 Kinder und Jugendliche durch die überdosierte Gabe von Medikamenten gezielt betäubt und getötet. Da-zu kamen regimetreue Schwestern, die sogenannten »Braunen Schwestern«, von Berlin nach Marsberg. Wegen Unruhen in der Bevölkerung wurde 1941 die »Fachabteilung« in Marsberg geschlossen und nach Dortmund Aplerbeck verlegt. Der Anstaltsfriedhof gehört zu den ganz wenigen #Gedenkstätten mit erhaltenen #Gräbern.