Webcard, Branche »Gedenkorte«
Foto: Christian Schröter, CC BY SA, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen
Der #Kirchturm der #Apostelkirche ist das älteste erhaltene Bauwerk #Güterslohs und zugleich eines der eindringlichsten Mahnmale der Stadtgeschichte. Am Alten Kirchplatz 1 gelegen, verbindet dieser Ort jahrhundertelange religiöse Toleranz mit der tiefen Tragödie des Zweiten Weltkriegs. Heute fungiert die Rückseite der #Kirche zentraler Gedenkort für die Opfer von #Krieg und #Gewaltherrschaft.
Ein Ort des Schreckens: der #Totensonntag 1944
Im Zweiten Weltkrieg blieb Gütersloh nicht von Luftangriffen verschont. Der schwärzeste Tag für das historische Herz der Stadt war der 26. November 1944 (#Totensonntag).
Die Katastrophe: Eine alliierte #Luftmine traf das #Kirchenschiff der damals rund 750 Jahre alten Apostelkirche direkt.
Die Opfer: Das Hauptschiff wurde komplett zerstört. Im vermeintlich schützenden massiven Steinturm hatten zahlreiche Bürger Schutz gesucht. 19 Menschen verloren in den Trümmern ihr Leben.
Das Überbleibsel: Während das Kirchenschiff in den 1951er Jahren durch den Architekten Werner March neu errichtet wurde, blieb das historische Fundament des Turms aus den Jahren 1240/1250 als stummer Zeuge bestehen.
Vom geteilten Gotteshaus zum gemeinsamen #Mahnmal
Die Bedeutung der Apostelkirche als #Gedenkort speist sich auch aus ihrer identitätsstiftenden Rolle für die Stadt. Ursprünglich um 1201 als erste Steinkirche errichtet, blickt sie auf eine ungewöhnliche Phase des Friedens zurück: Ab dem 16. Jahrhundert bis zum Jahr 1890 diente sie als #Simultankirche. #Katholiken und #Protestanten nutzten dasselbe Gotteshaus friedlich nebeneinander – eine Besonderheit in den Epochen konfessioneller Konflikte. Als das Gebäude 1944 in Schutt und Asche sank, traf der Verlust das kollektive Gedächtnis der gesamten Gütersloher Bürgerschaft.
Lebendige #Erinnerungskultur heute
In der Nachkriegszeit wurde die Ruine und der spätere Wiederaufbau schnell zum Kristallisationspunkt lokaler Trauerarbeit. Heute steht die Anlage unter #Denkmalschutz (Denkmalnummer A 001) und ist fest im städtischen Gedächtnis verankert.
Zentraler Gedenkplatz: Der Turmbereich dient als Kulisse für offizielle städtische Gedenkveranstaltungen, etwa zum jährlichen Volkstrauertag.
Brücke zur Gegenwart: Die Kirchengemeinde und lokale Initiativen nutzen die geschichtsträchtige Atmosphäre regelmäßig für moderne Mahnprojekte. So finden hier Veranstaltungen wie »Lesen gegen das Vergessen« (zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen) oder das Namensgedenken »Todesursache Flucht« statt.
Der Kirchturm der Apostelkirche zeigt eindrucksvoll, wie aus den Trümmern der Zerstörung ein dauerhafter Raum für Mahnung, Frieden und bürgerliches Bewusstsein erwachsen kann.
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