Deutschland auf dem Komposthaufen? Die »Grünen« wollen die Toten möglichst schnell »reerdigen«!

Dennis Riehle, Konstanz, 2. April 2024

Zum Vorstoß der Grünen, die Bestattungskultur in Deutschland offiziell um das Konzept der Reerdigung zu erweitern, kommentiert der Politikberater und Journalist Dennis Riehle wie folgt …

Die »Grünen« möchten sich nun dafür einsetzen, dass wir nach unserer Präsenz auf diesem Planeten in einer möglichst schnell kompostierbaren Art und Weise das Zeitliche überwinden. Mit ihrem Vorstoß zur sogenannten »#Reerdigung« hat die #Partei nicht nur in Brandenburg für viel Aufsehen gesorgt. Bei dem modernen Verfahren wird der #Leichnam in einem Behältnis mit #Stroh, #Heu und #Pflanzenkohle in einen kokonartigen Zustand versetzt und bei einer Temperatur von 70 Grad bei Luftzufuhr regelmäßig gedreht und gewendet, um sodann nach dem Prinzip #Erde zu Erde beigesetzt zu werden. Was für die Einen nach einem überaus natürlichen Vorgang klinkt, gilt bei den anderen – wie bei mir – als respektlos. Und natürlich reiht sich diese Philosophie ein in das Modell des ökologisch Abbaubaren – also die Idealvorstellung eines jeden Atomkraftgegners, der sich bis heute an der Endlagerfrage reibt, obwohl selbst bei den Brennstäben mittlerweile Formen des Recyclings erforscht und erprobt werden. Aber ein menschlicher Körper ist eben kein atomarer Müll, sondern er trägt auch nach seinem Tod Würde in sich, die für mein Verständnis mit Füßen getreten wird, wenn man eine Kultur des Abschiednehmens nur deshalb zu torpedieren versucht, weil ideologische Gründe hierzu antreiben. Denn es geht nicht um Progressivismus allein, also um ein Diskreditieren des christlichen Brauchtums zum pietistischen Andenken an einen Verstorbenen. Der Eindruck liegt nahe, wonach auf brachiale Art und Weise das Konservative erodiert werden soll, weil es als rückwärtsgewandt, altertümlich und rechts gilt. So wird der identitätspolitische Kampf nun sogar auf dem Friedhof ausgetragen – und scheint damit keine ethischen und moralischen Schranken mehr zu kennen.

Natürlich könnte man entgegnen, dass lediglich ein ohnehin stattfindender Prozess des Übergangs vom menschlichen Corpus zurück in die Elemente beschleunigt wird. Oder dass auch eine Einäscherung nicht unbedingt den Gedanken der Rückkehr in die Ursprünglichkeit in sich trägt. Und ich hätte zweifelsohne auch kein Problem damit, mich mit neuen Formen der sogenannten »Totenversorgung« zu befassen, würde hinter diesem Ansinnen der Partei nicht eine weltanschauliche und politische Motivation stecken, mit der wir ein Stück weiter auf eine biologische Denkweise eingeebnet werden sollen. Denn es scheint offenbar ein grünes Anliegen zu sein, sogar bis über die Diesseitigkeit hinaus über den Anderen bestimmen zu wollen. Und man kann es tatsächlich mit dem Ökologismus auch übertreiben – wenn man uns beispielsweise obsessiv vom Proteinreichtum der Insekten als Ernährung der Zukunft überzeugen möchte, vom Fair Trade Pullover aus Wolle nachhaltigen Anbaus oder einer ohne tierische Beteiligung hergestellten Nachttischlampe. Dass in dieser Mentalität die Achtung vor dem Leben eine nicht allzu große Rolle spielt, offenbart sich beispielsweise am Ziel der sogenannten Klimaneutralität: Wer ein »Zero #CO2« beabsichtigt, will ein Ende unserer Zivilisation. Schließlich gibt es ohne Kohlenstoffdioxid keine Existenz auf unserem Globus. Und auch die physikalische Argumentation von manch bildungsfernen Genossen überzeugt nicht, wonach die promillehaft ansteigende Konzentration der Treibhausgaspartikel in der Atmosphäre wesentlichen Einfluss auf die Wärmereflexion hat.

In vielen anderen Bereichen scheint die linke Wertschätzung vor dem Zugegensein des Menschen gering. Ob es nun eine sehr willkommene Befürwortung einer liberalen #Sterbehilfe ist, welche bis an die Wirtschaftlichkeit der Selbsttötung heranreicht. Oder blicken wir nur auf die vom #Feminismus mit Vehemenz vertretene Position zur absoluten Selbstbestimmung der Frau über ihren eigenen Körper – und damit einem Recht auf Abtreibung bis im Zweifel zur Geburt – so wird die mangelnde Ehrfurcht vor dem Nachwuchs und dem Fortbestand unserer Spezies deutlich. Sie fand ihr Kontinuum zuletzt auch in der Ankündigung von zahlreichen Aktivisten aus der Erderhitzungsbewegung, sich sterilisieren lassen zu wollen, um damit zu verhindern, dass durch Kinder noch mehr verbrauchte Luft den Fußabdruck unserer Gesellschaft vergrößert. Es ist also die generelle Verachtung vor der eigenen Biografie, was man angesichts der individuellen Leistungsbilanz von »Grünen« Politikern durchaus nachvollziehen kann. Doch diese Scham darf nicht dazu führen, dass wir in eine kollektive Depression über die #Zukunft unseres Volkes verfallen – und es voreilig zu Grabe tragen. Und damit schließt sich der Kreis zum Ausgangspunkt, welcher in der Konklusion nicht nur den Anschein erweckt, sondern ihn sogar untermauert, dass der Hass und die Verhöhnung alles Vitalen und Gedeihlichen zu einem Credo von Parteien geworden ist, die das Deutsche so sehr verabscheuen, dass sie zu einer verallgemeinernden Geringschätzung des Individuums bereit sind – und damit nicht nur eine eigene Überdrüssigkeit für das Gegenwärtige, sondern auch eine Sehnsucht nach der Metamorphose kundtun.

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