#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh – das Gütersloher Gaswerk – vom Steinkohlengas zur modernen Energieversorgung
#Gütersloh, 28. Juni 2026
Mit der #Industrialisierung hielt auch in Gütersloh eine neue Form der Energieversorgung Einzug. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden in der #Bürgerschaft Wünsche nach einer städtischen #Gasanstalt laut. Nach den überlieferten Quellen reichen diese Überlegungen bis in das Jahr 1801 zurück; verwirklicht wurde das Vorhaben jedoch erst viele Jahrzehnte später. Im November 1862 nahm das Gütersloher #Steinkohlen #Gaswerk schließlich den Betrieb auf und versorgte die Stadt erstmals mit #Gas für #Beleuchtung und #Haushalte.
Schon bald wuchs der Bedarf erheblich. Bereits 1880 entstand ein 2. #Gasbehälter, und in den Jahren 1888/89 wurde das Werk umfassend erweitert. Neben einer größeren Reinigungsanlage wurden zahlreiche Gasleitungen in den Straßen durch leistungsfähigere Rohre ersetzt. Als die jährliche #Gasproduktion Ende der 1890er Jahre bereits über 422.000 Kubikmeter erreichte und an Spitzentagen mehr als 2.400 Kubikmeter benötigt wurden, genügte auch diese Erweiterung nicht mehr. Ein neues #Ofenhaus mit leistungsfähigeren #Retortenöfen entstand, außerdem erhielt das Werk erstmals maschinelle Unterstützung durch #Gassauger sowie moderne Anlagen zur #Gasreinigung. Neue Behälter für #Teer und #Ammoniakwasser ergänzten die technische Ausstattung. Ein 1900 errichteter Gasbehälter mit 1.600 Kubikmetern Fassungsvermögen wurde 1911 durch eine Teleskopkonstruktion auf 3.200 Kubikmeter erweitert.
Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs entwickelte sich das Gaswerk erfolgreich weiter. Die Jahresproduktion überschritt schließlich die Marke von einer Million Kubikmetern. Der Krieg brachte jedoch erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Hochwertige #Gaskohle war kaum noch erhältlich, stattdessen musste häufig minderwertiges Material verarbeitet werden. Zudem ordnete der #Reichskommissar für die #Kohlenverteilung eine Rationierung des Gasverbrauchs an. #Gassperrstunden wurden eingeführt und die #Straßenbeleuchtung teilweise abgeschaltet. Dennoch gelang es dem Gütersloher Gaswerk, die Versorgung der Bevölkerung auch unter schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten – ein Umstand, der keineswegs selbstverständlich war.
Die Erfahrungen der #Kriegszeit und #Nachkriegszeit machten deutlich, dass eine grundlegende #Modernisierung notwendig war. Zwischen 1922 und 1923 wurde das Werk nahezu vollständig umgebaut. Die bisherigen Retortenöfen wurden durch eine moderne #Kammerofenanlage ersetzt. Neue #Kohlenbunker und #Koksbunker, ein elektrischer #Kohlenaufzug sowie zeitgemäße Reinigungsanlagen, Regleranlagen, Benzolanlagen und Koksbrecheranlagen verbesserten die #Wirtschaftlichkeit erheblich. Durch den Umbau konnte aus derselben Kohlenmenge bis zu 60 Prozent mehr Gas gewonnen werden, während gleichzeitig der Koksverbrauch sank.
Mitte der 1920er Jahre galt das Gütersloher Gaswerk als technisch modern ausgestattet. Lediglich ein direkter #Gleisanschluss fehlte weiterhin, sodass die Kohle vom #Bahnhof mit #Fuhrwerken zum Werk transportiert werden musste. Das Rohrnetz war inzwischen auf rund 34 Kilometer angewachsen. Der weitere Ausbau blieb allerdings kostspielig, da sich die Bebauung Güterslohs über ein vergleichsweise #großes Stadtgebiet verteilte.
Rund 2.800 #Haushalte waren inzwischen an das #Gasnetz angeschlossen. Vor dem Ersten Weltkrieg beleuchteten 324 #Gaslaternen die Straßen Güterslohs. In den Jahren nach dem Krieg war jedoch zunächst nur noch etwa die Hälfte davon in Betrieb. Dennoch blieb das Gaswerk für Jahrzehnte ein zentraler Bestandteil der städtischen #Infrastruktur und trug entscheidend zur Modernisierung Güterslohs bei. Es versorgte Haushalte, Gewerbebetriebe und die öffentliche #Beleuchtung mit #Energie und war zugleich ein bedeutender kommunaler Eigenbetrieb.
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