#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh – Karte der Comitatus Marchia et Ravensberg von 1634/1635 (Ausschnitt) mit #Gutzloo

Zu den eindrucksvollsten kartografischen Zeugnissen des 17. Jahrhunderts zählt die kolorierte Landkarte »Comitatus Marchia et Ravensberg«, erhältlich bei Götzfried Antique Maps 🔗, die auf den niederländischen Kartografen Willem Janszoon Blaeu (1571 bis 1638) zurückgeht. Sie zeigt die damaligen Grafschaften Mark und Ravensberg – zu denen auch das Gebiet des heutigen #Gütersloh gehörte (auf der Karte ist Gutzloo vermerkt) – und vermittelt einen faszinierenden Eindruck davon, wie die Region vor fast 400 Jahren dargestellt wurde.

Die Karte erschien erstmals 1634 im berühmten Atlas »Theatrum Orbis Terrarum sive Atlas Novus«, der bereits kurz darauf zu den bedeutendsten geografischen Werken Europas zählte. Das hier beschriebene Exemplar stammt aus einer frühen Ausgabe von 1634/35 und besitzt noch keinen rückseitigen Erläuterungstext – ein Merkmal der ersten Druckauflagen.

Für die Geschichte Güterslohs ist die Karte besonders interessant, weil sie die damaligen territorialen Verhältnisse dokumentiert. Gütersloh gehörte zu jener Zeit zur Grafschaft Ravensberg, die seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts unter brandenburgischer Herrschaft stand. Orte, Flüsse, Wege und Grenzen wurden mit großer Sorgfalt dargestellt und geben einen wertvollen Einblick in die historische Landschaft Ostwestfalens.

Etymologie

Eine interessante Deutungsmöglichkeit für die Bedeutung des Namens »Gütersloh« ergibt sich aus der auf der Blaeu Karte verwendeten Schreibweise »#Gutzloo«. Während die Endung »loo« dem altniederdeutschen beziehungsweise niederländischen »Loh« entspricht und einen lichten #Wald oder ein #Waldstück bezeichnet, könnte die erste Silbe auf einen Personennamen zurückgehen. Demnach wäre »Gutzloo« als »Guts Loo« oder »Güths Loh« zu verstehen – also als »Der Wald des Gut (Güt, Güth)«. Ortsnamen, die aus einem Personennamen und einer Landschaftsbezeichnung gebildet wurden, sind im #w#estfälischen Raum häufig anzutreffen. Ob die Schreibweise »Gutzloo« tatsächlich einen Hinweis auf den ursprünglichen Ortsnamen liefert oder lediglich eine kartografische Schreibvariante des 17. Jahrhunderts darstellt, lässt sich heute nicht mit Sicherheit entscheiden. Sie stellt jedoch einen bemerkenswerten und bislang kaum beachteten historischen Namensbeleg dar.

Willem Janszoon Blaeu

Willem Janszoon #Blaeu war nicht nur Kartograf, sondern auch Astronom und Instrumentenbauer. Nach einer Ausbildung beim berühmten dänischen Astronomen Tycho Brahe entwickelte er sich zu einem der angesehensten Kartenverleger seiner Zeit. 1633 wurde er offizieller Kartograf der Niederländischen #Ostindien #Kompanie (#VOC), deren weltweite Handelsreisen den Bedarf an präzisen Karten erheblich steigerten.

Nach Blaeus Tod führten seine Söhne Joan und Cornelis den Verlag weiter. In den folgenden Jahrzehnten entstand mit dem »Atlas Maior« eines der prachtvollsten und umfangreichsten Kartenwerke des Barock. Erst der verheerende Brand der #Amsterdamer #Druckerei im Jahr 1672 bedeutete das Ende der großen Blaeu Dynastie.

Heute sind frühe Ausgaben der Blaeu Karten begehrte Sammlerstücke. Sie verbinden wissenschaftliche Präzision mit aufwendiger kolorierter Kupferstichkunst und gelten als Höhepunkt der niederländischen Kartografie des sogenannten »Goldenen Zeitalters«.

Gerade für die Geschichte Güterslohs und der Region Ravensberg sind solche Karten weit mehr als dekorative Kunstwerke: Sie zeigen, wie die Landschaft, die politischen Grenzen und die wichtigsten Orte im 17. Jahrhundert wahrgenommen wurden und bilden damit eine wertvolle Quelle für die historische Forschung.

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