Deutungsflucht

Das gezielte Ausweichen vor einer klaren Stellungnahme, indem man scheinbar bestätigt, aber in Wahrheit nur eine subjektive Wahrnehmung anerkennt – ohne die zugrunde liegende Realität zu bestätigen oder zu verneinen.

Mechanismus

1. Frage wird gestellt – zum Beispiel »Glauben Sie mir?«

2. Antwort umgeht die Tatsachenebene – zum Beispiel »Ich glaube Ihnen, dass Sie sich so fühlen.«

3. Ergebnis: Der Fragende bekommt kein echtes Commitment, der Antwortende behält Deutungshoheit und Ambiguität.

Ziel

  • Verantwortung vermeiden
  • Falsifizierbarkeit verhindern
  • Machtgefälle sichern

Wirkung auf das Gegenüber

  • Hinterlässt Unklarheit und Frustration
  • Erzeugt unterschwelligen Zweifel an der eigenen Wahrnehmung
  • Verstärkt asymmetrische Gesprächsstrukturen

Beispiel

Opfer: »Glauben Sie, dass ich gemobbt werde?« Deutungsflucht: »Ich glaube Ihnen, dass Sie sich gemobbt fühlen.« Implizite Botschaft: »Die Realität selbst bleibt offen – und ich entscheide, ob wir darüber sprechen.«

Abwehr

Auf Tatsachenebene zurückführen: »Ich frage nicht nach meinem Gefühl, sondern nach Ihrer Einschätzung der Situation.« Festnageln: »Also ja oder nein?«