Engel & Völkers

Ende der Homeoffice-Pflicht: erster Schritt in eine neue Normalität

Die Homeoffice-Pflicht läuft Ende des Monats aus. Sinkende Inzidenzzahlen machen diesen Schritt möglich. Unklar ist noch, wie viele der Beschäftigten jetzt in welchem Umfang an den betrieblichen Arbeitsplatz zurückkehren

Lesedauer 2 Minuten, 24 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 30. Juni 2021, DOI: https://www.guetsel.de/content/23659/665932.html
Ende der Homeoffice-Pflicht: erster Schritt in eine neue Normalität

Die Homeoffice-Pflicht läuft Ende des Monats aus. Sinkende Inzidenzzahlen machen diesen Schritt möglich. Unklar ist noch, wie viele der Beschäftigten jetzt in welchem Umfang an den betrieblichen Arbeitsplatz zurückkehren. Die Nutzungszahlen der kommenden Wochen werden Aufschlüsse darüber geben, was vom Experiment »Homeoffice« in Pandemiezeiten langfristig übrigbleibt.

Ab dem 1. Juli 2021 sind Unternehmen nicht mehr verpflichtet, bei Büroarbeiten oder vergleichbaren Tätigkeiten das Arbeiten im Homeoffice anzubieten. Damit reagiert die Bundesregierung auf die Entwicklung beim Infektionsrisiko. Die Homeoffice-Pflicht wurde eingeführt, um die Kontakte in Büros, Fluren und in öffentlichen Verkehrsmitteln auf ein Minimum zurückzuführen. Die Entscheidung, ob, in welchem Umfang und wann Beschäftigte ihre Aufgaben auch zu Hause erledigen können, kehrt nun folgerichtig dorthin zurück, wo sie hingehört: in das originäre Weisungsrecht der Arbeitgeber. Nach 16 Monaten Pandemie hat sich allerdings die Erwartungshaltung vieler Arbeitnehmer verändert.

Experiment kann vielerorts eine neue Norm etablieren

In vielen Unternehmen haben Beschäftigte und Arbeitgeber gute Erfahrungen mit dem Homeoffice gemacht. Deswegen wollen viele daran festhalten. Das gilt selbst bei den Unternehmen, die früher befürchteten, dass die Zusammenarbeit im Homeoffice schlechter funktioniert. Lücken in der technischen Ausstattung, zum Beispiel bei fehlenden mobilen Endgeräten oder unzureichenden Zugängen zu betrieblichen Daten- und Kommunikationsnetzwerken, konnten vielerorts bereits in der ersten Phase der Pandemie in einer Kraftanstrengung der Unternehmen geschlossen werden. Viele Beschäftigte freuten sich über wegfallende Pendelzeiten und sehen hier eine Chance, Familie und Beruf besser zu verbinden.

Dies gilt aber vermutlich nicht für alle der bis zu rund 40 Prozent Beschäftigten, die nach Angaben von Personen- und Betriebsbefragungen zuletzt im Homeoffice gearbeitet haben. Wo Führungskräfte und Mitarbeiter zu dem Schluss kommen, dass Homeoffice mehr schlecht als recht funktioniert hat und damit nur als Notmaßnahme taugt, wird man geräuschlos zur gewohnten Vor-Corona-Routine am Arbeitsplatz zurückkehren.

Mobile Arbeit ist Sache der Unternehmen

Offen ist, wie der Konflikt zwischen betrieblichen Interessen, individuellen Bedürfnissen und Wünschen gelöst wird. Die große Herausforderung der kommenden Monate wird sein, eine Balance zwischen den verschiedenen Ansprüchen zu finden. Damit rücken die Aspekte in den Vordergrund, die in Zeiten von Infektionsrisiken und Kontaktbeschränkungen eine untergeordnete Rolle gespielt haben: Etwa ob sich Personen und ihr häusliches Umfeld überhaupt für das räumlich und zeitlich flexible Arbeiten eignen. Konflikte drohen auch in Unternehmen, in denen nur einige Mitarbeiter aus dem Homeoffice arbeiten können, während für andere die Arbeit zuhause nicht möglich ist.

Beschäftigte werden lernen müssen, dass nicht jeder Wunsch umsetzbar ist. Genauso werden Unternehmen merken, dass die Formel »weniger Leute im Büro gleich weniger Flächenbedarf« nicht einfach aufgeht. Und dass angemessene Lösungen für ein effizientes, räumlich und zeitlich flexibles Arbeiten im eigenen Haus sehr verschieden ausfallen können. Einheitliche Lösungen sind meist unsinnig. Deswegen führen auch Vorschläge aus der Politik, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einen rechtlichen Anspruch auf Homeoffice einzuräumen, in die Irre. Sie bergen zudem Konfliktstoff: Nicht nur, weil sie das effektive Austarieren von Interessen und Anforderungen aus der Balance bringen könnten, sondern auch weil im Extremfall Arbeitsgerichte ein Urteil über die Zweckmäßigkeit einer Arbeitsregelung fällen müssten.

Salenti

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