Vom Fass

Der Zehn-Punkte-Plan des HDE

Ich habe mir den Zehn-Punkte-Plan des HDE mal durchgelesen

Lesedauer 6 Minuten, 12 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 29. Juni 2021, DOI: https://www.guetsel.de/content/23634/747345.html
Der Zehn-Punkte-Plan des HDE

Ich habe mir den Zehn-Punkte-Plan des HDE mal durchgelesen …

»Der coronabedingte Lockdown hat den Einzelhandel so hart getroffen wie kaum eine andere Branche« … nun ja … bis auf beispielsweise die Kulturbranche im weitesten Sinne samt Begleitgewerbe, die Fitnessbranche (einige Fitnessstudiobetreiber sind den Tränen nahe), die gastgebende Gastronomie, Dienstleister wie Kosmetikstudios … insofern ist dieser »City-Bonus« recht egoistisch gedacht …

»Die Digitalisierung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, insbesondere für den Mittelstand. Dafür erforderliche Investitionen sind in Krisenzeiten aber kaum möglich« … das stimmt nicht. Wenn man will, kann man mit praktisch null Kosten digital tätig werden. Man muss lediglich selbst Arbeit leisten.

Zu dem Gedanken, der hinter dem »Sonderprogramm Innenstadtstabilisierung« steckt, habe ich mich ja schon ausgelassen … und ich lehne mich da aus dem Fenster: Das wird praktisch nichts bringen. Kurzfristig schon … aber nicht nachhaltig. Es geht am Kern des Problems vorbei. Sonntagsöffnungen sind gut … keine Frage … die funktionieren ja erwiesenermaßen.

»So kann zum Beispiel eine Digitalsteuer vom Marktplatzbetreiber durch Preiserhöhungen leicht auf Einzelhändler, die sich über den Marktplatz eine digitale Präsenz aufbauen wollen, abgewälzt werden«. Was für ein Marktplatzbetreiber? Amazon – oder wer? Klar wälzen die das ab … auf die Einzelhändler. Und die wälzen es auf die Kunden ab.

»Der Zoll muss ertüchtigt werden, um Direktimporte per Paketversand von Nicht-EU-Händlern nach Deutschland besser und umfänglicher kontrollieren zu können« … auf was soll er kontrollieren? Warum?

»Eine Kennzeichnung von Nicht-EU-Händlern auf in der EU ansässigen Plattformen ist zu prüfen, da bei 60 Prozent aller Online-Bestellungen bei ausländischen Anbietern, der Verbraucher dort unwissentlich bestellt« … was für »in der EU ansässige Plattformen« sollen das sein? Und selbst wenn der Verbraucher das wüsste – es interessiert ihn doch gar nicht. Letztlich kommt doch sowieso das meiste aus dem Ausland, aus Asien.

»Deutschland muss die Spirale der sich gegenseitig verstärkenden Regulierungsintensität des nationalen Gesetzgebers und der EU-Gesetzgebung durchbrechen« … ein hehres Ziel. Bloß wie?

»Dies gilt beispielsweise für die unzähligen Informationspflichten der Unternehmen gegenüber den Verbrauchern, die bei diesen zu einem ›Information Overload‹ führen und die Konsumenten eher verwirren beziehungsweise belästigen, ohne in der Praxis die Basis für geschäftliche Entscheidungen der Verbraucher zu verbessern« … das ist wahr. Am deutlichsten wird das bei den »Cookie-Bannern« …

»Denn die EEG-Umlage bittet Privatverbraucher und Handelsunternehmen überproportional zur Kasse« … ja wen denn sonst? Am Ende landet es immer bei der Masse. Weiter oben haben sie ja selbst erkannt, dass alles nach »unten« weitergegeben wird.

Globale Lieferketten-Verantwortung: »Eine harmonisierte europäische Lösung ist notwendig, um Wettbewerbsverzerrungen im europäischen Binnenmarkt zu verhindern« … ja, schon … aber die Wettbewerbsverzerrung findet ja bereits durch die Existenz dieser Gesetzgebung statt: Sogar etablierte Unternehmen, die keine Kleinunternehmen mehr sind, beklagen ja, dass sie das gar nicht leisten können.

Mit der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge haben sie Recht … das manifestiert nur die Grundproblematik. Andererseits sollte die Freiheit davon natürlich nicht dazu führen, dass sie dann tatsächlich unterlaufen werden.

»Durch die zunehmende Digitalisierung der Betriebe und den Ausbau von Online-Angeboten muss die Politik auch die berufliche Weiterbildung als Aspekt des lebenslangen Lernens stärker bewerben und finanziell unterstützen« … ja … naja … es verbietet ja niemand allen Leuten, das auch selbst zu bewerben. Aber finanziell unterstützen? Warum das denn? Klar – am besten zahlt die Regierung jedem eine Million Euro, dann ist alles prima.

»Präventionsstrategie zur Verhinderung eines erneuten Lockdowns« … erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Noch vor einem Jahr sagte Spahn vollmundig, mit dem aktuellen Wissen werde man den Einzelhandel nicht noch einmal dichtmachen. Und mit dem dann später noch aktuelleren Wissen hat man’s dann doch getan.

Was mir zufällig aufgefallen ist, ist, dass viele Hersteller im Modebereich vertikales Marketing betreiben, also ihre Produkte selbst online verkaufen. Dieses Problem greift der HDE überhaupt nicht auf. Beispielsweise habe ich mir bei einem Kinderschuhladen mal die Hersteller-Websites angeschaut: Alle haben einen Onlineshop. Oder die Marken von Axel Keisinger (Modehaus Wörmann) … die haben auch alle eigene Onlineshops. Die gesamte Industrie arbeitet in diese Richtung. Das ist neben Amazon auch ein großes Problem. Aber was will man dagegen tun? Miele plant das ja auch … ich glaube, dass das alles einer Eigendynamik geschuldet ist. Im Kern ist die Logistik einfach zu billig. Es ist einfach zu billig, alles mögliche in der Weltgeschichte herumzukajohlen. Und wieder ist es dasselbe Problem: Für den kleinen, örtlichen Einzelhändler ist der gesamte Logistikprozess dann doch zu teuer und kaum oder gar nicht zu leisten.

Und das ist dann ein weiterer Punkt, den der HDE übersieht: Das Thema »Citylogistik«. »Hybridhandel« ist schön und gut, das haben wir ja nun begriffen. Aber wie will denn der lokale Einzelhändler nun seine Klamotten zum Kunden kriegen? Ein Michael Tucker kann während eines Lockdowns mal aus Spaß mit dem Motorroller herumfahren. Aber rechnen tut sich das nicht … es ist überhaupt nicht praktikabel. Ein wichtiger Punkt, den die Politik regulieren müsste: Das 14-tägige Rücktrittsrecht bei Onlinekäufen müsste dringendst abgeschafft werden. Das ist Nonsens. Das ist bei Telefonverkäufen oder Haustürgeschäften sinnvoll, wenn die Leute da belabert werden. Aber beim Onlineshopping wird ja niemand belabert. Einige Gütersloher Onlineshopbetreiber beklagen zum Beispiel, dass sie mit Retouren nicht klarkommen … und dass sie teilweise Klamotten zurückgeschickt bekommen, die sie nie verkauft haben, weil viele Leute stumpf alles mögliche an irgendwen zurückschicken.

Sowieso ist der »Hybridhandel« kein Allheilmittel. Er ist im Grunde genommen nur für treue Kunden gedacht, denen es nicht egal ist, wo sie kaufen … man kann damit vielleicht verhindern, dass sie ganz abwandern.

Im Kern läuft es wieder auf das Wollen hinaus. Man muss letztlich dafür sorgen, dass die Leute lokal kaufen wollen. Wie will man ihnen das schmackhaft machen? Und geht das überhaupt? Zumal es ihnen ja egal ist. Mit pseudorationalen Sachargumenten oder »Konzepten« kommt man dem Problem nicht bei. Da müsste man Amazon schon nachhaltig übertrumpfen. Unmöglich. Das ist eben das Teuflische am Internet: Es ist global und nicht lokal, es ist sogar antilokal. Es führt automatisch zu Monopolen. Wie man ja sieht. Das wird alles noch Jahre oder Jahrzehnte dauern, aber am Ende läuft es darauf hinaus. Bis das alles dann in sich zusammenbricht und die Blase platzt. Wer weiß, ob die junge Generation mit zunehmendem Alter vernünftig wird, oder ob sie bei ihrem Denken bleibt und alles noch viel schlimmer wird. Die kaufen ja ihre Klamotten nicht »in Gütersloh« bei »ihrem Modeladen« … die rennen bestenfalls dorthin, wo es billig und angesagt ist … Primark, H & M … die rennen nicht zu Wörmann, White Cube, Maas … warum? Weil ihnen das alles egal ist. Natürlich gibt es Ausnahmen und Gegenbewegungen. Aber ein Blick in die Realität zeigt, dass das tatsächlich so ist. Allenthalben. Und die Politik fördert das ganze und verhält sich ja selbst auch so. Lokale Gastronomen sind beispielsweise ambitioniert, gut, und sie haben ihre Kunden. Aber die großen Ketten lachen sich darüber tot. Ein McDonald’s-»Restaurant« macht wahrscheinlich an einem guten Tag oder in einer guten Woche soviel Umsatz, wie ein kleiner, inhabergeführter Gastronom im ganzen Jahr.

In diesem Zusammenhang bin ich immer mehr davon überzeugt, dass es eine gute Idee wäre, wenn man mit dem Stadtwerke-Shuttle zum Einkaufen fahren könnte … da könnte es bei vielen Leuten Klick machen. Zumal wir ja langfristig mindestens 80 Prozent weniger Autos brauchen. Auch Maja »Pampig« Göpel sagt zu Recht, dass es sinnlos wäre, die Verbrenner-Blechlawine durch eine Elektro-Blechlawine zu ersetzen. Vom Flug-, Transport- und Schiffsverkehr ganz zu schweigen.

Bestimmte Dinge werden zweifellos immer lokal stattfinden müssen. Nur ein paar Beispiele: Eine Pizza kann man nicht aus Shengzen nach Gütersloh liefern. Eine Nageldesignerin muss vor Ort sein. Man kann sich nicht fünf Fahrräder bestellen, probefahren, selbst einstellen, und dann vier davon zurücksenden. Man kann auch aus Hamburg keine Lokalpresse in Gütersloh betreiben.

Salenti

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