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Klimakiller FCKW in Kühlgeräten: Deutsche Umwelthilfe fordert von Miele, Bosch & Co. Nachweise zur Einhaltung europäischer Entsorgungsstandards


Studie im Auftrag der EU-Kommission belegt: mangelhafte Kühlgeräteentsorgung führt zur Freisetzung von europaweit 6,3 Millionen Tonnen Kohlendioxyd-Äquivalenten pro Jahr – Hersteller Miele, Bosch, Liebherr und Electrolux legen für eine ordnungsgemäße Kühlgeräteentsorgung gegenüber der DUH keine Nachweise durch neutrale und akkreditierte Prüfer vor …

Artikel vom 9. 6. 2021
Klimakiller FCKW in Kühlgeräten: Deutsche Umwelthilfe fordert von Miele, Bosch & Co. Nachweise zur Einhaltung europäischer Entsorgungsstandards
Berlin (ots) Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die führenden deutschen Kühlgerätehersteller Miele, Bosch, Liebherr und Electrolux dafür, dass diese die Entsorgung alter Kühlgeräte nach europäischen Entsorgungsstandards (EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4) versprechen, aber hierfür keine zweifelsfreien Nachweise vorlegen. Dies ist nach Einschätzung des Umwelt- und Verbraucherschutzverbandes deshalb problematisch, weil eine aktuelle Studie im Auftrag der EU-Kommission zeigt, dass eine mangelhafte Kühlgeräteentsorgung in Europa jährlich für Emissionen von insgesamt 6,3 Millionen Tonnen Kohlendioxyd-Äquivalenten verantwortlich ist. Bei einem unsachgemäßen Recycling von Kühlgeräten werden Stoffe freigesetzt, die das Klima und die Ozonschicht stark schädigen können. Durch die daraus resultierende Zunahme der UV-Strahlung werden Menschen zudem gesundheitlich gefährdet.

Diese Umweltschäden müssen künftig durch ein hochwertiges Kühlgeräterecycling verhindert werden. Verantwortlich für die Entsorgung alter Kühlgeräte sind deren Hersteller. Sie entscheiden, in welchen Anlagen die Altgeräte entsorgt werden. Es gibt in Deutschland unter insgesamt 18 Recyclinganlagen aktuell nur sieben, die durch eine staatlich akkreditierte Zertifizierung nachweisen können, dass sie die europäischen Entsorgungsstandards einhalten und somit dem Stand der Technik entsprechen. Die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland übernehmen die höheren Anforderungen der europäischen Entsorgungsstandards nur teilweise und stellen daher nach Ansicht der DUH keine umweltgerechte Entsorgung sicher. Deshalb fordert die DUH, dass Hersteller für die Entsorgung von Kühlgeräten ausschließlich zertifizierte Recyclinganlagen beauftragen.

»Die Situation beim Kühlgeräterecycling erinnert an Diesel-Gate. Die gesetzlichen Kontrollen sind im Bereich der Kühlgeräte-Entsorgung genauso unzureichend und laden zu unsachgemäßen Praktiken ein. Viele Kühlgerätehersteller werben mit ihrem Klimaengagement, bleiben zweifelsfreie Nachweise für die ordnungsgemäße Entsorgung FCKW-haltiger Kühlgeräte jedoch schuldig. Um ihrer Verantwortung gerecht zu werden, müssen die Hersteller ein umweltgerechtes Recycling bei den beauftragten Kühlgeräterecyclern auch wirksam kontrollieren und bei Verstößen sanktionieren«, sagt die Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH Barbara Metz.

Als zweifelsfreie Nachweise für ein umweltgerechtes Recycling betrachtet die DUH bestandene Prüfungen, die alle Anforderungen aus den EU-Standards EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4 abdecken und durch unbefangene und hierfür staatlich akkreditierte Prüfer erfolgt sind. Doch genau diese Nachweise fehlen für den Großteil deutscher Recyclinganlagen.

»Miele hat sich zum Ziel gesetzt, in seiner eigenen Branche weltweit führend beim Umweltschutz zu werden. Das Unternehmen behauptet, Altgeräte nach den europäischen Entsorgungsstandards zu entsorgen, legt dafür jedoch auch auf Nachfrage keine Nachweise vor. Wir fordern Miele aber auch alle anderen Hersteller von Kühlgeräten dazu auf, Prüfberichte der beauftragten Entsorgungsanlagen offenzulegen, damit die Qualität der Entsorgung und insbesondere die Menge der verbleibenden Klimagasemissionen bekannt werden«, sagt der Stellvertretende Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft Philipp Sommer.

Die DUH kritisiert, dass in Deutschland ein umweltgerechtes Kühlgeräterecycling nach den EU-Standards EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4 derzeit nicht gesetzlich vorgeschrieben ist und fordert von der Bundesregierung eine vollständige Festlegung der Standards im Elektro- und Elektronikgerätegesetz. Da auch die Hersteller bei der Kühlgeräteentsorgung keine Transparenz über die Einhaltung der Standards schaffen, haben Entsorger große Spielräume, um Kosten zu sparen. An die DUH herangetragene Informationen aus der Branche legen nahe, dass etliche deutsche Recyclinganlagen die dem Stand der Technik entsprechende FCKW-Rückgewinnungsrate von 90 Prozent nicht erreichen.

Hintergrund

Viele ältere Kühlgeräte enthalten noch immer FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe), obwohl diese wegen ihrer Schädlichkeit für die Ozonschicht und das Klima schon lange verboten sind. Die im Kühlmittel und der Isolierung enthaltenen FCKW eines einzelnen Kühlschranks besitzen ein Treibhauspotential von bis zu 2,7 Tonnen Kohlendioxyd und dürfen deshalb auf keinen Fall in die Atmosphäre gelangen. Auch weitere klimawirksame F-Gase sind oft in alten Kühlgeräten enthalten. Nach Einschätzung der DUH könnte die Bundesregierung beim Kühlgeräterecycling ohne teure Förderprogramme unnötige Klimagas-Emissionen verhindern, wenn die europäischen Entsorgungsstandards EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4 vollständig gesetzlich vorgeschrieben und wirksam kontrolliert werden würden. In vielen EU-Staaten, wie etwa Frankreich, Irland, Luxemburg, Niederlande, Schweiz und Österreich werden die europäischen Entsorgungsstandards oder deren Vorgängernormen bereits verbindlich vorgeschrieben.

Stellungnahme von Miele

»Die Unterstellung der DUH, Miele würde neben anderen Herstellern klimaschädliche Kühlflüssigkeit und Treibmittel unsachgemäß entsorgen, kommt immer wieder aufs Neue auf den Tisch und wir weisen dies entschieden zurück.

Die von Miele in Anspruch genommen Entsorgungsunternehmen haben sich uns gegenüber verpflichtet, die Vorgaben der deutschen Gesetzgebung wie auch die auf europäischer Ebene empfohlenen Standards einzuhalten. Dies lassen wir durch regelmäßige Audits auch überprüfen – und haben dies der DUH bereits im vergangenen Jahr ausdrücklich mitgeteilt.

Ergänzen lässt sich an dieser Stelle, dass auch der Landesregierung Nordrhein-Westfalen keine Informationen zu einer unsachgemäßen Entsorgung von Kühlgeräten durch die Herstellerfirmen in Nordrhein-Westfalen vorlagen – so die Antwort auf die Kleine Anfrage 1507 von Ende 2018.

Die von der DUH aufgegriffene ›akkreditierte Zertifizierung‹“ ist keine Anforderung aus der aufgeführten europäischen Norm. Gegenüber den von uns veranlassten Audits ergibt sich aus unserer Sicht aktuell kein zusätzlicher qualitativer Mehrwert.«

Hintergrundinformationen zur Kühlgeräteentsorgung unter http://l.duh.de/kuehlgeraete …

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