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In einem Tipi bietet der Caritasverband eine Trauergruppe für Kinder an


Was die Kinder-Trauergruppe der Caritas für ihn bedeutet? Aaron bringt es auf den Punkt: »Die sagen hier nicht nur ›Ich weiß, wie Du Dich fühlst.‹ Die wissen das auch wirklich …« Aaron hat vor dreieinhalb Jahren seinen Vater verloren. Mit elf Jahren besuchte Aaron zum ersten Mal die Trauergruppe in Lintel …

Artikel vom 17. 11. 2015
In einem Tipi bietet der Caritasverband eine Trauergruppe für Kinder an
Eine Wunderkerze als Andenken: Jan (elf) findet solche Rituale, die ihn an seinen verstorbenen Papa erinnern, enorm wichtig. Gemeinsam mit seiner Mutter Melanie (Zweite von links) besuchen sie regelmäßig das Gruppenangebot für trauernde Kinder und die Angehörigengruppe der Caritas, die von Mechtild Reker und Thomas Plugge geleitet werden, Foto: Caritasverband für den Kreis Gütersloh/salzmann medien
Was die Kinder-Trauergruppe der Caritas für ihn bedeutet? Aaron bringt es auf den Punkt: »Die sagen hier nicht nur ›Ich weiß, wie Du Dich fühlst.‹ Die wissen das auch wirklich …« Aaron hat vor dreieinhalb Jahren seinen Vater verloren. Mit elf Jahren besuchte Aaron zum ersten Mal die Trauergruppe in Lintel, wo er auf Kinder traf, die Ähnliches erleben mussten. Mittlerweile ist Aaron 15 Jahre alt – und er kommt immer noch gerne. Vielleicht liegt es auch an dem außergewöhnlichen Ort.

Dieser Ort ist ein Tipi, das Trauerbegleiter Thomas Plugge weitab vom Lärm der Städte auf dem Bio-Bauernhof Frenser errichtet hat. Das Zelt hat Pfadfinder-Charme. Eine Feuerstelle bildet das Zentrum. Holzbänke, Tierfelle, Schotterboden, nirgends elektronische Geräte – das Tipi strahlt Ruhe aus. Es ist wie ein Kokon. »Hier stört keiner«, sagt Thomas Plugge. »Hier dürfen Tränen fließen.«

Gemeinsam mit Trauerbegleiterin Mechtild Reker bietet er die Trauergruppe für Kinder an. Immer am vierten Mittwoch im Monat um 15 Uhr treffen sich Kinder und Jugendliche, die einen besten Freund, ein Elternteil oder die Großeltern durch Tod verloren haben. Laut Mechtild Reker kommen derzeit regelmäßig drei Kinder. Die Erinnerung an die Verstorbenen wach zu halten, das tue den Kindern gut, sagt die Trauerbegleiterin.

Oft werde ihnen von der Umwelt suggeriert, dass es besser sei zu vergessen.

Die Gruppe hält bewusst dagegen – mit lieb gewonnen Ritualen. Eine Kerze für den Verstorbenen anzuzünden oder in einer Kiste Erinnerungsstücke zu sammeln, das alles gehört dazu. Und besonders sei es wichtig, zu akzeptieren, dass »Trauerprozesse sehr unterschiedlich sind. Es ist vollkommen okay, wenn einem selbst der Friedhof wichtig ist , aber das Kind nicht zum Friedhof will«, so Mechtild Reker.

Aarons Mutter Christiane sagt: »Privat haben sich viele abgewandt, weil sie nicht wussten, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Man möchte aber an den Verstorbenen erinnert werden.« In der Angehörigengruppe, die alle zwei Monate am 4 Donnerstag im Monat stattfindet, sei viel darüber geredet worden, welche Wege es gibt, mit dem Verlust weiter leben. »Wir haben viel zusammen geweint, aber auch viel gelacht«, erinnert sich Christiane. »Es ist einfach eine gute nette Runde, alle sind auf einer Wellenlänge«, gibt Aaron seiner Mutter Recht.

Auch Aarons Kumpel Jan (11) weiß, was er an der Gruppe hat: »Es ist wichtig für mich zu wissen, dass es andere gibt, die ‘was Ähnliches erlebt haben«. Er freue sich jedes Mal auf »die Dinge, die wir hier so machen. Stockbrotbacken oder Wunderkerzen anzünden«. Jans Papa ist vor zwei Jahren gestorben. Als »einschneidendes Erlebnis« beschreibt es Jans Mutter Melanie. Schon vor dem Tod ihres Mannes – er war jahrelang krebskrank – habe sie von der Angehörigen-Gruppe gehört, die es parallel zur Trauergruppe für Kinder gibt. »Es war eine große Hilfe, über alles sprechen zu können.« Und dadurch, dass sie Jan für ein paar Stunden in der Kindertrauergruppe gut betreut wusste, konnte sie zwischendurch Luft holen. Denn in einer solchen Situation Hilfe zu suchen, sei ganz wichtig, erklärt Melanie. Daher wünsche sie der Gruppe, dass sie noch viel mehr Leute von diesem Angebot erfahren.

2009 haben Mechtild Reker und Thomas Plugge gemeinsam die Kinder-Trauerbegleiter-Ausbildung absolviert. Beide arbeiten hauptamtlich beim Caritasverband für den Kreis Gütersloh – Thomas Plugge als Pflegedienstleiter in der Caritas-Sozialstation Wiedenbrück, Mechtild Reker in der Caritas-Fachberatung Seniorenarbeit. Für Thomas Plugge war das Bedauern darüber, dass seine Arbeit mit dem Tod der Pflegebedürftigen vorbei sei, Motivation zur Trauerbegleitung. Ähnlich ging es Mechtild Reker: »Wir haben immer gesagt, wir können da nicht enden.« Als Trauerbegleiter bieten beide nun quasi über den Tod hinaus Hilfe an. Und dass es das Angebot gibt, findet Mechtild Reker, »ist für einen Caritasverband wichtig, der für viele Notsituationen Ansprechpartner ist«.

Weitere Infos zur Kindertrauergruppe gibt es bei Caritas-Trauerbegleiterin Mechtild Reker 05241 /9883-315 oder unter www.caritas-guetersloh.de

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