#Canceln und #Mobbing sind #Gewalt – bis hin zum #Psychischen #Mord
- Über Systemische #Zersetzung, #Selbstresonanz und die #Irrationalität kollektiver Ausgrenzung
#Gütersloh, 5. Februar 2026
#Soziale #Gewalt entsteht in der Regel nicht verschwörerisch. Sie braucht keine geheimen Absprachen, keine zentralen Steuerungsinstanzen und keine expliziten Vernichtungsabsichten. Sie entsteht systemisch.
Diese Einsicht folgt einer Logik, wie sie etwa #Noam #Chomsky immer wieder beschrieben hat: #Macht und #Gewalt wirken am effektivsten dort, wo niemand das #Gefühl hat, Macht auszuüben. Menschen handeln innerhalb von Rollen, Erwartungen und Anreizstrukturen – oft mit dem subjektiven Eindruck, lediglich »angemessen«, »vorsichtig« oder »alternativlos« zu reagieren. Die zerstörerische Wirkung entsteht nicht trotz dieser Normalität, sondern gerade durch sie.
Gewalt ohne Täterzentrum
Canceln und Mobbing folgen selten dem Muster einer gezielten #Kampagne. Sie entstehen vielmehr aus kumulativen #Einzelhandlungen, die sich gegenseitig verstärken: Schweigen, Distanzierung, Ausladung, Nicht Zusammenarbeit, Rufschädigung. Jeder Schritt für sich erscheint erklärbar. In der Summe entsteht Gewalt.
Diese Gewalt ist nicht körperlich, sondern psychisch, sozial und ökonomisch: psychisch durch Verunsicherung, Identitätsangriffe und Angst, sozial durch Isolation, Statusentzug und Ausschluss, geschäftlich durch Auftragsverlust, Boykott und existenzielle Bedrohung. Diese Ebenen greifen ineinander. Wer eine trifft, trifft alle.
Selbstresonanz: Warum »alle springen, weil alle springen«
Systemische Ausgrenzung folgt einer #Logik #kollektiver #Selbstresonanz. Verhalten wird nicht am ursprünglichen Anlass orientiert, sondern an der Beobachtung anderer Reaktionen. Bedeutung entsteht nicht durch Ereignisse, sondern durch Anschlussfähigkeit.
Was in der #Kultur und #Eventlogik harmlos wirkt – »es ist etwas los, weil etwas los ist« – entfaltet in sozialen Konflikten eine destruktive Wirkung. Distanzierung erfolgt, weil Distanzierung bereits stattfindet. Schweigen wird zur Norm, weil Schweigen erwartbar wird. Ausschluss reproduziert sich selbst.
Der Mechanismus bleibt identisch. Nur das Vorzeichen ändert sich.
Positive Selbstresonanz erzeugt #Sichtbarkeit und #Zugehörigkeit.
Negative Selbstresonanz erzeugt #Unsichtbarkeit und #Ausschluss.
#Zersetzung als Verfahren – nicht als Verschwörung
Für diese Prozesse existiert ein präziser Begriff: Zersetzung. Zersetzung ist keine offene Repression, sondern die schrittweise #Destabilisierung von #Identität, sozialer Rolle und Handlungsfähigkeit durch viele kleine, scheinbar rationale Entscheidungen.
Historisch dokumentiert wurde diese Methode unter anderem durch das #Ministerium für #Staatssicherheit (MFS) der DDR. Die Parallele liegt nicht in der politischen Dimension, sondern in der Methode: Wirkung ohne sichtbare Gewalt, Verantwortungsdiffusion, psychische Zerstörung bei äußerer Normalität.
Zersetzung ist kein Ausnahmezustand. Sie ist ein emergenter Effekt selbstresonanter Systeme.
Das Missverständnis der #Rationalität
In Öffentlichkeit, Medien und auch der wissenschaftlichen Debatte wird das Verhalten von Mobbern, Ausgrenzern und Zersetzern häufig implizit rationalisiert. Man unterstellt Abwägung, Maß, implizite Grenzen. Das ist ein gefährlicher Irrtum. In der Praxis zeigt sich immer wieder: Diese Akteure handeln hochgradig #irrational. Nicht im Sinne von #Unzurechnungsfähigkeit – sondern im Sinne entgrenzter Systemlogik: Triggersituationen sind oft Petitessen, Missverständnisse oder nachträgliche Konstruktionen, reale Anlässe spielen eine untergeordnete Rolle, #Eskalationen verselbstständigen sich, moralische Selbstbilder stabilisieren destruktives Verhalten.
Wenn der Prozess einmal läuft, schreckt das System vor kaum etwas zurück. Nicht aus #Bosheit, sondern aus #Selbststabilisierung. #Verantwortung wird ausgelagert, #Schuld externalisiert, #Konsequenzen verdrängt. Das Opfer ist dabei nicht Ursache, sondern #Projektionsfläche.
Gewalt als kumulative Wirkung
#Gewalt entsteht hier nicht durch den ersten Schritt, sondern durch die Summe gleichgerichteter Schritte. Nicht durch Eskalation, sondern durch Akkumulation. Jede einzelne Handlung mag gering erscheinen. Ihre Wiederholung ist es nicht. Wo Zersetzung zur vollständigen Auflösung sozialer Identität führt, wo Stimme, Rolle und Existenz dauerhaft entzogen werden, ist eine Grenze überschritten. Für diesen Zustand existiert ein angemessener Begriff: psychischer Mord.
Der Begriff beschreibt keinen Affekt, sondern eine Lage ohne Rückkehr.
Canceln und Mobbing sind keine Kommunikationsprobleme. Sie sind keine »Debattenkultur«. Sie sind keine Missverständnisse. Sie sind Formen systemischer Gewalt – und sie wirken gerade deshalb so verlässlich, weil sie nicht verschwörerisch, sondern normalisiert sind. Alles andere ist #Verharmlosung.
Foto: Karla-Wagner-Stiftung, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen
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