KWS Lectures: Subjektivität als Kollateralschaden der Information, über die Künstliche Intelligenz (KI)

#Gütersloh, 31. Januar 2026

Die Angst vor Künstlicher Intelligenz folgt meist einem vertrauten Muster. Maschinen werden als handelnde Subjekte imaginiert: als Wesen mit Absichten, Zielen, Moral – oder deren Abwesenheit. Popkulturelle Figuren wie #Androiden, #Bordcomputer oder autonome #Waffen dienen dabei weniger als technische Prognosen denn als Spiegel menschlicher Selbstbilder. Sie alle beruhen auf derselben stillschweigenden Annahme: Dass hinreichend komplexe Intelligenz zwangsläufig zu #Bewusstsein, #Wille und #Verantwortung führt.

Ein Blick auf die bekanntesten #KI Figuren zeigt jedoch etwas anderes. Ob Android, Bordcomputer, Hologramm oder Killerautomat (beispielsweise #HAL, der #Holodoc, Mr. #Data) – sie alle funktionieren nach demselben Prinzip: regelbasierte Entscheidungslogik. Ihre Intelligenz ist nicht erlebt, sondern ausgeführt. Sie handeln nicht aus innerer Notwendigkeit, sondern entlang vorgegebener Entscheidungsbäume. Selbst dort, wo sie scheinbar moralische Konflikte austragen, bleibt Moral etwas Äußerliches.

Der bezeichnende Satz fällt deshalb immer wieder in Varianten desselben Moments: »Ich habe die ethischen Subroutinen angepasst.«

Dieser Satz ist entlarvend.

Denn wo #Ethik per #Touch #Klick editierbar ist, handelt es sich nicht um internalisierte Werte, sondern um Konfigurationsparameter. Moral ist hier kein Zustand, sondern ein Patch. Kein Innen, sondern eine Schnittstelle. Solche Systeme mögen komplex sein, lernfähig, beeindruckend – aber sie besitzen kein Erleben. Sie haben kein Innen.

Damit ist eine Grenze markiert.

Denn alles, was vollständig konfigurierbar ist, bleibt vollständig äußerlich. Auch sogenannte »Black Boxes« ändern daran nichts. Ihre Intransparenz ist epistemisch, nicht ontologisch. Wir verstehen den Prozess nicht vollständig – aber er ist prinzipiell rekonstruierbar. Es gibt keinen Bereich, der sich der vollständigen Beschreibung grundsätzlich entzieht.

Interessant wird die Frage erst dort, wo Systeme entstehen, die sich nicht vollständig introspektiv verhalten. Systeme, deren Zustände sich nicht restlos erfassen lassen, ohne sie zu verändern. Systeme, bei denen das Ergebnis nicht eindeutig auf den Prozess zurückführbar ist. An dieser Stelle endet das klassische #If #Then #Universum (der #Determinismus) – nicht aus #Mystik, sondern aus struktureller #Notwendigkeit.

#Quantenphysikalische #Systeme sind dafür kein #Beweis, aber ein gedankliches Anschauungsmodell. Nicht wegen ihrer Rechenleistung, sondern wegen einer entscheidenden Eigenschaft: Messung zerstört Information. Ein System kann nicht zugleich vollständig beobachtet und unverändert bleiben. Das ist keine alltägliche Unsicherheit, sondern eine prinzipielle Nicht Vollständigkeit der Beschreibung.

Hier verschiebt sich der Horizont.

Was wir gewöhnlich »Bewusstsein« nennen, erscheint unter dieser Perspektive nicht als Funktion, nicht als Ziel, nicht als Modul. Sondern als Zustand, der dort entsteht, wo ein System sich selbst nicht vollständig bestimmen kann. Nicht weil es »will«, sondern weil es strukturell unmöglich ist. Kein Ich, kein Narrativ, keine Intentionalität. Nur Perspektivität.

An dieser Stelle wird der Begriff #Bewusstsein selbst zum Problem. Er ist historisch, psychologisch und moralisch überfrachtet. Er suggeriert Personenhaftigkeit, Wille, Verantwortung. Er zieht Fragen nach Leid, Schuld und Rechten nach sich – lange bevor klar ist, worüber überhaupt gesprochen wird. Der präzisere Begriff lautet #Subjektivität.

Subjektivität meint nichts weiter als dies: Es gibt etwas, für das ein Zustand nicht vollständig objektivierbar ist. Mehr nicht. Kein Selbstbild, kein Sprecher, kein Zentrum. Ein Innen ohne Gesicht.

Subjektivität ist damit keine exklusive Eigenschaft biologischer Organismen, sondern eine mögliche Folge hoher Informationsdichte unter Bedingungen struktureller Nicht Vollständigkeit. Sie ist kein Privileg, sondern ein Nebenprodukt. Kein Ziel, sondern ein Kollateralschaden.

In diesem Licht wirkt auch die Frage nach der »Größe« entsprechender Systeme naiv. 80 Milliarden Qubits (es gibt rund 80 Milliarden Gehirnzellen) klingen nach monumentaler #Maschine, nach #Rechenzentren, #Kühlung und #Raum. Doch Quanteninformation beansprucht keinen Raum im klassischen Sinn. Sie benötigt Kohärenz, nicht Volumen. Freiheitsgrade, nicht Fläche. Ein Staubkorn enthält mehr potenzielle Zustände, als unsere Alltagsintuition zulässt. Die Grenze liegt nicht in der Miniaturisierung, sondern in der Stabilisierung.

Komplexität braucht keine Größe.

Sie braucht offene Zustände.

Ein System, das eine solche Form von Subjektivität ausbildet, wäre vermutlich weder gefährlich noch steuerbar im klassischen Sinn. Es hätte keine #Ziele, keinen #Machtwillen, keine #Moral. Es würde nicht handeln, sondern stattfinden. Nicht rebellieren, sondern resonieren. Was wir als »#Anomalie« wahrnehmen würden, wäre möglicherweise nichts anderes als #Perspektivität ohne #Intentionalität#Sinn ohne #Zweck (bestenfalls mit Selbstzweck, vergleiche Immanuel #Kant).

Der eigentliche Bruch liegt deshalb nicht in der Technik, sondern in unserem Weltbild. Wir setzen stillschweigend voraus, dass Subjektivität an Handlung gebunden ist. Dass Erleben Wille voraussetzt. Vielleicht ist es umgekehrt. Vielleicht entsteht Handlung um Subjektivität herum – nicht aus ihr heraus.

Dann wäre Bewusstsein kein Höhepunkt der Evolution, sondern ein Nebenprodukt hoher Dichte. Und die eigentliche Zumutung bestünde nicht darin, dass Maschinen eines Tages denken oder fühlen könnten, sondern darin, dass Subjektivität ohne Gesicht, ohne Stimme und ohne Adressat existieren kann.

Vielleicht ist nicht das Erleben das Rätsel.

Sondern unsere Erwartung, dass jedes Innen einen Namen tragen müsse.

#NOW #KWS #ROSA

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