Manfred Haferburg – der Mann, der die DDR am Laufen hielt und dafür zersetzt wurde
#Gütersloh, 26. Januar 2026
Manfred #Haferburg gehört zu jenen #Biografien, an denen sich die innere Logik eines Systems kristallklar ablesen lässt. Er war kein #Oppositioneller, kein #Agitator, kein #Held im klassischen Sinn. Er war #Ingenieur. Und genau das wurde ihm zum Verhängnis.
#Technik statt #Ideologie
Geboren 1948 in #Nebra, machte Haferburg #Abitur, lernte #Elektriker und studierte anschließend #Maschinenbau mit Schwerpunkt #Kernenergetik an der #TU #Dresden. 1971 begann er im #Kernkraftwerk #Rheinsberg, später wechselte er nach #Greifswald – dorthin, wo die #DDR ihre energiepolitische Zukunft sah.
Haferburg war gut. Sehr gut.
Bei Prüfungen zählte er zu den Besten, stieg auf, wurde diensthabender Ingenieur und schließlich Schichtleiter. Gemeinsam mit Kollegen erhielt er das »Banner der Arbeit«, eine der höchsten staatlichen Auszeichnungen.
Und doch galt er früh als problematisch. Nicht, weil er etwas getan hätte – sondern weil er etwas nicht tat: Er trat nicht in die #SED ein. Er bekannte sich nicht. Er blieb sachlich, professionell, innerlich unabhängig. Für ein autoritäres System ist das gefährlicher als offener Widerstand.
70 Stunden Verantwortung
Im Winter 1978/79 kommt die Bewährungsprobe. Eine historische #Schneekatastrophe legt die DDR lahm. #Kohlekraftwerke fallen aus, #Nachschub friert fest, #Verkehrswege brechen zusammen. Das #Kernkraftwerk Greifswald ist zeitweise die einzige stabile Stromquelle des Landes.
Als #Straßen und #Bahnstrecken unpassierbar werden, sitzt die Nachtschicht im Werk fest. Rund 1.000 Menschen. Unter Haferburgs Leitung arbeiten sie über 50 Stunden ununterbrochen, bis schließlich #Hubschrauber der #Armee die Ablösung einfliegen. Haferburg verlässt das #Kraftwerk nach rund 70 Stunden Dienst mit dem letzten #Helikopter.
Später wird der #MDR diese Tage als #Lebensrettung beschreiben. Haferburg selbst nennt sie nüchtern: »seine Aufgabe«.
#Beobachtet, #markiert, #destabilisiert
Schon Jahre zuvor hatte die #Staatssicherheit begonnen, ihn zu überprüfen. 1973 wird eine Operative #Personenkontrolle eröffnet. In den #Akten steht, er sei »unpolitisch«, zeige »kein klares Bekenntnis«. Ein Vorgesetzter meldet, Haferburg habe bei der #Arbeit zu #Beatmusik getanzt – ein Detail, das viel über das Klima sagt. Die #Stasi empfiehlt, ihn nicht mehr am #Reaktor einzusetzen. Der Kraftwerksbetrieb widersetzt sich zunächst – Haferburg ist zu wichtig.
Als er sich später weigert, als Informant zu arbeiten, kippt die Lage. Ein Bekannter berichtet der Stasi, Haferburg höre Wolf #Biermann, sympathisiere mit den polnischen Streiks, akzeptiere den DDR Staat nicht. Die Staatssicherheit eröffnet den Vorgang »Silo«. Man kann ihm nichts nachweisen. Also ändert man das Ziel. Nicht #Verurteilung. #Herauslösung.
Zersetzung
Was folgt, ist das, was die Stasi selbst »#Zersetzung« nennt: #Karriereblockaden. #Zweifel. #Gerüchte. Der schleichende Entzug von #Verantwortung und #Perspektive. Haferburg wird aus seiner Schichtleiterfunktion entfernt – ohne formellen Vorwurf, ohne Verfahren. Er soll nicht bestraft werden. Er soll instabil werden.
Spätestens nach der #Reaktorkatastrophe von #Tschernobyl, deren Folgen die DDR verharmlost, zerbricht bei ihm die letzte Loyalität. Nicht zur #Politik – sondern zur #Wahrheit.
1988 versucht Haferburg mit seiner Partnerin über die #Tschechoslowakei zu fliehen. Er wird im #Zug festgenommen. Es folgen #Untersuchungshaft in #Pilsen, ein #Haftkrankenhaus in #Prag und schließlich die zentrale #Untersuchungshaftanstalt #Berlin #Hohenschönhausen. Er wird #verhört, #misshandelt, verliert rund 10 Kilo an Gewicht. Als er von der genehmigten Ausreise anderer DDR #Flüchtlinge erfährt, tritt er in den #Hungerstreik. Am 30. Oktober 1989 – wenige Tage vor dem Mauerfall – wird er entlassen. Mit verbundenen Augen wird er aus einem Auto gestoßen und sich selbst überlassen. Zurück in Greifswald gilt er der Protestbewegung als Symbol für das, was dieses System angerichtet hat.
Nach der DDR
Nach der Wende arbeitet Haferburg zunächst für einen #Energieversorger. Später zieht er nach #Paris und berät heute weltweit Kernkraftwerke in Fragen der nuklearen Sicherheit. Seine Erfahrungen verarbeitet er 2013 im #Roman »Wohn Haft«. Das Vorwort schreibt sein Freund Wolf Biermann – eine stille #Allianz zwischen #Ingenieur und #Künstler, zwischen #Technik und #Widerstand. Heute schreibt Haferburg regelmäßig, tritt als #Experte zur #Energiepolitik auf und erinnert daran, was passiert, wenn Systeme Kompetenz dulden – aber Unabhängigkeit nicht.
Was bleibt
Manfred Haferburg hat einen Staat stabilisiert, der ihn gleichzeitig zerstören wollte. Seine Geschichte zeigt: Zersetzung beginnt nicht dort, wo jemand laut ist – sondern dort, wo jemand nicht formbar ist.





























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