#KWS #History: #Stadtgeschichte – Greve & Güth und die Industrialisierung Güterslohs
#Gütersloh, 15. Januar 2026
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich #Gütersloh von einer #handwerklich geprägten Stadt zu einem bedeutenden regionalen Wirtschaftsstandort. Eine zentrale Rolle spielten dabei die mechanischen Webereien, deren vielfältige und qualitativ hochwertige Produkte Gütersloh überregional bekannt machten.
Von den meisten dieser Betriebe ist heute wenig geblieben: Die Fabrikgebäude wurden abgerissen, Geschäftsunterlagen vernichtet. So etwa bei der #Seidenweberei der #Gebrüder #Bartels, einst größter Arbeitgeber der Stadt. Umso bedeutender ist der Erhalt der Fabrikanlage der ehemaligen #Baumwollweberei und #Frottierweberei #Greve & #Güth, besser bekannt als die »Alte Weberei«.
#Rettung eines Industriezeugnisses
In den 1970er Jahren gelang es einer Bürgerinitiative, Teile der Fabrik an der #Bogenstraße und #Dalkestraße vor dem #Abriss zu bewahren – ein in Gütersloh bis dahin einmaliger Vorgang. Am 26. Juni 1981 beschloss der Rat der Stadt schließlich den dauerhaften Teilerhalt der Anlage.
Ein weiterer Meilenstein folgte im Mai 2001: 26 Jahre nach der Betriebsschließung übergab Dr. Dietrich Güth, Urenkel des Firmengründers Fritz Güth, dem #Stadtarchiv Gütersloh wertvolle Unterlagen zur Unternehmensgeschichte.
Archivierte Unternehmensgeschichte
Durch Vermittlung der damaligen Vorsitzenden des Heimatvereins, Renate Horsmann, konnten 8 Aktenbücher und Geschäftsbücher sowie Karten, Fotografien und Zeitungsausschnitte übernommen werden. Die Dokumente umfassen den Zeitraum von 1873 bis 1975, sind heute archivisch erschlossen und im Stadtarchiv einsehbar. Sie liefern detaillierte Einblicke in die Entwicklung eines der prägenden Industriebetriebe Güterslohs.
Von 20 #Webstühlen zur #Großproduktion
Die Geschichte von Greve & Güth beginnt am Ufer der Dalke in der damaligen #Bauerschaft #Kattenstroth, die zu jener Zeit noch nicht zur Stadt gehörte. Am 15. Juni 1874 nahmen die Gütersloher Kaufleute Wilhelm Greve (1855 bis 1909) und Fritz Güth (1848 bis 1924) mit 20 Webstühlen die Produktion auf.
Gefertigt wurden zunächst »#Nessel, #Köper, #Drell, #Pilot und #Moleskin«, später auch Inlette und Barchent. Mit dem Einsatz mechanischer Webmaschinen begann in diesem Jahr auch in Gütersloh faktisch das Industriezeitalter.
Zwischen 1890 und 1913 wurden angrenzende Grundstücke erworben und die Produktionsanlagen kontinuierlich erweitert. 1892 kam eine Näherei #hinzu, in der unter anderem Hemden, Hosen, Jacken, Zeltbahnen und Brotbeutel – auch für das #Militär – hergestellt wurden.
Ab 1910 produzierten spezielle #Webstühle #Gewebe für die #Gummiindustrie, #Segeltuch für #Wagenplanen sowie #Markisenstoffe. Ab 1925 ergänzten #Frottierstoffe das Sortiment.
Zerstörung, Wiederaufbau und Stilllegung
Die Zahl der Beschäftigten wuchs von 13 im Gründungsjahr auf 447 Mitarbeiter im Jahr 1939. Ein Bombenangriff am 14. März 1945 zerstörte rund 80 Prozent des Betriebs. Nach Wiederaufbau und Neustart 1946 wurde die Produktion bis Oktober 1975 fortgeführt. Mit der Schließung verloren 140 Menschen ihren Arbeitsplatz.
Fritz Güth – Unternehmer und Stadtgestalter
Auch über das Unternehmen hinaus prägte Fritz Güth die Stadt. Über Jahrzehnte war er Mitglied des Stadtrates, von 1906 bis 1918 Erster Beigeordneter. 1910 wurde ihm der Titel #Kommerzienrat verliehen – Ausdruck seiner wirtschaftlichen und kommunalpolitischen Bedeutung.
Bedeutung für KWS History
Mit der Sicherung der Unterlagen von Greve & Güth stehen heute zentrale Quellen zur Erforschung der Gütersloher Wirtschafts und Industriegeschichte zur Verfügung. Die Alte Weberei ist damit nicht nur ein bauliches Relikt, sondern ein dokumentiertes Zeugnis von Industrialisierung, Stadtentwicklung und bürgerschaftlichem Engagement.
Für die KWS ist sie ein exemplarischer Ort: für das Zusammenspiel von #Wirtschaft, #Politik, #Arbeit, #Zerstörung, #Wiederaufbau – und der Frage, was eine Stadt von ihrer eigenen #Geschichte bewahrt.
Foto: Karla-Wagner-Stiftung, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen
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