Stadtjubiläum Gütersloh 2025: Spieglein, Spieglein an der Wand

#Gütersloh, 14. Januar 2026

Es war einmal ein #Spiegel. Er hing nicht im #Wald, nicht im #Schloss und auch nicht im #Märchenbuch, sondern ganz offiziell, ordentlich gerahmt und mit Fördermitteln versehen an einer Wand. Welche Wand, wusste keiner so genau – aber sie war repräsentativ.

Täglich trat man vor ihn. Zuständigkeitsbewusst, kompetent vorbereitet, mit klarer Haltung und noch klareren »PowerPoint« Folien.

»Spieglein, Spieglein an der Wand«, fragte man feierlich, »wer ist die Schönste in ganz Gütersloh?«

Der Spiegel räusperte sich nicht. Er zögerte nicht. Er rechnete nicht nach. Er antwortete zuverlässig, wie er es gelernt hatte: »Natürlich wir selbst. Seit #1825

Er sagte das ohne Ironie. Ohne Zweifel. Ohne Fußnote.

Man nickte zufrieden. Endlich wieder Klarheit. Schönheit ist schließlich keine Frage des Blicks, sondern der Tradition. Und Tradition ist das, was immer schon richtig war, besonders wenn man es oft genug wiederholt.

Ab und zu blieb jemand stehen, der kein Amt hatte. Jemand mit einer anderen Meinung, einer anderen Perspektive oder – Gott bewahre – einer Frage. »Und was ist mit den anderen?«, wollte diese Person wissen. »Mit wem?«, fragte der Spiegel zurück.

Man erklärte dann freundlich, dass #Schönheit hier ganzheitlich gedacht werde. Dass sie strategisch entwickelt worden sei. Dass es Leitbilder gebe. Und dass Kritik leider gerade nicht ins Konzept passe, weil das Konzept erst letzte Woche bestätigt worden sei.

Der Spiegel lächelte. Er lächelte immer. »Natürlich wir selbst. Seit 1825.«

Und so blieb alles, wie es war: Der Spiegel zufrieden. Die Wand stabil. Und das Märchen aktuell.

#GT200