Die Kunst, Menschen zu lesen – warum unser #Bauchgefühl manchmal recht hat – und manchmal nicht
#Gütersloh, 27. Junni 2026
»Irgendetwas stimmt mit diesem Menschen nicht.«
Fast jeder kennt dieses #Gefühl. Man begegnet jemandem, der freundlich ist, lächelt, die richtigen Worte findet und auf den ersten Blick einen tadellosen Eindruck macht. Und doch bleibt ein Rest von #Unbehagen. Ein kaum greifbares Gefühl, dass hinter der Fassade etwas nicht zusammenpasst.
Der Verhaltensanalytiker Chase Hughes beschäftigt sich seit Jahren mit genau solchen Fragen. Bekannt wurde er durch seine Arbeit zu Körpersprache, Verhaltensmustern und zwischenmenschlicher Manipulation. Seine zentrale These ist überraschend einfach: Nicht das, was Menschen sagen, ist entscheidend – sondern das, was sie bei anderen auslösen.
Die wichtigste Frage
Nach #Hughes ist eine der wichtigsten Beobachtungen nicht das Gespräch selbst, sondern das #Gefühl danach. Fühlen wir uns nach einem Austausch gestärkt, verstanden oder inspiriert? Oder fühlen wir uns plötzlich leer, erschöpft oder verunsichert? Natürlich gibt es dafür viele mögliche Ursachen. Dennoch lohnt es sich, auf diese innere Resonanz zu achten. Menschen hinterlassen Spuren in unserem Denken und Fühlen. Nicht jede Begegnung ist neutral.
Das Problem mit den Etiketten
Unsere Zeit liebt psychologische #Diagnosen. »#Narzissten«, »#Psychopathen«, »#Soziopathen« – kaum ein Begriff wird heute so inflationär verwendet wie diese. Dabei entsteht leicht die Illusion, man könne Menschen anhand weniger Merkmale eindeutig kategorisieren. Die Wirklichkeit ist komplizierter.
Viel interessanter als die Frage »Ist diese Person ein #Narzisst?« ist die Frage: »Wie verhält sich diese Person regelmäßig?« Wer ständig Konflikte erzeugt, andere gegeneinander ausspielt, niemals Verantwortung übernimmt und Freude an negativer Aufmerksamkeit hat, kann für sein Umfeld problematisch sein – unabhängig davon, welches psychologische Etikett man verwendet.
Wenn die #Maske wichtiger wird als der #Mensch
Besonders spannend ist Hughes’ Gedanke der »Kostüme« (vergleichbar mit Nietzsches Konzept der »Masken« oder Jungs Konzept der »#Persona«). Gemeint sind nicht #Kleidung oder #Tattoos, sondern #Rollenbilder. Menschen erschaffen Bilder von sich selbst: erfolgreich, besonders freundlich, unangreifbar, souverän oder moralisch überlegen. Daran ist zunächst nichts verwerflich. Jeder möchte von seiner besten Seite gesehen werden.
Problematisch wird es erst, wenn die #Rolle wichtiger wird als die #Wirklichkeit (vergleichbar mit Jungs »Ich Bewusstsein«).
Je größer der Abstand zwischen #Selbstbild und tatsächlichem #Leben wird, desto mehr Energie muss in die #Aufrechterhaltung der #Fassade investiert werden. Oft spüren andere diese Spannung intuitiv. Dann entsteht jener schwer erklärbare Eindruck, dass »etwas nicht stimmt«.
#Authentizität ist keine #Perfektion
Ein weitverbreiteter Irrtum besteht darin, Authentizität mit Fehlerfreiheit zu verwechseln oder als per se »gut« zu betrachten. Authentische Menschen wirken nicht deshalb glaubwürdig, weil sie perfekt sind. Im Gegenteil: Sie können über Unsicherheiten, Irrtümer und Schwächen sprechen, ohne daran zu zerbrechen.
Sie müssen keine Rolle verteidigen.
Vielleicht liegt genau darin ein Schlüssel für gelingende Beziehungen: Nicht nach Perfektion zu suchen, sondern nach Übereinstimmung. Zwischen dem, was Menschen sagen, und dem, was sie tun. Zwischen öffentlicher Darstellung und privatem Verhalten.
Eine sokratische Frage
#Sokrates forderte seine Schüler auf, sich selbst zu erkennen. Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur fragen, ob andere Masken tragen. Sondern auch: Welche Rolle spiele ich selbst? Und wer bin ich, wenn niemand zusieht?
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