#Medizingeschichte in #Gütersloh

Gütersloh war und ist die Heimat zahlreicher Ärzte, die in ihrem Fach zum Teil internationale Bekanntheit erlangten, wie etwa Friedrich Daniel von Recklinghausen und der Gütersloher Arzt Dr. Wilhelm Angenete.

Was heute selbstverständlich erscheint – Krankenhäuser, Operationssäle, Röntgengeräte oder psychiatrische Fachkliniken – entstand über viele Jahrzehnte hinweg und prägte die Entwicklung der Stadt nachhaltig.

Bis weit ins 19. Jahrhundert wurden die meisten Kranken zu Hause versorgt. Ärzte, Heilkundige und Familienangehörige übernahmen die Pflege. Erst mit dem Wachstum der Stadt entstand der Bedarf nach festen Einrichtungen für #Behandlung und #Pflege.

Einen entscheidenden Impuls gab der Kaufmann Heinrich Barth. Durch eine Stiftung wurde der Bau eines Krankenhauses und Armenhauses ermöglicht. 1862 eröffnete an der Berliner Straße das erste Evangelische Krankenhaus Güterslohs mit zunächst nur 13 Betten. Erster leitender #Arzt war Dr. Friedrich Wilhelm Stohlmann. Das Haus diente zunächst nicht nur als #Krankenhaus, sondern in weiten Teilen auch als #Altenheim und #Pflegeheim.

Mit dem Wachstum der Stadt wuchsen auch die medizinischen Anforderungen. Bereits um 1900 verfügte das Krankenhaus über einen modernen Operationssaal, wenig später wurde ein Röntgengerät angeschafft – damals eine technische Sensation. 1932 entstand der Neubau an der Reckenberger Straße, aus dem sich das heutige Klinikum Gütersloh entwickelte.

Neben dem evangelischen Krankenhaus entstand ab 1894 mit dem Sankt-Elisabeth-Hospital (heute »#Elisabeth #Hospital«) ein zweites großes Krankenhaus. Die Einrichtung wurde von den Armen #Franziskanerinnen aus #Olpe gegründet und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Gesundheitsstandorte der Region.

Eine besondere Rolle spielt die #Psychiatriegeschichte. Bereits 1919 nahm die heutige psychiatrische Klinik des »Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe« (#LWL) ihre ersten Patienten auf. Unter dem Arzt Hermann Simon entstand hier das sogenannte »Gütersloher Modell«, das auf Arbeitstherapie und aktive Einbindung der Patienten setzte. Dieser Ansatz erlangte internationale Bekanntheit und beeinflusste die Entwicklung moderner psychiatrischer Behandlungskonzepte weit über Deutschland hinaus.

Die Medizingeschichte Güterslohs kennt jedoch auch dunkle Kapitel. Während der Zeit des #Nationalsozialismus waren psychiatrische Einrichtungen an #Zwangssterilisationen und #Deportationen beteiligt. Mehr als tausend Patienten wurden Opfer der nationalsozialistischen »#Euthanasie«-Verbrechen im Rahmen der »Aktion T4«. Heute erinnern Gedenkstätten und wissenschaftliche Aufarbeitung an dieses Kapitel.

Gütersloh brachte zudem mehrere bedeutende Mediziner hervor oder war Wirkungsstätte bekannter Ärzte. Namen wie Friedrich Wilhelm Stohlmann, Carl Zumwinkel, Wilhelm Schlüter, Theodor Rumpel oder Friedrich Daniel von Recklinghausen sind bis heute mit der regionalen und teilweise internationalen Medizingeschichte verbunden.

Dass die Medizingeschichte bis heute einen besonderen Stellenwert besitzt, zeigt sich auch in der Museumslandschaft. Die medizinhistorische Sammlung des Stadtmuseums Gütersloh gilt als überregional bedeutsam und wurde sogar mit einem Spezialpreis des Europäischen Museumspreises ausgezeichnet. Sie gehört zu den wichtigsten medizinhistorischen Sammlungen dieser Art in Deutschland.

Die Geschichte der Medizin in Gütersloh erzählt von #Krankheit und #Heilung, von technischem Fortschritt, gesellschaftlichem #Wandel und menschlicher #Fürsorge. Sie ist zugleich ein Stück #Stadtgeschichte – und ein Spiegel der Entwicklung moderner #Medizin.

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