Die Burgerpest

#Gütersloh, 4. März 2026

Man kann derzeit kaum noch ein Lokal betreten, ohne dass einem ein #Burger entgegenfällt. Früher stand er auf der Karte eines #Diners, einer #Imbissbude oder eines #Schnellrestaurants. Heute steht er überall: im #Café, in der #Cocktailbar, im #Brauhaus, im #Bistro, im #Restaurant, im #Hotelrestaurant, im #Pseudogourmetlokal. Offensichtlich gilt inzwischen die gastronomische Faustregel: Wenn man nicht weiß, was man kochen soll – macht man halt einen Burger.

Man könnte das für eine kreative Phase halten. In Wahrheit ist es eher eine #kulinarische #Kapitulation.

Denn der Burger ist eigentlich ein erstaunlich simples Konzept. 2 #Brothälften, dazwischen ein #Patty, etwas #Garnitur, fertig. Der Sinn der Sache ist klar: Man kann ihn in die Hand nehmen und essen. Ohne Besteck, ohne Zeremonie, ohne Statikprüfung.

Genau das funktioniert bei den modernen Burgerkreationen allerdings nicht mehr.

Die neuen Exemplare gleichen eher architektonischen Projekten als Lebensmitteln. Sie sind so hoch gestapelt, dass man sich fragt, ob der Koch heimlich beim Brückenbau arbeitet. 3 Patties, 4 Scheiben #Käse, karamellisierte Zwiebeln, #Avocado, #Bacon, #Coleslaw, #Aioli, #Trüffelmayo, #Röstzwiebeln und irgendetwas, das als »Signature Sauce« bezeichnet wird. Zusammengehalten wird das Ganze von einem Holzspieß, der eher an eine Zeltstange erinnert.

Der Effekt ist zuverlässig: Man kann den Burger nicht mehr essen.

Jedenfalls nicht so, wie ein Burger gedacht ist – nämlich aus der Hand. Wer es versucht, hat sofort ein Problem. Der Mund ist zu klein, die Schwerkraft zu stark, und nach dem ersten Biss rutscht der halbe Inhalt seitlich heraus. Am Ende sitzt man mit Messer und Gabel vor einem auseinandergefallenen Turm aus #Brot, #Fleisch und #Sauce und fragt sich, ob das Ganze nicht einfach ein schlecht konzipiertes #Sandwich ist.

Eigentlich handelt es sich um #Antiburger. #Lebensmittel, die so konstruiert sind, dass sie ihre eigene Grundidee sabotieren.

Dabei ist die ursprüngliche Form des Burgers erstaunlich bodenständig. In frühen Varianten bestand er schlicht aus 2 Scheiben #Toastbrot und einem #Hacksteak. Kein #Brioche #Bun, kein #Sesam #Design, kein #Food #Styling. Einfach #Brot, #Fleisch, vielleicht etwas #Senf, fertig. Praktisch, schnell, handlich.

Der moderne #Gastronom hat daraus hingegen eine Art kulinarisches #Jenga #Spiel gemacht.

Vielleicht liegt das daran, dass Burger eine perfekte Projektionsfläche sind. Jeder Koch kann daran basteln. Man muss keine Sauce klassisch binden, keinen #Fisch perfekt garen, kein Gemüse auf den Punkt bringen. Man stapelt einfach Dinge übereinander. Der Burger ist damit das gastronomische Äquivalent zur »#PowerPoint« Präsentation: Man fügt noch eine Ebene hinzu, dann noch eine, und irgendwann ist das Ganze so überladen, dass niemand mehr weiß, was die ursprüngliche Idee war.

Am Ende bleibt eine merkwürdige Frage: Warum eigentlich überall Burger?

Vielleicht, weil sie sich gut fotografieren lassen. Vielleicht, weil sie auf jede Speisekarte passen. Vielleicht auch, weil sie der kulinarische kleinste gemeinsame Nenner sind – niemand beschwert sich über einen Burger.

Außer vielleicht der Burger selbst. Der wollte nämlich eigentlich nur eines sein: ein kleines, handliches Sandwich.

Nicht ein #Hochhaus.

#NOW #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE