Wie lernen wir wieder #unmenschlich zu sein?

#Gütersloh, 15. Februar 2026

Es ist gar nicht so schwer, unmenschlich zu sein. Man muss sich dafür nicht einmal anstrengen. Es genügt, die richtigen Gewohnheiten zu pflegen. Unmenschlichkeit ist keine aktive Tat. Sie ist ein Komfortzustand.

Man beginnt am besten mit der Sprache. Sprache ist weich. Sie polstert. Wenn etwas schiefläuft, spricht man nicht von einem #Fehler, sondern von einem »Prozess«. #Menschen sind keine #Betroffenen, sondern »#Stakeholder«. #Konflikte heißen »#Herausforderungen«. Und wenn jemand verletzt wurde, dann »nehmen wir das sehr ernst«. Der Satz ist perfekt, weil er alles enthält – außer #Konsequenzen.

Das Entscheidende ist: Man darf nichts fühlen müssen. #Gefühle sind störend. Sie erzeugen #Druck. Also ersetzt man sie durch Formulierungen. Wer häufig »#Wertschätzung« sagt, muss sie nicht zeigen. Wer »#Transparenz« ankündigt, kontrolliert weiterhin den Informationsfluss. Worte sind eine elegante Art, #Handlungen zu simulieren.

Dann organisiert man Verantwortung so, dass sie nirgends mehr auffindbar ist. Man gründet #Arbeitskreise. Man berät. Man stimmt sich ab. Man führt Gespräche. Man nimmt an Back to Back #Meetings teil. Man verschiebt #Entscheidungen auf den nächsten #Termin. Wenn viele beteiligt sind, entsteht ein angenehmes #Rauschen. Niemand weiß genau, wer entschieden hat. Niemand muss sich erklären. #Unmenschlichkeit gedeiht hervorragend im #Konsensnebel.

#Kritik ist dabei ein Geschenk – wenn man weiß, wie man sie behandelt. Man prüft nicht den Inhalt, sondern den Absender. Ist er konstruktiv? Ist er vielleicht emotional? Hat er persönliche Motive? Mit etwas Geschick verwandelt sich eine strukturelle Frage in eine Charakterfrage. Und plötzlich diskutiert man nicht mehr über das #Problem, sondern über den #Ton.

Besonders wirkungsvoll ist die kultivierte #Neutralität. »Man müsse alle Seiten sehen«, sagt man dann. Das klingt reif, ausgewogen, vernünftig. Tatsächlich bedeutet es oft nur: Man möchte nichts verändern. Neutralität ist bequem. Sie schützt vor Verantwortung, ohne unfreundlich zu wirken. Man steht über den #Dingen – und genau dort bleibt man.

Mit der Zeit wird das alles selbstverständlich. Man merkt gar nicht mehr, dass man Menschen verwaltet statt ihnen zu begegnen. Man spricht von #Kultur, aber meint #Struktur. Man spricht von #Gemeinschaft, aber meint #Zuständigkeit. Man spricht von #Menschlichkeit – und fühlt sich moralisch abgesichert.

Das ist der vielleicht raffinierteste Teil: Unmenschlichkeit fühlt sich nicht böse an. Sie fühlt sich professionell an. Sie fühlt sich sachlich an. Sie fühlt sich vernünftig an.

Und irgendwann hört man das Wort »Menschlichkeit« und es löst nichts mehr aus. Es ist nur noch ein Geräusch. Ein akustischer Hintergrund. Man weiß, dass es wichtig ist. Aber man weiß auch, dass es nichts bedeutet.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem es interessant wird. Nicht dort, wo Menschen grausam sind. Sondern dort, wo sie nichts mehr empfinden – und es für #Reife halten.

Unmenschlich zu sein ist kein radikaler Schritt. Es ist eine kleine Verschiebung. Ein Wegsehen hier. Ein »Das ist komplex« dort. Ein höflicher Satz, der nichts kostet. Und irgendwann ist es normal.

Die Frage ist nicht, wie wir unmenschlich werden. Das können wir sehr gut. Die Frage ist, ob wir noch merken, wenn wir es sind.

#NOW #KWS #ROSA #OWL #GT