KWS Lectures: Vom #Zeremonienmeister zur #Stehlampe – eine kleine #Ordnungsgeschichte der #Gegenwart
#Gütersloh, 1. Januar 2026
Es gab eine Zeit, da wurde Ordnung hergestellt, nicht behauptet. Sie trat auf, bevor Unsicherheit entstehen konnte.
Die Tür ging auf, ein Stock schlug auf den Boden, ein Name wurde gerufen, alle wussten, was jetzt gilt. Später wurde es bürgerlicher. Der Hof verschwand, der #Haushalt trat an seine Stelle. Ein Haushalt war kein Gefühl, sondern eine Instanz. Er wurde geführt. Es gab Rollen, Zuständigkeiten, Verantwortliche. Der #Hausherr – oder die #Hausherrin – sorgte dafür, dass nichts aus dem Rahmen fiel. Und vor allem: dass Menschen einander zugeordnet wurden.
Der Gastgeber stellte vor. Nicht aus Höflichkeit, sondern aus Pflicht.
In der Öffentlichkeit übernahmen diese Funktion andere: der Maître, der Concierge, der Ober. Figuren, die keine Macht ausübten, sondern #Zuständigkeit. Sie nahmen Komplexität auf und gaben Form zurück. Der Gast musste nichts erklären, nichts aushandeln, nichts darstellen. Das System sprach für ihn.
Heute ist diese Ordnung verschwunden – nicht ersetzt, sondern weggelassen.
Auf Partys stellt niemand mehr vor. Stattdessen stehen Menschen nebeneinander und fragen: »Und? Woher kennt ihr euch?« Ein Satz wie ein Notbehelf. Keine Neugier, sondern eine Reparaturgeste. Er fragt nicht nach Personen, sondern nach Rechtfertigung. Warum bist du hier? In welcher Beziehung stehst du? Wie ordne ich dich ein?
Was früher Aufgabe des Gastgebers war, wird heute an Zufall, Persönlichkeit und Lautstärke delegiert.
Das gilt nicht nur für Partys. Auch Institutionen haben ihre Zeremonienmeister abgeschafft – und wundern sich über Chaos. Rollen heißen jetzt »flach«, Zuständigkeiten »dynamisch«, Ordnung wird »emergent« erwartet.
Doch Rollen verschwinden nicht, sie werden unsichtbar. Und #Unsichtbarkeit ist kein #Fortschritt, sondern ein #Machtvakuum. Darum wirkt der Satz »Nicht in meinem Haushalt« (»Pappa ante portas«, #Loriot) heute zugleich komisch und tröstlich. Er stammt aus einer Zeit, in der jemand sagen durfte: Ich bin zuständig. Und das genügte.
Vielleicht ist das der eigentliche Verlust unserer Gegenwart: nicht #Hierarchie, sondern #Moderation. Nicht #Autorität, sondern #Einführung.
Der #Zeremonienmeister ist verschwunden. Geblieben sind offene Türen – und Menschen, die nicht wissen, wer sie gerade sind und wer die anderen sind.





























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