KWS Lectures: Der Gini Irrtum – oder: Gleichheit ist keine Gerechtigkeit
#Gütersloh, 31. Oktober 2025
Der #Gini #Koeffizient hat es weit gebracht. Einst ein harmloser mathematischer Wert, dient er heute als #moralisches #Thermometer der #Gesellschaft. Ein hoher #Gini gilt als kalt und ungerecht, ein niedriger als warm und fair. Doch das ist ein Trugschluss – der Gini misst nur Temperaturunterschiede, nicht das #Klima.
Denn #Gleichheit und #Gerechtigkeit sind 2 grundverschiedene Dinge, die man allzu oft verwechselt. Gleichheit beschreibt bloß das Ergebnis – Gerechtigkeit den Weg dorthin. Ein Gini von null, also perfekte Gleichheit, wäre das Ende jeder individuellen Regung: niemand hätte mehr mehr, niemand weniger, niemand überhaupt etwas Eigenes.
Eine solche Gesellschaft wäre nicht gerecht, sondern tot. Absolute Gleichheit erfordert das Ende der Freiheit, und damit auch das Ende der Gerechtigkeit.
Man könnte sagen: vollkommene Gerechtigkeit gibt es nur bei #Heringen – oder noch besser: bei #Bakterien. Sie sind alle gleich, leben gleich, sterben gleich. Keine Unterschiede, keine Ungleichheiten – und kein Grund, sich zu beschweren. Ein #Paradies der Gleichheit. Ein #Albtraum des Lebens.
#Ungleichheit dagegen ist kein #moralischer #Makel, sondern das Nebenprodukt von #Lebendigkeit: von #Begabung, #Zufall, #Risiko, #Ehrgeiz, auch von #Irrtum. Entscheidend ist beispielsweise nicht, dass die #Vermögen gleich sind, sondern dass die Chancen offenstehen. Eine #gerechte #Gesellschaft ist nicht die, in der jeder das Gleiche hat – sondern die, in der jeder etwas anderes haben darf.
Foto: Karla-Wagner-Stiftung, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen
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