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Webcard, Branche »Gedenkorte«

Stolpersteine in Gütersloh

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Foto: Christian Schröter, CC BY SA, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen

#KWS #History: #Stadtgeschichte#Stolpersteine in Gütersloh erinnern an die ausgelöschte jüdische Gemeinde

#Gütersloh, 23. Februar 2026

Mitten in Gütersloh, zwischen Geschäften, Wohnhäusern und Straßenverkehr, liegen kleine Messingtafeln im Pflaster. 96 mal 96 Millimeter groß. Darauf steht: »Hier wohnte …« – ein #Name, ein #Geburtsjahr, ein #Deportationsort, oft: »ermordet in #Auschwitz, #Riga, #Minsk, #Theresienstadt«.

Die #Stolpersteine holen die nationalsozialistischen Verbrechen aus der historischen Abstraktion zurück in den konkreten Stadtraum. Sie markieren die Orte, an denen jüdische #Bürger lebten, arbeiteten, Familien gründeten – bis sie entrechtet, verschleppt und ermordet wurden.

Eine Gemeinde mit #Geschichte

Seit dem 16. Jahrhundert lebten Juden in Gütersloh. Im 18. Jahrhundert verfügte die Gemeinde über eine #Synagoge, eine #Schule und eigene Friedhöfe. Im 19. Jahrhundert wuchs sie, war wirtschaftlich und gesellschaftlich integriert. #Händler, #Metzger, #Kaufleute und #Unternehmer prägten das #Stadtbild.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann die systematische Ausgrenzung: #Boykotte, #Berufsverbote, #Zwangsumzüge in sogenannte »Judenhäuser«. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden die Synagoge sowie Wohnhäuser  und Geschäftshäuser niedergebrannt. Männer wurden verhaftet und in #Konzentrationslager verschleppt.

1941 begannen die Deportationen. Von den noch in der Stadt lebenden jüdischen Bürgern wurden nahezu alle verschleppt. Viele starben in Auschwitz, Riga, Minsk, #Sobibor oder #Treblinka. Nach 1945 entstand in Gütersloh keine jüdische Gemeinde mehr.

Erinnerung im Stadtraum

Das Stolperstein Projekt des Künstlers #Gunter #Demnig macht diese Geschichte sichtbar. Die Steine werden vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Opfer verlegt. Sie sind bewusst in den Alltag integriert – man begegnet ihnen beim Einkaufen, auf dem Weg zur Arbeit, vor Banken, Schulen oder Wohnhäusern.

Allein in Gütersloh erinnern 44 Stolpersteine an ermordete Mitbürger jüdischen Glaubens. Die Biografien zeigen die ganze Bandbreite bürgerlichen Lebens: Kaufleute wie Benjamin und Emmi Eisenstein, die ihr Geschäft aufgeben mussten und in Auschwitz ermordet wurden. Familien wie die Meinbergs, deren Haus 1938 niedergebrannt wurde, bevor sie deportiert wurden. Akademiker wie Dr. Ludwig Kaufmann, promovierter Jurist, der 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Kinder wie Rudolf Beifus, geboren 1937, deportiert 1943, ermordet in Auschwitz.

Die Namen stehen stellvertretend für zerstörte Lebensentwürfe – und für eine ausgelöschte städtische #Kultur.

»Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist«

Dieser talmudische Satz ist Leitmotiv des Projekts. Die Stolpersteine individualisieren das Gedenken. Sie ersetzen keine historische Aufarbeitung, aber sie verhindern das Verschwinden in der Anonymität der Opferzahlen. Die Stolpersteine zeigen: Die Verbrechen geschahen nicht »irgendwo«. Sie geschahen hier. Vor unserer Haustür. Und deshalb bleibt die Verantwortung ebenfalls hier.

Stolpersteine in Gütersloh

Berliner Straße 19

Paul Hope (1899 bis 1942) – Kaufmännischer Angestellter, Emigrationsversuch über Frankreich, 1942 in Auschwitz ermordet. Sofie Schönenberg geborene Wolf (1892 bis 1943) – #Flucht in die #Niederlande, Deportation über Westerbork, 1943 in Auschwitz ermordet. Lucia Levy geborene Hope (1896 bis 1944) – 1941 nach #Riga deportiert, später #Stutthof, 1944 verstorben.

Berliner Straße 46

Emma Löwenstein geborene Wolf (1856 bis 1942) – 1942 nach #Theresienstadt deportiert, dort verstorben.

Berliner Straße 48

Hermann Wolf (1874 bis 1943) – Kaufmann, 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Max Wolf (1875 bis 1941) – Deportation nach Minsk, dort verschollen. Julius Wolf (1881 bis 1942) – Deportation ins #Ghetto #Lodz, dort verstorben. Friedrich Wolf (1891 bis 1943) – Deportation nach Lodz, dort ermordet.

Berliner Straße 50

Benjamin Eisenstein (1876 bis 1943) – Kaufhausinhaber, 1943 in Auschwitz ermordet. Emmi Eisenstein geborene Lion (1882 bis 1943) – Deportation über Theresienstadt, 1943 in Auschwitz ermordet.

Bismarckstraße 16

Max Katz (1878 bis 1942) – Kaufmann, Deportation ins Ghetto #Warschau, für tot erklärt. Selma Katz geborene Hamlet (1885 bis 1942) – Deportation nach Warschau, dort ermordet. Hilde Heinemann geborene Katz (1914 bis 1942) – mit Eltern nach Warschau deportiert, dort ermordet.

Domhof 5

Ida Löwenstein geborene Meyer (1868 bis 1943) – Emigration in die Niederlande, Deportation nach #Sobibor, dort ermordet.

Eickhoffstraße 17

Sara Stern geborene Jonas (1858 bis 1942) – Deportation nach Theresienstadt, dort verstorben. Friedrich Stern (1890 bis 1944) – Deportation nach Minsk, dort ermordet.

Eickhoffstraße 21

Lina Stern (1860 bis 1943) – Klavierlehrerin, Deportation nach Theresienstadt, dort verstorben.

Feldstraße 25

Sofie Meinberg geborene Rosenbaum (1864 bis 1942) – Deportation nach Theresienstadt, dort verhungert. Else Plaut geborene Meinberg (1895 bis 1942) – Deportation ins Ghetto Warschau, ermordet. Erika Plaut (1930 bis 1942) – Kind, Deportation nach Warschau, dort ermordet.

Hohenzollernstraße 1

Selma Visser geborene Eichwald (1878 bis 1943) – Deportation nach Riga, dort ermordet.

Kahlertstraße 24 (Judenhaus)

Josef Steinberg (1877 bis 1942) – Unternehmer, Deportation nach Auschwitz, ermordet. Dr. Ludwig Kaufmann (1912 bis 1943) – Jurist, Deportation nach Auschwitz, ermordet. Grete Kaufmann geborene Steinberg (1910 bis 1943) – Deportation nach Auschwitz, ermordet. Bernhard Levy (1882 bis 1941) – Deportation nach Riga, dort ermordet. Hannchen Levy geborene de Vries (1881 bis 1941) – #Deportation nach Riga, dort ermordet.

Kirchstraße 2

Theodor Daltrop (1881 bis 1941) – Deportation nach Lodz, verschollen. Jenny Daltrop geborene Buchheim (1883 bis 1942) – Deportation Richtung Osten, vermutlich Auschwitz. Paula Daltrop geborene Löwenstein (1883 bis 1942) – Deportation nach Auschwitz, ermordet. Leonhard (Leo) Beifuss (1904 bis 1943) – Deportation nach Auschwitz, ermordet. Liselotte Beifuss geborene Daltrop (1910 bis 1943) – Deportation nach Auschwitz, ermordet. Rudolf Beifuss (1937 bis 1943) – Kind, Deportation nach Auschwitz, ermordet.

Kirchstraße 3

Ernst Löwenbach (1872 bis 1942) – Deportation nach Theresienstadt, später Treblinka, ermordet. Martha Löwenbach (1874 bis 1942) – Deportation nach Theresienstadt, später Treblinka, ermordet.

Königstraße 12

Klara Herzberg – deportiert und ermordet.

Münsterstraße 24

Emma Blumenthal – deportiert und ermordet. Gustav Ruthenburg – deportiert und ermordet. Bernhard Ruthenburg – deportiert und ermordet. Rosa Weinberg – deportiert und ermordet. Paula Ruthenburg – deportiert und ermordet. Karl Ruthenburg – deportiert und ermordet.

Münsterstraße 32

Luise Ostheimer – deportiert und ermordet. Anna Rosendahl – deportiert und ermordet. Wilhelm Ruthenburg – deportiert und ermordet.

Diese Namen stehen nicht für abstrakte Zahlen. Sie standen für Nachbarn, Unternehmer, Kinder, Musiker, Kaufleute, Akademiker. Die Stolpersteine machen sichtbar: Die Geschichte der Verfolgung ist Teil der Geschichte Güterslohs.

Google Map »Stolpersteine Gütersloh« …

#NOW #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE

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