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Erstmals nachgewiesen, zugelassenes Cannabinoid lindert Symptome bei Parkinson

Lesedauer 3 Minuten, 8 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 24. Februar 2022, DOI: https://www.guetsel.de/content/37793/6951514.html
Erstmals nachgewiesen, zugelassenes Cannabinoid lindert Symptome bei Parkinson
Hohe Dichte von Cannabinoid CB1 Rezeptoren im Gehirn (höchste Dichte in Substantia nigra und Striatum); Foto: Robert B. Innis, MIB, National Institute Mental Health

Erstmals nachgewiesen, zugelassenes Cannabinoid lindert Symptome bei Parkinson

  • Erstmals wird in einer Studie die Wirksamkeit eines Cannabinoids bei nicht-motorischen Symptomen bei Parkinson untersucht

  • Nachweisliche Besserung nichtmotorischer Symptome

  • Potenzielle therapeutische Auswirkung auf Motorik

  • An der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie (Direktor Stefan Kiechl) wurden die Auswirkungen eines für Chemotherapie-induzierte Übelkeit zugelassenen Cannabinoids auf ParkinsonpatientInnen untersucht. Die randomisiert kontrollierte Studie wurde kürzlich im renommierten Fachjournal der American Neurological Assosiation »Annals of Neurology« publiziert und hat international für Aufsehen gesorgt

Innsbruck, 24. September 2020

Zu den nichtmotorischen Symptomen (NMS) bei Parkinson gehören Funktionsstörungen des autonomen Nervensystems (wie orthostatische Hypotonie und Obstipation), Geruchsstörung, Veränderungen der Stimmungslage, Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit, Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen sowie Störungen des Schlaf-/ Wachzustands wie Schlaflosigkeit, Tagesmüdigkeit oder Störungen des Traumschlafs (so genannte REM-Schlafverhaltensstörung). »Viele davon können die typischen motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit um Jahre oder sogar Jahrzehnte vorwegnehmen«, erklärt Klaus Seppi, Neurologe und korrespondierender Autor der Studie. Die Belastung durch NMS nimmt im Allgemeinen während des Krankheitsverlaufs zu. »Es gibt jedoch nur wenige Daten aus kontrollierten klinischen Studien zur Behandlung der NMS. Die verfügbaren Behandlungsoptionen sind begrenzt bzw. die Ergebnisse oft unbefriedigend«, beschreibt Seppi die Motivation zur Durchführung dieser Studie, die die Wirkung von Cannabinoiden auf Parkinson untersucht.

Therapeutische Wirkung

»Die potenzielle therapeutische Wirkung von Cannabinoiden auf Motorik und NMS bei Parkinson ist ein wichtiges Thema und wird häufig von Patientinnen und Patienten im Behandlungsraum angesprochen«, weiß die Erstautorin der Studie, Marina Peball. Bis zu 95 Prozent der NeurologInnen der Center of Excellence der National Parkinson Foundation, die an einer von der der Michael-J.- Fox-Stiftung für Parkinson-Forschung unterstützten online-Umfrage zu Cannabis teilnahmen, seien von Parkinson-PatientInnen um Verschreibung von medizinischen Marihuana gebeten worden. Es gibt jedoch nur begrenzte Belege für ihre Anwendung von Cannabinoiden bei Parkinson, da die verfügbaren Studien entweder zu klein oder unkontrolliert waren. »In unserer Studie haben wir die Wirkung von Nabilon auf die kontrollierte Behandlung von NMS bei Parkinson randomisiert und doppel-blind sowie Placebo-kontrolliert bei einer hohen Zahl an PatientInnen untersucht«, erklärt Seppi. Zu diesem Zweck wurde ein Entzugsdesign verwendet, nachdem alle an der Studie teilgenommenen PatientInnen auf Nabilon eingestellt wurden. Nabilon ist ein synthetisches Analogon von Tetrahydrocannabinol, der psychoaktiven Komponente von Cannabis, mit ähnlichen pharmakologischen Eigenschaften. »Wir haben uns zur Durchführung dieser Studie mit Nabilon entschieden, da dessen Hersteller AOP Orphan das Medikament und das dazugehörige Placebo zur Verfügung gestellt hat. Auch andere Präparate wären infrage gekommen«, so Seppi.

Einzigartige Pilotstudie

Das Besondere an dieser Studie ist auch, dass es die erste randomisiert kontrollierte Studie ist, die die Wirksamkeit und Sicherheit eines Cannabinoids bei der Behandlung von NMS bei PatientInnen mit Parkinson untersucht. »An diesem Beispiel sieht man auch die hervorragende Studieninfrastruktur an der Medizinischen Universität Innsbruck, die zu dieser ausgereiften und international anerkannten akademischen Eigenstudie geführt hat«, zeigt sich der ehemalige Direktor der Universitätsklinik für Neurologie und Mitautor der Studie, Werner Poewe, über das Ergebnis und die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen (Kompetenzzentrum für Klinische Studien, Department für Genetik und Pharmakologie, Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie) am Campus erfreut.

Vielversprechendes Ergebnis

»Unsere Ergebnisse zeigen eine Verbesserung der gesamten NMS-Belastung mit Nabilon, was sich insbesondere in einer Verminderung der Angstzustände und Schlafstörungen widerspiegelt. Die Behandlung wurde gut vertragen. Diese Studie ergänzt den bisher begrenzten Nachweis zur Wirksamkeit einer Behandlung auf Cannabinoidbasis bei PatientInnen mit störenden NMS bei Parkinson«, fassen die StudienautorInnen zusammen. »Angesichts der Daten und möglichen Wirkmechanismen können wir sagen, dass Nabilon nichtmotorische Symptome bei Patientinnen und Patienten mit Parkinson zu verbessern scheint«, schließen die AutorInnen. Das Ergebnis dieser Studie kann zu einem besseren Verständnis des Werts von Cannabinoiden für die Behandlung von NMS bei PatientInnen mit Parkinson beitragen und könnte zudem als Basis für größere kontrollierte, eventuell zu einer Zulassung führender Studien dienen.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner

Univ. Prof. Dr. Klaus Seppi, Universitätsklinik für Neurologie

Originalpublikation

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/ana.25864

Salenti

Kommentar von Dieter Busch, 29. März 2022, 10.22 Uhr

Chapeau und da capo der Innsbrucker Uniklinik für diesen Versuch!

Am 23. August 2015 begleitete ich einen, je 4 wöchigen Selbstversuch eines Parkinson Betroffenen mit Sativex und Cannabis. Über die 8wöchige Begleitung habe ich ein Tagebuch geführt. Schon damals konnten wir feststellen, dass sich:die Ostitation deutlich verbesserte. Die geistigen Leistungsfähigkeit verbesserte sich ebenso und die Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen traten nicht mehr auf.

Ich habe diese Ergebnisse an vielen Prof Neurologen in Deutschland versandt. Offensichtlich wollte man damals daraus keine Schlüsse.
Dieter Busch

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