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Gütsels »Kö«


Die Düsseldorfer »Kö« ist als sprichwörtliches niveauvolles Einkaufsparadies bekannt. Weniger bekannt ist, daß auch Gütsel eine »Kö« hat: Die Kulturmeile der Kökerstraße und in Verlängerung über den Berliner Platz hinaus die Königstraße …

Artikel vom 10. 2. 2005
Gütsels »Kö«
Die Düsseldorfer »Kö« ist als sprichwörtliches niveauvolles Einkaufsparadies bekannt. Weniger bekannt ist, daß auch Gütsel eine »Kö« hat: Die Kulturmeile der Kökerstraße und in Verlängerung über den Berliner Platz hinaus die Königstraße mit zahlreichen Modegeschäften und dem »Kulturzentrum« Dreiecksplatz, bis zum Ende mit dem traditionellen Weinhaus Surenhöfener und Güterslohs einzigen musikfreien Lokal, dem Türmer.

Die Gütsler »Kö« als eine der wichtigsten Flaniermeilen hat mit ihrem heutigen gesunden Branchenmix eine lange Tradition, die bis in die Anfänge der Stadt zurückreicht. Bis 1925 befand sich der Gütersloher Bahnhof am Ende der Kökerstraße, die als »Nebenstraße in Gütersloh« erst im August 1836 gepflastert worden war. 1894 beschlossen die Stadtverordneten die abschnittsweise Pflasterung der Bürgersteige an allen Straßen in der Stadt. Die Herstellung der mit Zement-Beton, Zement-Platten, Mosaik-, Klinker- oder Kopfsteinpflaster belegten Bürgersteige solle durch die Stadt erfolgen. Erstmals eingeführt wurden damals die Regenwasserabfluß-Kästen aus Eisen von den Regenrinnen der Häuser zur Regenrinne seitlich der jeweiligen Straße. Diese Kästen waren zur Reinigung mit einem schmalen Schlitz versehen. Diese Regenwasserabläufe sieht man heute noch im Innenhof des ehemaligen Druckereigebäudes Flöttmann vor der Buchbinderei Grabenheinrich an der Kökerstraße 5 (neben dem Stadtmuseum).

Die Königstraße wurde schon 1820 mit Mitteln der Anwohner als erste Straße in Gütersloh gepflastert – ein Beweis für das Interesse und die wirtschaftliche Leistungskraft der Anwohner. Seit 1855 beherbergte sie die Dampfmühle Plange. Dort wurde die erste Dampfmaschine in Gütersloh aufgestellt, deren hochaufragender Schornstein zu den ersten sichtbaren Zeichen der Industrialisierung in Gütersloh gehörte. Auf dem Gelände – das heute im wesentlichen dem Modehaus Finke Platz bietet – befand sich auch eine Kornbrennerei.

Das alte Gütersloher Rathaus entstand 1863/64 im Zentrum der Stadt Gütersloh im Kreuzungsbereich der Berliner Straße mit der vom Bahnhof kommenden Kökerstraße und der Königstraße. Hinter dem Rathaus stand von etwa 1880 bis 1906 auch das Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr Gütersloh. Es wich dann dem 1908 fertiggestellten Neubau des Amtsgerichts an der Königstraße. Im vergangenen Jahr durften die Gütsler eine Anmutung des alten Rathauses im Rahmen der Aktion »Ab in die Mitte« erleben.

Unser erster Rundgang über die Gütsler »Kö« beginnt am Ende der Kökerstraße, wo sich das Hotel Stadt Gütersloh befindet. Von dort aus hat man einen schönen Blick in den verkehrsberuhigten Bereich der Straße und in die Gütersloher Innenstadt. Neben den folgenden Einzelhandelsgeschäften befindet sich auch das Gütersloher Stadtmuseum an dieser kulturell bedeutenden Straße und lockt mit seinen interessanten Ausstellungen und dem ambitioniert geführten Museumscafé zahlreiche Kulturinteressierte Besucher in die Gebäude der ehemaligen Kornhandlung Angenete & Wulfhorst. Bis zum 29. März zeigt das Stadtmuseum unter dem Titel »Dem Ingenieur ist nichts zu schwör« dreidimensionale Nachbauten bisher nicht verwirklichter Erfindungen.

Die Gütsler »Kö« geht am Berliner Platz von der Kökerstraße in die Königstraße über. Auf diesem einstmals zentralen Platz von Gütersloh, der vor einigen Jahren aufwendig umgebaut wurde und dabei das altbekannte Segeldach und die kaskadierten Terrassen eingebüßt hat, finden verschiedenste Open-Air-Veranstaltungen statt, wie zuletzt die Ab-in-die-Mitte-Aktionen des Gütersloher Stadtmarketing.   

Ältere Gütersloher erinnern sich gerne an Highlights wie den City-Treff unter dem Motto »Berlin« in den 70er Jahren, zu dessen Anlaß das Brandenburger Tor nachgebaut worden war und der die Gütersloher Innenstadt weiträumig mit tollen Aktionen, die großen Anklang fanden, belebt hatte. Die Königstraße ist eine der traditionsreichsten Einkaufsstraßen, die vor dem Einrichten der Fußgängerzone noch reichlich durch den Straßenverkehr belebt war.

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