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Virtuelle Ausstellung in Gütersloh: »1914–1918 – der große Krieg?«

Gütersloh in Deutschland und Châteauroux in Frankreich sind seit 1977 Partnerstädte. Dieses Knüpfen eines Bandes zwischen zwei Städten, deren Nationen sich noch 32 Jahre zuvor im Zweiten Weltkrieg feindlich gegenüberstanden, ist keine Selbstverständlichkeit.

Lesedauer 6 Minuten, 55 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 29. Oktober 2021

Virtuelle Dauerausstellung in Gütersloh: »1914–1918 – der große Krieg?« – Châteauroux und Gütersloh im Ersten Weltkrieg

Vorwort von Norbert Ellermann, überarbeitet

Gütersloh in Deutschland und Châteauroux in Frankreich sind seit 1977 Partnerstädte. Dieses Knüpfen eines Bandes zwischen zwei Städten, deren Nationen sich noch 32 Jahre zuvor im Zweiten Weltkrieg feindlich gegenüberstanden, ist keine Selbstverständlichkeit. Aus der Teilung des fränkischen Reiches 843 durch den »Vertrag von Verdun« entstand eine jahrhundertelang andauernde, sogenannte »Erbfeindschaft« zwischen den späteren Staaten Frankreich und Deutschland. Aus einer Zeit der vielen Kriege erwuchs letzten Endes eine Verständigung und Aussöhnung zwischen den beiden Nachbarn, die einen Vorbildcharakter hat.

Dabei waren besonders die vergangenen 400 Jahre die prägendsten in der gemeinsamen Geschichte. Die Besetzung, Ausplünderung und Verwüstung deutscher Gebiete durch Frankreich im »Dreißigjährigen Krieg«, die sogenannten »Réunions-Kriege« im 17. Jahrhundert vor allem der »Pfälzer Erbfolgekrieg«, der französische Einmarsch im »Siebenjährigen Krieg« im 18. Jahrhundert und durch Napoleon 1806 hatten für die Entstehung eines deutschen Nationalstolzes weitreichende Folgen. Nach den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815 gegen die napoleonische Fremdherrschaft fand die Idee eines starken deutschen Nationalstaates Eingang in weite Bevölkerungskreise. Die »verspätete Nation« war im Kommen.

Der nächste französisch-deutsche Krieg sollte dabei großen Einfluss auf das Entstehen des Ersten Weltkrieges haben, ja diesen geradezu vorwegnehmen. Am 19. Juli 1870 erklärte der französische Kaiser Napoleon der Dritte dem »Norddeutschen Bund« unter Führung Preußens den Krieg. Die Folgen waren jedoch für Frankreich verheerend: In der Schlacht bei Sedan am 1. und 2. September 1870 wurde der französische Kaiser gefangen genommen, ein Ereignis das als Sedanstag am 2. September jeden Jahres in Deutschland bis 1918 als Feiertag galt. Als besondere Demütigung empfanden die Franzosen die Krönung des preußischen Königs Wilhelm des Ersten zum Kaiser des Deutschen Reiches in Versailles am 18. Januar 1871. Zudem erfolgte aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen die Abtretung von Elsass und Lothringen an Deutschland, das zudem hohe Reparationsforderungen stellte. Das erzeugte in Frankreich Hass auf Deutschland, der zu einer französischen Revanche-Politik führte.

Vor allem die Rivalität dieser beiden aufsteigenden Industrienationen und gleichzeitig benachbarter Landmächte führte im Zeitalter des europäischen Imperialismus und Kolonialismus sowie des ungezügelten Nationalismus beziehungsweise Chauvinismus in die Katastrophe des Ersten Weltkrieges, der »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts«, die die Welt bis heute prägt.

Der »Dreißigjährige Krieg«

Der »Dreißigjährige Krieg« von 1618 bis 1648 war ein Konflikt um die Hegemonie im Heiligen Römischen Reich und in Europa, der als Religionskrieg begann und als Territorialkrieg endete. In diesem Krieg entluden sich auf europäischer Ebene der habsburgisch-französische Gegensatz und auf Reichsebene der Gegensatz zwischen dem Kaiser und der Katholischen Liga einerseits und der Protestantischen Union andererseits. Gemeinsam mit ihren jeweiligen Verbündeten trugen die habsburgischen Mächte Österreich und Spanien neben ihren territorialen auch ihre dynastischen Interessenkonflikte mit Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und Schweden vorwiegend auf dem Boden des Reiches aus. Infolgedessen waren eine Reihe von weiteren Konflikten mit dem »Dreißigjährigen Krieg« eng verbunden …

  • der »Achtzigjährige Krieg« von 1568 bis 1648 zwischen den Niederlanden und Spanien,
  • der Oberösterreichische Bauernkrieg von 1626
  • der »Mantuanische Erbfolgekrieg« von 1628 bis 1631 zwischen Frankreich und Habsburg,
  • der Französisch-Spanische Krieg von 1635 bis 1659
  • der Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum (»Torstenssonkrieg«) von 1643 bis 1645 zwischen Schweden und Dänemark.

Als Auslöser des Krieges gilt der »Prager Fenstersturz« vom 23. Mai 1618, mit dem der Aufstand der protestantischen böhmischen Stände offen ausbrach. Der Aufstand richtete sich hauptsächlich gegen den neuen böhmischen König Ferdinand von Steiermark (der die Rekatholisierung aller Länder der Böhmischen Krone beabsichtigte), aber auch gegen den damaligen römisch-deutschen Kaiser Matthias.

Insgesamt folgten in den 30 Jahren von 1618 bis 1648 vier Konflikte aufeinander, die von der Geschichtswissenschaft nach den jeweiligen Gegnern des Kaisers und der Habsburger Mächte als »Böhmisch-Pfälzischer«, »Dänisch-Niedersächsischer«, »Schwedischer« und »Schwedisch-Französischer« Krieg bezeichnet wurden. Zwei Versuche, den Konflikt zu beenden (der »Friede von Lübeck« 1629 und der »Friede von« Prag 1635) scheiterten daran, dass sie nicht die Interessen aller direkt oder indirekt Beteiligten berücksichtigten. Das gelang erst mit dem gesamteuropäischen Friedenskongress von Münster und Osnabrück von 1641 bis 1648). Der »Westfälische Friede« legte die Machtbalance zwischen Kaiser und Reichsständen neu fest und wurde Teil der bis 1806 geltenden Verfassungsordnung des Reiches. Darüber hinaus sah er Gebietsabtretungen an Frankreich und Schweden vor sowie das Ausscheiden der Vereinigten Niederlande und der Schweizerischen Eidgenossenschaft aus dem Reichsverband.

Am 24. Oktober 1648 endete der Krieg, dessen Feldzüge und Schlachten überwiegend auf dem Gebiet des »Heiligen Römischen Reiches« stattgefunden hatten. Die Kriegshandlungen und die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen hatten ganze Landstriche verwüstet und entvölkert. In Teilen Süddeutschlands überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Nach den wirtschaftlichen und sozialen Verheerungen benötigten einige der vom Krieg betroffenen Gebiete mehr als ein Jahrhundert, um sich von den Folgen des Krieges zu erholen. Da der Krieg überwiegend in deutschsprachigen Gebieten stattfand, die noch heute Teil Deutschlands sind, führten die Erfahrungen der Kriegszeit, nach Meinung von Experten, zur Verankerung eines Kriegstraumas im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung.

Der »Norddeutsche Bund«

Der »Norddeutsche Bund« war ein Bundesstaat. Er vereinte alle deutschen Staaten nördlich der Mainlinie unter preußischer Führung. Er war die geschichtliche Vorstufe der mit der Reichsgründung verwirklichten kleindeutschen, preußisch dominierten Lösung der deutschen Frage unter Ausschluss Österreichs. Gegründet als Militärbündnis im August 1866 kam dem Bund durch eine Verfassung vom 1. Juli 1867 Staatsqualität zu.

Die Bundesverfassung entsprach weitestgehend der Verfassung des Kaiserreichs von 1871: Die Gesetzgebung war Aufgabe eines Reichstags, der vom männlichen Volk gewählt wurde, sowie eines Bundesrates, der die Regierungen der Mitgliedsstaaten (meist Herzogtümer) vertrat. Zur Verabschiedung von Gesetzen mussten beide zustimmen. Oberhaupt des Bundes war der preußische König als Inhaber des Bundespräsidiums. Verantwortlicher Minister war der Bundeskanzler. Der konservative preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck war der erste und einzige Kanzler in den wenigen Jahren des »Norddeutschen Bundes«.

Der Reichstag bereitete mit seinen zahlreichen modernisierenden Gesetzen zu Wirtschaft, Handel, Infrastruktur und Rechtswesen (darunter dem Vorläufer des heutigen Strafgesetzbuches) wesentlich die spätere deutsche Einheit vor. Einige der Gesetze wirkten bereits vor 1871 über den deutschen Zollverein in den süddeutschen Staaten. Allerdings war die parlamentarische Kontrolle über den Militärhaushalt noch begrenzt, obgleich die Militärausgaben 95 Prozent des Gesamthaushalts ausmachten.

Die Hoffnung, bald die süddeutschen Staaten Baden, Bayern, Württemberg und Hessen-Darmstadt in den Bund aufnehmen zu können, erfüllte sich nicht. In jenen Ländern war der Widerstand gegen das protestantische Preußen beziehungsweise gegen den Bund mit seiner liberalen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik groß. Das zeigte sich bei der Wahl zum Zollparlament 1868; diese Zusammenarbeit von norddeutschen und süddeutschen Abgeordneten im Zollverein trug aber zur wirtschaftlichen Einheit Deutschlands bei.

Nach einer diplomatischen Niederlage im Spanischen Thronfolgestreit begann Frankreich im Juli 1870 den Krieg gegen Deutschland. Es wollte damit ein weiteres Erstarken Preußens und eine deutsche Vereinigung unter seiner Führung verhindern. Allerdings hatten die süddeutschen Staaten Baden, Bayern und Württemberg nach ihrer Niederlage im Deutschen Krieg von 1866 Verteidigungsbündnisse mit Preußen geschlossen. Daher und aufgrund ihrer besseren Organisation konnten die deutschen Heere den Krieg rasch nach Frankreich hinein tragen.

Durch die Novemberverträge von 1870 traten die süddeutschen Staaten dem »Norddeutschen Bund« bei. Mit der sogenannten »Reichsgründung« und dem Inkrafttreten der neuen Verfassung am 1. Januar 1871 ging der Bund im deutschen Kaiserreich auf.

Châteauroux

Châteauroux an der Indre ist eine Stadt im Zentrum Frankreichs, Hauptstadt des Départements Indre und Sitz des Gemeindeverbandes Châteauroux Métropole. Sie ist mit 43.442 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) nach Bourges die zweitgrößte Stadt der Landschaft Berry.

Châteauroux wurde von Raoul I. le Large, Prinz von Déols gegründet, der hier um 950 das Château-Raoul (Schloss Raoul) erbaute. 1230 erhielt Châteauroux das Stadtrecht und war zunächst Sitz einer Herrschaft, die 1497 zu einer Grafschaft und 1616 durch König Ludwig den Dreizehnten zugunsten Heinrichs des Zweien von Bourbon, Prinz von Condé, zu einem Herzogtum erhoben wurde. Dieses verlieh König Ludwig dem Fünfzehnten seiner 1744 plötzlich verstorbenen Mätresse Marie-Anne de Mailly-Nesle. 1790 wurde Châteauroux Hauptstadt des Départments Indre.

Sehenswürdigkeiten in Châteauroux

  • Kirche Saint-André
  • Château-Raoul, erbaut im 15. Jahrhundert
  • Château du Parc
  • Museum Bertrand, in einem Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert mit einer Sammlung aus der Zeit Napoléons und flämischer Malerei
  • Kunstmuseum (»Le musée des Arts et Traditions Populaires«), im »Parc Balsan«
  • Couvent des cordeliers, Klosteranlage der Franziskaner aus dem 13. Jahrhundert
  • Kirche Saint-Martial, 12. Jahrhundert
  • Kirche Saint-André
  • Kirche Notre-Dame
  • Viertel Saint-Christophe früher mit Benediktinerabtei (1127), heute mit einer Kapelle mit einer Auto-Wallfahrt
  • Équinoxe, Mediathek
  • Le Tarmac (2007)
  • Aérocentre, Technikpark
  • Kapelle Saint-Martin
  • Kirche Notre-Dame
  • Kirche Saint-Martial

Partnerstädte von Châteauroux

  • Gütersloh, Deutschland, seit 1977
  • Bittou, Burkina Faso, seit 1985
  • Olsztyn, Polen, seit 1991
  • Zudem ist die Châteauroux Mitglied des »Bundes der europäischen Napoleonstädte«.

Die »visuelle« Ausstellung 2014 im Stadtmuseum Gütersloh

In dieser deutsch-französischen Sonderausstellung wurden 2014 im Stadtmuseum Gütersloh mit Fotos aus Gütersloh und Châteauroux und Umgebung die Ereignisse des Ersten Weltkrieges in den Jahren von 1914 bis 1918 gezeigt. Dabei geht es nicht um die Erlebnisse der Soldaten an der Front, sondern um das Leben der Zivilisten in der jeweiligen Heimatstadt.

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»In Liebe an Mirco Nontschew«

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