Mainz (ots) Gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl ist im Vergleich zur Vorwoche relativ wenig Bewegung zu erkennen. Insgesamt verfestigt sich das Kräfteverhältnis der Parteien eher: Weiterhin liegt die SPD vor der Union, und Scholz findet die größte Zustimmung als Kanzler.

Projektion

Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU auf 22 Prozent, die SPD könnte mit 25 Prozent rechnen, die AFD käme auf elf Prozent, die FDP auf elf Prozent (alle unverändert), die Linke auf sechs Prozent (minus eins), die »Grünen« auf 17 Prozent (unverändert), die Freien Wähler auf drei Prozent und die anderen Parteien zusammen auf fünf Prozent, darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erreichen würde. Damit hätte als Zweier-Koalition lediglich eine Koalition aus SPD und CDU/CSU eine sehr knappe Mehrheit. Reichen würde es für eine Vielzahl von Dreier-Bündnissen.

Noch viele unsicher

Ähnlich wie zum entsprechenden Zeitpunkt vor vier Jahren sind jetzt 41 Prozent aller Befragten unsicher, ob und wen sie wählen wollen. Ihrer Wahlabsicht sicher sind sich 59 Prozent. 85 Prozent und Mehrheiten in allen parteipolitischen Lagern meinen, dass es noch nicht klar ist, wer die Bundestagswahl gewinnen wird. Lediglich 14 Prozent halten das Rennen schon für entschieden (der Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils »weiß nicht«). Das sind deutlich weniger als gut zwei Wochen vor der letzten Bundestagswahl: Damals meinten mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent), dass das Rennen schon entschieden sei, für 43 Prozent war es das noch nicht. 

Koalitionspräferenzen

Das aktuelle Kräfteverhältnis der Parteien rückt vor allem drei Koalitionen in den Fokus: die Ampelkoalition aus SPD, »Grünen« und FDP, die 33 Prozent aller Befragten gut fänden und 41 Prozent schlecht (egal: 21 Prozent), die Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP, die 29 Prozent gut fänden und 52 Prozent schlecht (egal: 15 Prozent) und ein »rot-grün-rotes« Bündnis aus SPD, Grünen und Linken, das von 28 Prozent positiv und von 56 Prozent negativ (egal: zwölf Prozent) bewertet wird.

Wenn die SPD die Wahl hätte zwischen einer Koalition mit den Grünen und der FDP oder mit den »Grünen« und der »Linken«, dann sollte sich die SPD nach Meinung von 55 Prozent für eine Regierung mit den »Grünen« und der FDP entscheiden. 29 Prozent plädieren dann für ein Bündnis mit »Grünen« und »Linken«.

Eine Mehrheit von 51 Prozent glaubt, dass die SPD in einem solchen Fall eine Regierung mit »Grünen« und FDP eingehen würde, während 33 Prozent erwarten, dass die SPD dann mit den »Grünen« und der Linken eine Regierung bilden würde.

Wer kann Kanzler?

Weiterhin wird mehrheitlich lediglich Olaf Scholz als geeignet für das Kanzleramt angesehen: 68 Prozent (minus zwei) trauen ihm das zu (nicht geeignet: 26 Prozent). Armin Laschet halten 29 Prozent (plus vier) als Kanzler geeignet (nicht geeignet: 66 Prozent). Noch etwas geringer (24 Prozent; plus ein) ist der Anteil der Befragten, die Annalena Baerbock dafür als geeignet ansehen (nicht geeignet: 71 Prozent). 

Am liebsten als Kanzler

Der Vorsprung von Olaf Scholz bei der K-Frage ist weiterhin sehr deutlich, allerdings etwas weniger groß als letzte Woche: Am liebsten wäre 48 Prozent (minus fünf) Olaf Scholz als Kanzler, gefolgt von Armin Laschet, für den sich 21 Prozent (plus drei) aussprechen. 16 Prozent (plus zwei) sind für Annalena Baerbock. 

Top Ten

Bei der Beurteilung nach Sympathie und Leistung (»Was halten Sie von?«) liegt Angela Merkel weiterhin auf Platz eins mit einem Durchschnittswert von 2,4 (Sept. I: 2,2) auf der Skala von plus fünf bis minus fünf. Es folgen mit Abstand Olaf Scholz mit 1,6 (1,7), Markus Söder mit 1,2 (1,3), Robert Habeck mit 1,2 (1,0), Christian Lindner mit 0,3 (0,0), Heiko Maas mit 0,1 (minus 0,1), Jens Spahn mit 0,1 (0,0) und 0,0 für Friedrich Merz, der jetzt wieder zu den zehn wichtigsten Politikern gerechnet wird. Klar verbessern kann sich Annalena Baerbock mit 0,0 (minus 0,5). Armin Laschet bleibt Schlusslicht mit minus 0,5 (minus 0,8).

Aktuelle Corona-Lage

Das Thema Coronapandemie hat weiter an Bedeutung verloren: Mit jetzt nur noch 30 Prozent ist es nach dem Thema Umwelt- und Klimaschutz (43 Prozent) das zweitwichtigste Problem in Deutschland.

Durch die aktuelle Situation rund um die Coronakrise fühlen sich 39 Prozent sehr stark oder stark belastet, 60 Prozent sehen das nicht so. Im Januar nahm noch jeder zweite Befragte eine (sehr) starke Belastung wahr.

Die aktuell geltenden Coronamaßnahmen fallen für 60 Prozent (plus 3) gerade richtig aus, 19 Prozent (minus zwei) fordern, dass die Maßnahmen härter ausfallen sollen, und ebenfalls 19 Prozent (unverändert) finden die Vorgaben übertrieben.

Die Umfrage zum Politbarometer wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 7. bis 9. September 2021 bei 1281 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Dabei wurden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund plus-minus drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von zehn Prozent rund plus-minus zwei Prozentpunkte. 

Das nächste bundesweite Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, 17. September 2021. Informationen zur Methodik der Umfrage und zu den genauen Frageformulierungen.