Deutsche Umwelthilfe fordert: Bundesverkehrsminister muss Fiat-Wohnmobile mit hohem Schadstoffausstoß umgehend zurückrufen

Bereits im Mai bestätigte Kraftfahrt-Bundesamt »hohe Stickoxid-Emissionen aufgrund von Unzulässigkeiten« bei Fiat-Ducato-Modellen

Artikel vom 20. August 2021
Deutsche Umwelthilfe fordert: Bundesverkehrsminister muss Fiat-Wohnmobile mit hohem Schadstoffausstoß umgehend zurückrufen
Symbolbild

Berlin (ots) DUH-Messungen an einem Modell der aktuellen Abgasnorm Euro 6d-Temp zeigen, dass der Grenzwert für das gesundheitsschädliche Dieselabgas Stickoxid auf der Straße auch von Wohnmobilen eingehalten werden kann.

DUH-Bundesgeschäftsführer Resch warnt: »Wir raten dringend vom Kauf gebrauchter Fiat-Ducato-Modelle mit einer Abgasnorm schlechter als Euro-Sechs-D-Temp ab«.

Vorhandene Hardwarenachrüstungen für die betrügerischen Euro Fünf und Euro-Sechs-Fiat-Ducato-Modelle sind verfügbar und können die Stickoxidemissionen um bis zu 97 Prozent reduzieren.

Vor dem Hintergrund zum Teil extrem hoher Schadstoffemissionen von Wohnmobilen des Herstellers Fiat fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer auf, entsprechende Fahrzeuge umgehend zurückzurufen und aus dem Verkehr zu ziehen. Neueste Messungen des Emissions-Kontroll-Instituts (EKI) an einem Fiat Ducato 140 Multijet der Euronorm Euro 6d-Temp zeigen: Der Grenzwert für das gesundheitsschädliche Dieselabgas Stickoxid kann auch unter realen Betriebsbedingungen von Fiat-Wohnmobilen eingehalten werden. Der Umweltverband sieht sich daher in der Ansicht bestätigt, dass die Einhaltung des europäischen Grenzwerts für Stickoxidemissionen technisch möglich ist.

Die DUH hatte das Bundesverkehrsministerium wiederholt auf die hohen Emissionen von Wohnmobilen des Herstellers Fiat hingewiesen und im Dezember 2020 Messungen des EKI an Fahrzeugen mit der Abgasnorm Euro Fünf vorgestellt. Dabei zeigte ein Dethleffs Wohnmobil im Durchschnitt aller durchgeführten Messungen NOx-Emissionen von 2.779 Milligramm pro Kilometer auf. Damit überschritt der gemessene Wert den Stickoxyd-Grenzwert um den Faktor 9,9. Der Grenzwert liegt bei 280 Milligramm pro Kilometer. Das Pilote Wohnmobil lag mit durchschnittlich 1.926 Milligramm pro Kilometer um den Faktor 6,9 über dem Grenzwert. Im April dieses Jahres hatte die DUH das Ministerium über Messungen an einem Fiat Ducato 130 Multijet informiert: Das Fahrzeug wurde im Juni 2019 noch mit der Abgasnorm Euro 6b zugelassen und zeigte bei Messung mit kaltem Motor einen explosionsartigen Anstieg der Stickoxidemissionen auf 2.377 Milligramm pro Kilometer Der Mittelwert über alle Messungen lag bei 1.520 Milligramm Stickoxyd pro Kilometer.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) selbst hatte eigene Untersuchungen durchgeführt und »hohe Stickoxid-Emissionen aufgrund von Unzulässigkeiten« bei den Fiat-Ducato-Modellen schriftlich gegenüber der DUH bestätigt. Unternommen wurde bislang jedoch nichts. »Herr Scheuer hat nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Verpflichtung, hier endlich aktiv zu werden, zumal da das ihm unterstellte KBA bestätigt, dass hier etwas faul ist. Menschen investieren viel Geld in diese Fahrzeuge und Fiat hält einen Marktanteil von fast 70 Prozent. Den Betrug einfach auf Kosten von Verbraucherinnen und Verbrauchern und unser aller Gesundheit durchzuwinken – das stinkt zum Himmel. Vor dem Kauf eines Fiat Ducato Wohnmobils mit einer Abgasnorm Euro Vier, Fünf oder Sechs A bis C können wir nur warnen, da wir davon ausgehen, dass diese Fahrzeuge mit Einfahr- und Betriebsverboten belegt werden, solange sie derart extreme Abgasemissionen aufweisen«, so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Bei den neuen Abgasmessungen des EKI an einem Fiat Ducato 140 Multijet, zugelassen nach der Abgasnorm Euro-Sechs-D-Temp, emittierte das Fahrzeug 80 Milligramm Stickoxyd pro Kilometer mit kaltem Motor. Im Durchschnitt über alle durchgeführten Messungen an diesem Fahrzeug lag der Wert bei 120 Milligramm Stickoxyd pro Kilometer. Der wesentliche Unterschied zu den Vorläufermodellen: Dieses Modell, das im Rahmen der Typzulassung auch in Straßentests die Einhaltung der Abgaswerte belegen muss, verfügt über einen wirksamen SCR-Katalysator mit Harnstoffeinspritzung.

Der Umweltverband fordert daher den verpflichtenden Rückruf und eine Nachrüstung von Fahrzeugen der Abgasstufen Fünf bis Sechs C mit wirksamen Katalysatoren. Dazu Axel Friedrich, Leiter des EKI: «Unsere Messungen zeigen, dass effektive Abgasreinigung möglich ist. Inzwischen sind auch Hardwarenachrüstungen Dritter vorhanden, mit denen die Stickoxidemissionen drastisch gesenkt werden können. Dass der Hersteller dies nicht bereits bei den Vorgängermodellen sichergestellt hat, ist ein Skandal. Sowohl für die Euro-Fünf- als auch für die Euro-Sechs-Modelle wäre der Einbau eines effektiven SCR-Katalysators schon beim Inverkehrbringen möglich gewesen. Der ›FiatChrysler-Konzern‹ muss hier zur Verantwortung gezogen und es müssen entsprechende Sanktionen erlassen werden. Auch wenn er sich inzwischen hinter der Stellantis Gruppe zu verstecken sucht.«


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