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»Börsen-Zeitung«: »Grüne Welle«, Marktkommentar von Kai Johannsen

Die Emissionswelle »grüner« und nachhaltiger Anleihen schlägt an den Kapitalmärkten immer höher

Lesedauer 2 Minuten, 59 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 6. August 2021, DOI: https://www.guetsel.de/content/25273/7316140.html
»Börsen-Zeitung«: »Grüne Welle«, Marktkommentar von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) Die Emissionswelle »grüner« und nachhaltiger Anleihen schlägt an den Kapitalmärkten immer höher. Mehr und mehr Emittenten und Investoren sind in diesem Markt aktiv, erkennen Emittenten doch die Notwendigkeit derartiger Projekte im Klima- und Umweltschutz sowie die sozialen und nachhaltigen Be­lange, die die Nachhaltigkeitsziele der UN abbilden. Und In­vestoren, insbesondere auch der jüngeren Generation, wollen ihre Portfolios nicht mehr tra­ditionell auf der Grundlage finanzieller Renditen konzipieren, son­dern sie zukunftsorientiert ausrichten, das heißt auf nachhaltige Renditegenerierung setzen.

Dieser Kapitalmarkttrend, der durch die Covid-19-Krise zusätzlich angeheizt wurde, veranlasst die Ratingagenturen auch zu recht optimistischen Prognosen, was das Emissionsgeschehen betrifft. So rechnet die Ratingagentur Moodys damit, dass in diesem Jahr grüne, soziale und nachhaltige Anleihen über umgerechnet 850 Milliarden Dollar auf den Markt kommen. 450 Milliarden Dollar sollten es bei Green Bonds sein, jeweils 200 Milliarden Dollar werden bei »Social« und »Sustainability« Bonds erwartet.

Der Markt ist damit auf Rekordkurs: Das Emissionsvolumen würde damit 59 Prozent über den 533 Milliarden Dollar des Vorjahres liegen. Zum Vergleich: Das gesamte weltweit ausstehende Marktvolumen von »Green«, »Social« und »Sustainability« Bonds betrug per Anfang dieses Monats laut Bonddata 1,86 Billionen Dollar. Der Markt ist damit auch größer als die gesamte ausstehende Staatsschuld der Bundesrepublik Deutschland, die per Anfang August bei 1,55 Billionen Euro lag.

Zur Erinnerung: Ins Leben gerufen wurden Green Bonds erst 2007 von der im Großherzogtum Luxemburg beheimateten Europäischen Investitionsbank (EIB), der Bank der EU. Und der Markt dieser Bonds trifft auf ein erhebliches Nachfragevolumen. Gemäß Schätzungen der Global Sustainable Investment Alliance wird das Volumen des Sustainable-Investment-Universums mit mehr als 35 Billionen Dollar (die Billion im deutschen Sinne) angegeben. Nachfrage nach solchen Instrumenten ist demzufolge mehr als reichlich vorhanden.

Die Green Bonds legen dabei überdurchschnittlich zu. Im zweiten Quartal kamen laut Moodys grüne Anleihen für 94 Milliarden Dollar. Das waren zwar 10 Prozent weniger als die 105 Milliarden Dollar im ersten Vierteljahr, aber 48 Prozent mehr als im ersten Quartal 2020. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden Green Bonds für 199 Milliarden Dollar begeben (plus 78 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als die Corona-Pandemie für einen enormen Rückgang der »grünen« Bondemissionen sorgte).

Im Herzen Europas vor fast anderthalb Jahrzehnten erfunden, dominieren die europäischen Adressen auch heutzutage das Green-Bond-Emissionsgeschäft: 54 Prozent aller weltweit emittierten Green Bonds wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres laut Moodys von europäischen Adressen begeben. Es folgen der asiatisch-pazifische Raum und Nordamerika mit Marktanteilen von 22 Prozent beziehungsweise 16 Prozent.

Und für Nachschub ist nach der Ende dieses Monats auslaufenden Sommerpause gesorgt. Gleich im September legt Europa nach. Die Europäische Union (EU) wird ihre ersten »grünen« Anleihen bringen. Zudem hat sich ein weiterer europäischer Emittent angekündigt: Das Königreich Spanien will ebenfalls in den Club grüner Staatsanleiheemittenten eintreten. Beiden Adressen ist eine sehr gute Investorenresonanz praktisch sicher. Alles andere wäre eine Überraschung.

Die zu erwartende gute Nachfrage gründet sich auf drei Faktoren. Erstens ist bei Debüt-Emissionen regelmäßig eine große Orderflut auszumachen, denn jeder will bei Erstlingswerken dabei sein, um auch Erfahrungen mit diesem Emittenten zu sammeln. Das muss für spätere Emissionen kein Nachteil sein. Zweitens bekommen Investoren durch einen neuen Namen die Möglichkeit, ihr Portfolio zu diversifizieren. Drittens: Es besteht ein hohes Kaufpotenzial im nachhaltigen Investmentuniversum, so dass in der Folgezeit die Nachfrage, die im Primärmarkt aufgrund inflationierter Orders nicht bedient werden konnte, auf den Sekundärmarkt trifft. Das bedeutet, dass es zu einer guten Performance kommt, die Bonds also ein größer werdendes Greenium aufweisen (»Green and Premium«), das heißt die Green Bonds rentieren unter den herkömmlichen Bonds.

Der Markt wird spätestens ab September weiter zulegen, und damit besteht eine gute Chance, dass die Zwei-Billionen-Dollar-Marke am Markt für »Green«, »Social« und »Sustainability« Bonds noch in diesem Jahr geknackt wird.

Salenti

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