»Quartiere« in Gütersloh


Artikel vom 20. August 2021
»Quartiere« in Gütersloh
Symbolbild Immobilien

Netter Kommentar in einer alten, westfälischen Zeitung im April zum »Mansergh-Quartier« bezüglich der Namensfindung. Wobei ich sogar noch weiter gehe: Warum muss heute überhaupt jedes »Quartier« einen Namen tragen? Was soll das? Im Grunde genommen ist das eine Marotte der Immobilienbranche. Mithin Marketing. Das Kind soll einen Namen haben.

Aber normalerweise wird das an Straßennamen festgemacht. Schon überhaupt von »Quartieren« zu sprechen ist im Grunde genommen albern. Ein Quartier ist ein Stadtviertel. Das »Mansergh-Quartier« ist bestenfalls eine Siedlung. Kein Stadtviertel. Eher ein Gebiet. »Siedlung« trifft es auch nicht. Stadtplanersprech. Immobilienfirmensprech. Mittlerweile Allgemeinsprech. Aber wie Taleb gesagt hat: Die erfolgreichsten Stadtteile sind die, von denen die Stadtplaner ihre Finger gelassen haben. »Quartiere« heißen meist auch nur in der Planungs-, Bau- und Verkaufsphase »Quartiere«. Später wohnt man dann halt an der Soundso-Straße. In einem bestimmten Stadtteil vielleicht. Sowohl der Name als auch die Bezeichnung als »Quartier« verschwinden im Laufe der Zeit von selbst. Zumal sie kein Adressbestandteil sind. Und wohl auch auf keinem Stadtplan auftauchen werden.

Fazit

Soll es heißen, wie es will … wenn da erstmal Leute wohnen, spricht eh niemand mehr von irgendeinem »Quartier«. Noch nie gab es so etwas: »Wo kommen Sie her?« … »Aus Schlumpfhausen!« … »Und wo wohnen Sie da genau?« … »Im Norden. An der Baumstraße, falls Sie die kennen!« … nie würde jemand sagen: »Im Haschmich-Quartier« … bestenfalls: »Da, wo früher die Haschmich-Barracken waren« … die AFD hatte ja sogar gefordert, das »Mansergh-Quartier« als »Nachrichtenquartier« zu bezeichnen, weil – und wen wundert’s – die Kasernen im Dritten Reich die »Nachrichtenkasernen« waren. Dann könnte man das Heidewaldstadion (heißt es aktuell »Ohlendorf-Arena«? Davor hieß es ja irgendwann »Energieversum-Arena« oder so ähnlich … jetzt gibt es das »Hagedorn’s« dort) ja auch wieder als »Adolf-Hitler-Kampfbahn« bezeichnen.

Und das Witzige: Nun spricht kein Mensch mehr über das Thema. Es werden halt täglich neue Säue durchs Dorf getrieben. Und nun das von Tönnies geplante »Quartier« auf dem Marten-Gelände. Ein Immobilienprojekt eines Milliardärs, für das eine Tageszeitung und ein Magazin (zweifellos mittelbar dafür bezahlt – man bringt ja nicht zehn Seiten einfach so aus Spaß) Propaganda machen. Das aber städtebaulich eher unbedeutend ist – allein schon wegen der Lage. Und bezahlbarer Wohnraum wird dort absehbar nicht geschaffen. Was soll das?


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