Europa-Abgeordnete informiert sich über Armutsmigration in der Fleischindustrie


Artikel vom 23. Juni 2021
Europa-Abgeordnete informiert sich über Armutsmigration in der Fleischindustrie
Europa-Abgeordnete Viola von Cramon (vorne Mitte) informierte sich bei der Caritas Gütersloh über die Lebenssituation der Arbeitsmigranten in der heimischen Fleischindustrie. Mit im Bild von links: Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen, Konstantin Pramatarski, Agnieszka Kukiełka (beide Caritas-Beratung), Frank Börgerding (Kreisfamilienzentrum Herzebrock-Clarholz), Sebastian Stölting (Bundestagskandidat Bündnis 90/Die Grünen), Katrin Haude (Caritas-Beratung), Peter Köching (Fachbereichsleitung Sucht- und Drogenhilfe) und Diana Didilica (Caritas-Beratung).

Den nicht enden wollende Zuzug von Armutsmigrant*innen – angeworben durch die heimische Fleischindustrie – hat die Caritas Gütersloh als Problem von europäischer Dimension erkannt. Vorstand Volker Brüggenjürgen wird nicht müde, auf die prekäre Lebenssituation der aktuell 7.000 Arbeitsmigranten in den großen Schlachtbetrieben hinzuweisen. Viola von Cramon, Abgeordnete der Grünen im Europäischen Parlament, ist daher gerne seiner Einladung gefolgt, um sich in der Caritas-Beratungsstelle in Herzebrock über die Situation der Betroffenen zu informieren.

Viola von Cramon ist seit 2019 Europa-Abgeordnete. Die gelernte Agrarwissenschaftlerin gilt als exzellent vernetzt im osteuropäischen Raum. »Die Situation in der Fleischindustrie im Kreis Gütersloh treibt mich um.« Das sagt sie als Fachpolitikerin, aber auch als gebürtige Ostwestfälin: Viola von Cramon ist in Werther aufgewachsen und hat in Bielefeld ihr Abi gemacht. Auch wenn Werkverträge in der Schlachtindustrie seit Jahresanfang verboten sind, hält sie den Umgang mit den meist aus Südosteuropa stammenden Arbeitern für »ausbeuterisch«.

Viola von Cramon: »Es ist wichtig, dass wir das Thema politisch am Köcheln halten.« Aus vielen Kontakten in die östlichen Staaten der Europäischen Union weiß sie um die Schicksale der Arbeiterinnen und Arbeiter, die mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt werden und hier unter härtesten Bedingungen leben und arbeiten. Es sei wichtig, die Betroffenen viel stärker zu Wort kommen zu lassen, wie »entwürdigend die Situation für sie ist«.

Aufmerksam verfolgte Viola von Cramon die Schilderungen der Caritas-Berater, die in kreisweit fünf Beratungsstandorten Hilfestellung für Armutmigranten leisten. Da war die Rede von extremer Lärmbelastung in den Schlachtbetrieben, dauerndem Angetrieben-Werden durch die Schichtführer, einem übergriffigen Umgangston, Handgreiflichkeiten unter den Beschäftigten, Abrutschen in Depression oder Drogenkonsum.

Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen nimmt für die Caritas in Anspruch, nach mehr als 15.000 Beratungskontakten das »Gesamtbild der Situation von Armutsmigranten« in der Region klar beurteilen zu können. Sein Fazit: »Das Leid der Familien ist erschreckend. Und es wird oft von den Kindern bezahlt.« Betrachtet er die Folgen für die Region, so »ist es nicht das Problem, dass Menschen aus Südosteuropa zu uns kommen. Es ist vielmehr ein Problem, dass immer mehr Menschen aufgrund ihrer Armut zu uns kommen«.

Viola von Cramon nannte es, »eine Ehre« von den Caritas-Beratern empfangen und umfassend informiert worden zu sein. Sie versprach, die Anliegen auf der Bühne der EU-Politik weiter zu bespielen.

Weitere Infos unter Telefon (05241) 9883-0 und unter www.caritas-guetersloh.de …

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