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»Wir waren Helden«

»Wir waren Helden« … auch so ein Film. Nein, wart Ihr nicht. Ihr wart Arschlöcher, die am anderen Ende der Welt Leute abgeknallt haben. In einem Land, das Euch einen Scheißdreck angeht. Aber was rede ich … das waren ja nur dumme Vietnamesen, richtig? So what

Lesedauer 10 Minuten, 11 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 15. April 2021

»Wir waren Helden«
»Wir waren Helden« … auch so ein Film. Nein, wart Ihr nicht. Ihr wart Arschlöcher, die am anderen Ende der Welt Leute abgeknallt haben. In einem Land, das Euch einen Scheißdreck angeht. Aber was rede ich … das waren ja nur dumme Vietnamesen, richtig? So what? Sollte der Titel ironisch oder zynisch gemeint sein? Da müsste man das ganze schon mehr als wohlwollend interpretieren. Wenn das so wäre, müsste man sich fragen, ob irgendjemand das ganze so verstanden hat. Nicht nur den Titel sondern den ganzen Film an sich.

Von diesem Pathos lebt doch das ganze. Davon sind alle wie hypnotisiert. Es ist die Condition sine qua non. Im Grunde genommen baut die gesamte Ethik darauf auf. Durchbrochen hat das nur Buddha. Seine Kernbotschaft ist die, dass das ist, was ist. Und dass das Ziel von allem das Nirvana ist. Dass Glück ist, wenn man der sein will, der man ist. Und wer hat das im Grunde genommen im Ansatz auch erkannt? Wer hat gesagt: Ein Mensch, ein Problem. Kein Mensch, kein Problem.

Das Größte, das aber auch vermieden werden sollte, ist Leid. Nur darum kann es eigentlich gehen. Glück ist weniger problematisch. Glück ist, der sein zu wollen, der man ist. Aber Leid ist größer. Und das brachte Nietzsche zu einem der größten Sprüche, die es gibt: »Gott ist tot. Er starb an seinem Mitleid mit den Menschen«. Und so ist auch die Todesstrafe eine seltsame Strafe. Wenn sie vollstreckt ist, ist sie keine Strafe mehr. Der Tote merkt dann nichts mehr davon. Er leidet (sic!) nur in dem Zeitraum zwischen der Urteilsverkündung und der Vollstreckung. Schlechterdings leiden später Angehörige und Freunde. Und die Gesellschaft, aber das begreift sie nicht und das will sie auch weder wissen noch wahrhaben. Die größte Strafe ist Leid. Weil der Mensch, weil sein Gehirn Mitleid empfinden kann und muss, werden Gefangene auch möglichst unsichtbar weggesperrt. Deswegen haben die Nazis ihre Opfer verbrannt. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Das gesamte Rechtssystem fußt auf der Annahme, dass durch Urteile und Strafen Gerechtigkeit hergestellt werden könne. In Zivilprozessen funktioniert das, daher kommt auch der Spruch: »Jedem das Seine«. Aber in Strafsachen funktioniert das nicht, hier geht es um Abschreckung und Rache. Letzteres ist ein niederer Beweggrund. Gerechtigkeit lässt sich nicht rückwirkend herstellen. Denn was ist Gerechtigkeit? Gerechtigkeit ist die Vermeidung beziehungsweise die Beseitigung von Ungerechtigkeit. Und Ungerechtigkeit ist die Bevorzugung oder Benachteiligung aus Gründen, die der Betroffene nicht zu vertreten hat.

Ein weiser Twitter-User namens Gurwinder Bhogal, ein britisch-indischer Autor, schrieb: »People disappoint us because we assume they are rational. I doesn’t occur to us that they are apes, cobbled together out of random errors, calibrated mainly to fuck and die, their polite facial expressions: paper-thin masks, desperately held tight against the screaming chaos beneath«.

Und auf die Hybris folgt die Nemesis. Hoppla … wie kann das denn sein? Und wie begegnet man dem? Mit noch mehr Pathos. Genau das sieht man ständig und immer wieder.

Angebliche Antikriegsfilme kranken daran, dass das Medium die Botschaft (besser: die Metapher) ist. Sie gleichen dem Versuch, gegen Fastfood zu demonstrieren, indem man täglich bei McDonald’s einen Salat isst.

Der Begriff »Meinungsfreiheit« ist irreführend. Die Amerikaner sind uns da voraus: Dort ist von »Freedom of Speech« die Rede, von »Redefreiheit«. Und genau das ist es, was auch bei uns gilt. So steht es auch im Grundgesetz. Wir dürfen fast jede Meinung frei äußern. Haben dürfen wir jede Meinung – vor allem aus tatsächlichen Gründen, denn das Denken lässt sich nicht überprüfen und letztlich an sich auch nicht beeinflussen. Auch von außen nur bedingt. Man kann niemanden dazu bringen, etwas nicht nicht zu denken. Man kann auch nicht willentlich etwas vergessen. Oder willentlich einen Gedanken haben – man kann ja vorher gar nicht wissen, was das für ein Gedanke sein sollte. Dann müsste man ihn ja schon vorher haben. Das wäre ein logischer Zirkelschluss. Deshalb gibt es auch keine »Willensfreiheit«, sie ist logisch unmöglich. Mit Schopenhauer gesagt: Wir können nicht wollen, was wir wollen. Unsere Freiheit besteht lediglich darin, tun zu können, was wir wollen. Im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten, die beispielsweise durch Naturgesetze, Gesetze, Ethik, Moral oder gesunden Menschenverstand eingeschränkt sind.

Die »Meinungsfreiheit« soll sich doch bitteschön darauf beschränken, mal zu sagen dass Rassismus doof ist, dass der eine oder andere, eigentlich jeder irgendwie nur aber immerhin irgendwie Opfer ist, was man dringend deutlich machen muss, dass Massentierhaltung böse ist und solche Dinge. Von Meta-Ebenen oder tieferen und höheren Zusammenhängen will man bitteschön nicht belästigt werden. Wo kämen wir da hin? Man müsse nicht immer alles in Frage stellen, heißt es. Doch – muss man (Gabriele Krone-Schmalz). Ganz dringend sogar. Aber wer tut das? Lieber hört (sic!) und sieht (sic!) man sich sinnloses Geschwafel in Talkshows oder bei Clubhouse an.

Und so zählt heute vor allem die »Meinung«. Jeder hat eine und jede ist wichtig und mindestens genauso viel wert wie Wissen, Wahrheit, Erfahrung, Können. Deshalb tauchen im Fernsehen auch ständig überall sogenannte »Jurys« auf, Talkshowgäste oder Einspieler von irgendwelchen Leuten mit »O-Tönen«.

Der größte Hinterfrager war wer? Karl Marx. Er stellte auf die Conditio humana an sich ab. Es gab natürlich weitere; viele Philosophen, darunter die sogenannten »Aufklärer«. Aber was sie sagten, blieb meist im Lauf stecken. Marx war einer der wenigen, die dann auch abgedrückt haben. Und dann fällt ein Kasper wie Gabriel vom Himmel, und wischt mal eben mit der Behauptung, die gesamte Philosophie der vergangenen zweieinhalb tausend Jahre sei falsch, ebendiese vom Tisch. Und bringt Ideen wie die »Sinnfeldtheorie« oder Behauptungen wie die, der Weihnachtsmann existiere. Nicht nur als Idee oder als Bild, sondern tatsächlich. Jedenfalls nicht weniger tatsächlich als der Mond, denn die Quantenphysik kenne die Welle-Teilchen-Dualität und den Effekt, dass die »Wellenfunktion« überhaupt erst durch Messung oder Beobachtung zusammenbreche. Was ja nun auch umgekehrt stattfinden könne. Dabei trifft es die Metapher der »Welle« nicht, viele stellen sich Solitonen vor, die durch die Gegend fliegen. Lesch stellt sich hingegen eher so etwas wie schwingende Saiten vor. In Wirklichkeit muss man wohl von isotropen, schwingenden Feldern ausgehen, was viele Phänomene überhaupt erst erklärbar macht, wie beispielsweise das, dass ein Quant Photonik mit sich selbst interferieren kann. Oder dass so etwas wie die »Teilchenverschränkung« stattfinden kann.

In dem Machwerk »Der Patriot« sagt die Hauptfigur an einer Stelle, er sei ein Vater, er könne sich Prinzipien nicht leisten. Das ist ein Offenbarungseid. Das ist aber die wichtigste Frage: Können wir uns Prinzipien leisten? Müssen wir sie uns leisten? Behauptet wird das, stattfinden tut es aber nicht. Wobei man nun wieder Ethik nicht mit Moral verwechseln darf. Das ist ganz wichtig. Ebenso, wie man Besitz nicht mit Eigentum verwechseln darf, woran die ganze Welt krankt. Es gab Leute, die sich Prinzipien geleistet haben. Sophie Scholl ist ein Paradebeispiel. Ihr Verdienst war nicht das, was sie getan oder gelassen hat. Ihr Verdienst war, dass sie sich Prinzipien geleistet hat. Gebracht hat es leider nichts, außer, dass sie ermordet wurde. Wegen richtiger Prinzipien – und zwar von Leuten mit falschen Prinzipien.

Zum Beispiel waren offenbar die wahren Opfer des Zweiten Weltkriegs die Deutschen. Denn die Amerikaner und nur die Amerikaner haben uns ja angeblich von den Nazis befreit – also uns von uns allen selbst? Am Ende lag schließlich Deutschland in Schutt und Asche. Schuld an allem hatten Hitler und seine Konsorten. Die man dann hochgenommen hat und die sich der Rache teilweise selbst entzogen haben. Geschenkt. Das ist jedenfalls die Botschaft der allermeisten Dokumentationen. Am Ende und summa summarum haben die Faschisten gewonnen, jedenfalls nicht verloren. Leute wie von Braun, Hallstein, Heusinger oder Waldheim haben nach dem Krieg reüssiert. Viele haben nur Befehle befolgt? Eben drum! Das ist ja der Punkt. Diese vermeintliche Rechtfertigung ist ja gerade das Schlimmste überhaupt. Genauso gut könnte man sagen: »Ich habe ja niemanden erschossen. Ich habe nur abgedrückt!«

Das Interessante ist: Gerade die führenden Nazis wussten ganz genau, dass das falsch war, was getan wurde (sic!). Und wie geht man damit um? Letztlich gar nicht. Man behauptet lediglich, das zu tun oder längst getan zu haben, und damit soll es dann bitteschön gut sein.

Ein Großteil des Umgangs damit krankt daran, dass das Medium die Botschaft (besser: die Metapher) ist. So ist beispielsweise eine der schärfsten und kritischsten Aussagen zu dem Thema das Lied »War Pigs« von Black Sabbath. Aber das ist ja nur dumme Rockmusik, die man nicht ernstnehmen muss. Fans hören sich das an, weil sie die Musik gut finden. Ein gutes Beispiel ist auch das Lied »Bella Ciao«, das mittlerweile zum Popsong verkommen ist. Viele würden sich im Grab umdrehen. Filme oder Dokumentationen? Unterhaltung. Letztlich ist das ganze folgenlos. Denn die meisten hören denen zu, die nichts zu sagen haben. Und das ist durchaus doppeldeutig gemeint.

Was zählt, ist die Verpackung. Den Inhalt nimmt man zwangsläufig mit und konsumiert ihn. So ist das eben. Das Medium ist die Botschaft. Daran krankt auch die Kunst im Allgemeinen. Weil sie es in der Regel nicht schafft, der Ästhetik zu entsagen. Natürlich gibt es Ausreißer, die gibt es immer. Ein Beuys hat das geschafft.

Aber was bleibt dann bitteschön noch? Es bleiben Worte. Gesprochene und geschriebene. Aber wer hört denen zu? Wer liest sie? Und was wird nicht alles und vor allem für ein sinnloser Scheiß gesprochen und geschrieben? Unterhaltung eben. Die meisten hören denen zu, die nichts zu sagen haben. Die am meisten »Follower« haben.

Wer liest denn beispielsweise das Buch, in dem die Kommandanturbefehle von Auschwitz gesammelt wurden? Kein Mensch. Wer weiß überhaupt, dass es so etwas gibt? Leute wie Ursula Haverbeck lesen so etwas, um damit vermeintlich zu belegen, dass Auschwitz nur ein Arbeitslager war. Wer liest und versteht den Historiker Jörg Friedrich? Oder Karl Marx? Stephen Jay Gould? Jared Diamond? Christopher Hitchens? Karlheinz Deschner? Gekauft aber noch lange nicht gelesen wird vielleicht ein Precht, der oberflächliche Philosophie liefert und von ernsthaften Leuten nicht ohne Grund als »André Rieu der Philosophie« bezeichnet wird. Der viel versteht, aber nicht genug. Für Leute, denen selbst schon der Vorgang des Lesens lästig ist, gibt es sogenannte »Hörbücher«. Ein absurder Begriff für ein absurdes Medium.

Man sehe sich nur einmal die mehrteilige Dokumentation »Die hasserfüllten Augen des Herrn Deschner« an. Dort wird auch gezeigt, wie er sich beim Schreiben gequält hat. Wie er um Inhalte und Worte gerungen hat und wie er gearbeitet hat. Seine getippten Manuskripte waren dermaßen von handschriftlichen Korrekturen und Notizen durchsetzt, dass man sich fragen muss, wie überhaupt irgendein Schriftsetzer in der Lage war, diese Texte zu erfassen. Aber hoppla … der Beruf des Schriftsetzers wurde ja abgeschafft. Einer der wichtigsten Berufe der Kultur, der Zivilisation überhaupt, wie sich darlegen lässt.

Kultiviert werden Dinge wie Antiintellektualismus, Antikommunismus, Anti-Antifaschismus, Werbung und Propaganda. Führend war und ist das Fernsehen. Der einfache Beweis: In praktisch jedem Haushalt steht ein Fernseher, am liebsten ein möglichst großer. Bücher, noch dazu vernünftige, sind selten. Das meiste ist auch wieder nur Unterhaltung. Das Fernsehen hat aber einen Diskurstyp etabliert, der Logik, Vernunft, Folgerichtigkeit und Widerspruchslosigkeit preisgegeben hat. In der Ästhetik bezeichnet man das als »Dadaismus«, in der Philosophie als »Nihilismus«, in der Psychiatrie als »Schizophrenie« und in der Theatersprache als »Varieté«. Und macht es das Internet besser? So wie es aussieht, macht es alles nur noch schlimmer. Was sich unter anderem durch die Abkürzung »tl;dr« zeigt. Ein Offenbarungseid. Eine der wichtigsten Botschaften der Zeit lautet: stop making stupid people famous.

Es ist leichter, eine Diskussion mit einem Genie zu gewinnen, als eine Diskussion mit einem Idioten. Stimmt. Mehr als das: Letzteres ist prinzipiell unmöglich. Stichwort »Taubenschach«. Dummheit ist die Unfähigkeit, einfach zu denken.

Und so bleibt Marshall MacLuhans Erkenntnis, dass das Medium die Botschaft ist (besser: die Metapher), eine der wichtigsten und größten aller Zeiten.

Weitere wichtige Erkenntnisse sind die, dass die meisten denen zuhören, die nichts zu sagen haben. Und dass »Digitalisierung« in erster Linie Simulation ist. Und selten mehr als Automatisierung. Das alles kann und will bloß niemand hören, wissen schon gar nicht, verstehen erst recht nicht. Man fühlt sich von so etwas eher belästigt.

Einer der großen und erschreckend wenigen Vorteile des Internets ist der, dass man Geschriebenes im Nachhinein zurückrufen, überarbeiten, korrigieren, verändern kann. Bei Gedrucktem geht das nicht. Bestenfalls gibt es die Möglichkeit, Ergänzungen oder Neuauflagen herauszubringen. Oder, was aber praktisch nicht vorkommt, Fahnen mit Errata beizulegen. Loriot hat das einmal getan. Aber natürlich nur als Witz.

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