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Das große Ziel: weiter zu Hause leben

Pflegeberaterinnen der Diakonie Gütersloh geben Tipps vor Ort in den Familien

Lesedauer 3 Minuten, 12 Sekunden, Artikel zuletzt bearbeitet am 5. Dezember 2019
Das große Ziel: weiter zu Hause leben
Die Pflegeberaterinnen Corinna Pook (links) und Silke Stitz (rechts) von der Diakonie Gütersloh im Gespräch mit Sigrun und Walter Schmidt. Das Paar vertraut seit 2017 auf die Unterstützung der erfahrenen Fachkräfte. Foto: Diakonie Gütersloh

Dieser Wunsch ist nur zu verständlich: Menschen, die Pflege benötigen, möchten weiter zu Hause leben können. Auch dann, wenn ihr Pflegebedarf steigt. Im Alltag den richtigen Weg dorthin zu finden ist nicht immer leicht. Hilfe bieten die Pflegeberaterinnen Silke Stitz und Corinna Pook von der Diakonie Gütersloh.

»Das Besondere an unserer Arbeit? Wir beraten die Menschen individuell und vor Ort in ihren Familien«, erklärt Silke Stitz. »Außerdem bauen wir unser Netzwerk aus. Dadurch sind wir sowohl Ansprechpartnerinnen für unsere Klienten als auch für Selbsthilfegruppen und Institutionen wie zum Beispiel Krankenhäuser.«

»Im Gesetz steht: ambulante vor stationärer Pflege. Aber viele Pflegebedürftige wissen gar nicht, was ihnen zusteht«, ergänzt Corinna Pook. »Hier können wir Rat, Hilfe und Sicherheit geben.« Dies gelte schon für den Fall, dass jemand von Pflegebedürftigkeit bedroht ist. »Denn Anspruch auf eine Pflegeberatung haben alle Menschen, die einen Pflegegrad beantragt haben.«

Praxis-Erfahrung plus gesunder Menschenverstand

»Meist hilft uns beiden schon die Erfahrung und gesunder Menschenverstand, die passende Lösung zu finden. Das muss nicht immer die teuerste technische Variante sein«, betont Silke Stitz. »Wir sagen auch mal: Das ist für Sie in dieser Situation gar nicht so wichtig.«

Den beiden Mitarbeiterinnen der Diakonie Gütersloh kommt ihre jahrzehntelange Pflege-Praxis zugute. Corinna Pook war unter anderem 15 Jahre Leiterin der Diakoniestation Gütersloh. Silke Stitz hat zuletzt zehn Jahre die Pflege-WG »Trinitatis« in Gütersloh geleitet. »Ich muss nicht lange überlegen um zu wissen, was jemand braucht«, sagt sie. Schluckstörungen bei Demenz? »Helfen kann ein Andickungsmittel für Getränke oder Suppen, das zu einer Beschaffenheit wie bei Honig oder Joghurt führt, oder auch pürierte Kost.« Allgemeine Pflegeprobleme? Dafür ist eine individuelle Schulung sinnvoll. Viele Angehörige haben Rückenschmerzen. Dann stehen Lagern und Betten, Heben und Tragen im Vordergrund.

Es begann mit kleineren Erkrankungen

Ein Klient, um den sich Corinna Pook schon lange kümmert, ist der Gütersloher Walter Schmidt. Der 62-Jährige hat immer viel gearbeitet. Er war Lkw-Fahrer bei der Stadt und führte außerdem einen Dachdeckerbetrieb. »Das war viel«, sagt er. »Zu viel?« fragen er und seine Frau Sigrun sich heute. Mit der Zeit traten »viele kleinere Krankheiten« auf, wie sie sagt. Wenig später machte Walter Schmidt seine Firma dicht. Trotzdem kam es 2014 zum ersten Schlaganfall und im Februar 2017 zu einem zweiten. Seitdem ist Walter Schmidts linke Seite beeinträchtigt. Den rechten Arm kann er wegen einer Sehnen-Verletzung fast gar nicht bewegen. Laufen kann er nur wenige Schritte.

»Ohne Frau Pook hätten wir ein echtes Problem gehabt«

Walter Schmidt benötigt Hilfe in der Grundpflege, wie es im Amtsdeutsch heißt. Im April 2017 kam der Kontakt zu Corinna Pook zustande. »In vielen Einzelgeschichten« hat sie die Familie unterstützt. Unter anderem sorgte sie mit dafür, dass der 1,93 Meter große Mann ein Krankenbett mit einer Bettverlängerung erhielt. Sie vermittelte einen guten Krankengymnasten – die Wartezeiten für Therapeuten sind lang. Sie begleitete den Umbau des Bades und gab wertvolle Tipps, wie Sigrun Schmidt erinnert. Gelungen ist auch die Einstufung in einen höheren Pflegegrad. Corinna Pook setzte, wie so oft, ein Schreiben auf und erreichte, dass der Medizinische Dienst der Krankenkasse erneut vorbeikam. »Ohne Frau Pook hätten wir in den vergangenen Jahren ein echtes Problem gehabt«, sagt Sigrun Schmidt, die selbst gelernte Krankenschwester ist. »Schon im Alltag kommen immer wieder neue Probleme auf uns zu. Da ist es gut, wenn uns jemand hilfreich zur Seite steht.«

Große Bedeutung messen sie auch dem Ausbau ihres Netzwerks bei. Damit stoßen sie auf großes Interesse, etwa beim Hospiz- und Palliativ-Verein Gütersloh. Dessen Koordinatorin und Trauerbegleiterin/Diplom-Psychologin Elisabeth Schultheis-Kaiser sagt: »An einer Kooperation mit der Diakonie wären wir sehr interessiert.«

Termine für eine Pflegeberatung mit Sitz in der Strengerstraße 4 in 33330 Gütersloh lassen sich montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr vereinbaren unter Telefon (05241) 9867-2400. Besuche durch die Beraterinnen sind auch in anderen Orten des Kirchenkreises Gütersloh möglich, zum Beispiel in Langenberg, Rheda-Wiedenbrück, Verl und Schloß Holte-Stukenbrock. Eine Rechtsberatung ist ausgeschlossen.

Weitere Infos gibt es unter: https://www.diakonie-guetersloh.de/leistungen/senioren/pflegeberatung/

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