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Volkshochschule gestern und heute


Ein Bildungsangebot, das explodiert ist …

Artikel vom 9. 7. 2019
Volkshochschule gestern und heute
Das Planungsteam um Andreas Kimpel, Kulturdezernent (links), Stephan Grimm, Leiter Stadt- und Kreisarchiv, und Dr. Elmar Schnücker, stellv. VHS-Leiter, arbeitet die 100-jährige Entwicklung der VHS Gütersloh auf.
Gütersloh (gpr). Die Volkshochschule in Gütersloh ging im Oktober 1919 mit ihrem ersten Programm an den Start. Das Programmheft kostete 20 Pfennig und passte auf zwei Seiten. In diesem Jahr feiert die Volkshochschule deutschlandweit ihr 100-jähriges Bestehen. Die Gütersloher VHS ist eine der wenigen Volkshochschulen im Lande, die bereits im Jahre 1919 gegründet wurde. Anlass genug, auf die Anfänge und die Entwicklung zurückzublicken. Ein Planungsteam der Volkshochschule Gütersloh in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv ist aus diesem Grund aktuell dabei die letzten 100 Jahre Geschichte aufzuarbeiten und bereitet zum Jubiläum eine Ausstellung vor.

Bildung tut Not. »Die Not der Zeit offenbart […] die Notwendigkeit der Arbeitsgemeinschaft aller Volkskreise. Wir müssen Brücken schlagen zwischen dem kleineren Volksteil, der geistig arbeitet, und dem […], der mit der Hand schafft aber geistig hungrig ist.« Mit diesen Worten beschreibt Konrad Haenisch, Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, in einem Brief von Februar 1919 an die Preußischen Städte und Landgemeinden die Notwendigkeit der Volkshochschulen. Diese Veranlassung leitete die Eröffnung der ersten Weiterbildungsinstitutionen für Erwachsene in Deutschland ein. Heute ist die VHS mit ihren Angeboten zur Erwachsenen- und Weiterbildung aus Gütersloh nicht mehr wegzudenken.

Das Programm vertrat schon damals ein großes Themenspektrum, stolze 16 Kurse in insgesamt 320 Kursstunden standen zur Auswahl: Von Deutscher Literatur, Volkswirtschaftslehre, Geld-, Banken- und Börsenwesen, Elektrizität bis hinzu Französisch für Fortgeschrittene. Innerhalb der Bevölkerung stieß das neue Weiterbildungsprogramm 1919 auf großes Interesse. So war »[i]m Kursus Deutsche Literatur […] die geräumige Aula bis auf den letzten Platz belegt«, heißt es in einem Artikel des Gütersloher Tageblatt. Weit über 500 Personen meldeten sich bei der Auftaktveranstaltung an und bezahlten das drei Mark hohe Einschreibegeld, das es erlaubte auch mehrere der angebotenen Kurse zu besuchen. Die 15 ehrenamtlichen Dozenten der ersten Volkshochschulkurse in Gütersloh kamen größtenteils aus dem Bildungsbereich, wie Schuldirektor Baldewein, Oberlehrerin Fräulein Goebel oder Studienrat Riechemeyer, aber auch Bankvorsteher Niemeyer übernahm eine Kursleitung. »Die Volkshochschulen wollen und sollen nicht staatlich gleitet werden«, schreibt Minister Haenisch in seinem Brief und ergänzt: »Aber der Staat wird und muss die Förderung der Volkshochschulen als eine ihm obliegende Aufgabe betrachten.« Ein Aspekt der Förderung bestand in der entgeltlichen Öffnung der staatlichen Unterrichtsräume für die Kurse des Volkshochschulprogramms. Daher fanden die Kurse in den Gebäuden des Lyzeums an der Moltkestraße (heutiges Gebäude der Elly-Heuss-Knapp-Schule), im Gymnasium (Evangelisch Stiftisches Gymnasium) und im ehemaligen Lehrerseminar (Hohenzollernstraße, heutige VHS) statt.

100 Jahre später hat die Volkshochschule ihren festen Platz im ehrwürdigen, denkmalgeschützten Gebäude an der Hohenzollernstraße gefunden. Mit 573 Kursen im Frühjahr 2019 hat sich nicht nur diese Zahl stark verändert, auch die Teilnehmerzahlen haben sich von 500 auf über 15.000 verdreißigfacht. Mit über 15.000 Kursstunden im Semester und 350 Dozentinnen und Dozenten aus den Bereichen Mensch und Gesellschaft, Kultur, Gesundheit, Sprachen, Wirtschaft und Beruf ist die Volkshochschule Gütersloh eine Weiterbildungsinstitution, die auch nach 100 Jahren mehr denn je Zuspruch findet. Mit allem, was heute angesagt ist: W-Lan-fähige Räume, neue Smart- und Whiteboards und die Einführung der VHS-Cloud mit der Möglichkeit zur Vernetzung, zum Austausch und zur Zusammenarbeit unter einem virtuellen Dach bieten neue digitale Lernformen.

Passend zur Jubiläumsfeier ist ein Planungsteam, bestehend aus Kulturdezernent Andreas Kimpel, dem stellvertretenden VHS-Leiter Dr. Elmar Schnücker und Stadtarchivar Stephan Grimm, dabei die 100-jährige Geschichte der Gütersloher Volkshochschule aufzuarbeiten. Stephan Grimm legt viele alte Schätze aus dem Stadt- und Kreisarchiv vor – aus den Programmheften, Korrespondenzen und Fotos wird die Entwicklung der Volkshochschule in Gütersloh von 1919 bis 2019 deutlich. Zur Jubiläumsfeier am 20. September werden die Ergebnisse in der VHS ausgestellt.

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