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Zehn Jahre Gottesdienst für Mensch und Tier


Zum zehnten Mal luden Pastor Armin Piepenbrink-Rademacher von der StadtKirchenArbeit Bielefeld und der Verein »Achtung für Tiere« aus Gütersloh/Rietberg ein zum überregionalen Open-Air-Gottesdienst für Mensch und Tier an die Bielefelder Altstädter Nicolaikirche …

Artikel vom 3. 7. 2018
Zehn Jahre Gottesdienst für Mensch und Tier
Pastor Piepenbrink-Rademacher und Gottesdienstbesucher der ersten Stunde.
Zum zehnten Mal luden Pastor Armin Piepenbrink-Rademacher von der StadtKirchenArbeit Bielefeld und der Verein »Achtung für Tiere« aus Gütersloh/Rietberg ein zum überregionalen Open-Air-Gottesdienst für Mensch und Tier an die Bielefelder Altstädter Nicolaikirche. Unter den etwa 100 Menschen mit 35 Hunden waren viele »Stammkunden«. Ein Besucher aus Bad Oeynhausen war zum ersten Mal da: »Mir ist die hohe Aufmerksamkeit der Anwesenden aufgefallen, auch der vielen Tiere. Freundliche Hunde, tolle Lieder und Texte, engagierte Menschen – ist leider viel zu selten sowas und wohl einmalig in der Region.«

»Achtung für Tiere« versorgt in Varensell Tiere mit Handicap. »Unsere Ari war in einem fensterlosen Verlies einer spanischen Tötungsstation eingesperrt, mit Futter- und Wasserautomat, ohne Kontakt zu Hunden und Menschen,« Jugendgruppenmitglied Carla schilderte das traurige Schicksal der kleinen strubbeligen Gottesdiensbesucherin, »auf unserem Lebenshof ist Ari zu einem fröhlichen Hund geworden, der gerne in der Sonne liegt und mit seinen Hunde- und Menschenfreunden spielt.« Auch der Umgang mit Tieren in Deutschland kam zur Sprache. Dürfen wir fühlende Tiere mit Tierversuchen quälen, ihnen Leiden zufügen und sie töten, weil wir sie essen wollen? Achtung für Tiere-Mitglied Ina Haver fragte: »Können wir Gewalt gegen Menschen beklagen, wenn wir selbst herzlos gegen unsere Mitgeschöpfe sind? Wie anders als ich selbst muss jemand sein, damit ich ihn quälen darf?« Vorsitzende Astrid Reinke ergänzt Alltägliches: »Wir nehmen Tieren ihren Lebensraum, bauen Straßen durch ihre Grundstücke, fahren sie tot und lassen sie liegen – wie Dreck. Doch für jede Maus und jeden Igel ist ihr Leben genauso wichtig, wie unser Leben für uns.«

Die Mitwirkenden hatten alle Hände voll damit zu tun, von der steifen Brise umgewehte Plakate und Notenständer wieder aufzustellen. Bernhard Auge vom Weimarer Jazztrio begleitete den Gottesdienst musikalisch und sprang derweil mit einem Klavier-Zwischenspiel ein »Auch denen, die Gerechtigkeit für wehrlose Tiere anmahnen, weht oft Wind ins Gesicht«, kommentierte Piepenbrink-Rademacher. Doch auch und besonders in Tieren scheine Gottes Segen auf. Er zitierte den deutschen Arzt, Menschen- und Tierfreund Albert Schweitzer »Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.«

Piepenbrink-Rademacher appellierte daran, der Verrohung in der Welt entgegenzuwirken, daran, dass jeder einzelne Positives bewirken kann. »Schenke du, Gott, uns deinen Geist, dass wir mehr Menschen werden in unserem Bemühen um die Achtung für Tiere, für die Ehrfurcht vor dem Leben im Ganzen«, griff der Pastor den Gedanken des Liedes auf »Einsam bist du klein, aber gemeinsam werden wir Anwalt des Lebendigen sein«. Viele Gottesdienstbesucher nahmen die Einladung zum traditionellen Kirchenkaffee mit selbst gebackenen tierleidfreien Leckereien an und verweilten in angeregtem Gespräch.

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