Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen [mehr erfahren] Close
Gesund und Fit > Diakonie > Zurück

Wenn aus Zugezogenen Mitbürger werden


Diakonie und AK Asyl informieren 
über Patenschaftsprogramm …

Artikel vom 17. 1. 2018
Wenn aus Zugezogenen Mitbürger werden
Patentandems und Flüchtlingsberaterin beim offenen Treffen des AK Asyl. Sitzend von links: Katharina Lindenberg, Sawsan Rashid. Stehend von links: Flüchtlingsberaterin Katharina Stein, Houlanda Abakous mit Sohn Zuhir Sabbagh, Lisa Lange, Lalmohamad Noori, Jürgen Habermann, Foto: Diakonie
Sie sind mit Herz dabei – und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Integration: die ehrenamtlichen Patinnen und Paten in der Gütersloher Flüchtlingshilfe. Aber was bedeutet es eigentlich, »Pate« zu sein? Und wie wird ein solches Projekt von den Geflüchteten aufgenommen? Bei einem offenen Treffen des Arbeitskreises Asyl der Evangelischen Kirchengemeinde haben Ehrenamtliche und Geflüchtete jetzt ihre Erfahrungen vorgestellt. Zu der Veranstaltung in den Räumen der Landeskirchlichen Gemeinschaft hatten der AK sowie die Flüchtlingsberatung der Diakonie Gütersloh eingeladen.

Manche Menschen gehen im Ruhestand erst einmal auf Reisen – Lisa Lange hingegen wollte sich ehrenamtlich engagieren, und zwar in der Flüchtlingshilfe. Das war im Herbst 2016. Die Flüchtlingsberatung der Diakonie Gütersloh hatte wenige Monate zuvor gerade erst das vom Bundesfamilienministerium geförderte Patenschaftsprogramm »Menschen stärken Menschen« gestartet, für das sie unter anderem eng mit dem AK Asyl zusammenarbeitet. Dieses Programm ermöglicht es der Beratung, 25 Patenschaften pro Jahr intensiv zu betreuen und zu unterstützen – damit weder die Ehrenamtlichen noch die Geflüchteten alleingelassen werden. 2017 wurde es um ein weiteres Jahr verlängert. Das Motto des Projekts: helfen, begleiten, fördern.

Lisa Lange war eine der ersten, die sich dafür meldeten. Seitdem betreut die Gütersloherin die junge Familie Noori aus Afghanistan. »Ganz am Anfang hatte ich mich manchmal gefragt, was ich da getan habe – und was auf mich zukommt«, erzählte Lange den mehr als 50 Gästen beim offenen Treffen mit leisem Lachen. Schließlich kann eine Patenschaft viel Arbeit bedeuten. Doch die anfänglichen Bedenken legten sich schnell nach dem ersten Kennenlernen »ihrer« Familie. Vater Lalmohamad, Mutter Rona und ihre (mittlerweile) zwei Kinder. »Das erste Jahr war vielleicht arbeitsintensiv, aber ich wollte das gerne – und man bekommt eine Menge zurück«, so Lange. Und Lalmohamad Noori beschrieb: »Sie ist wirklich wie eine Patentante für uns und hat uns sehr geholfen.« Denn Geflüchtete aus Afghanistan haben keinen Anspruch auf Integrations- oder Sprachkurse – deswegen musste sich die Familie selbst Hilfe organisieren. Noori suchte die Flüchtlingsberatung der Diakonie Gütersloh auf – und die vermittelte ihn an Lisa Lange. »Frau Lisa«, wie er sie nennt, hilft seitdem bei Behördenangelegenheiten und im Alltag. Sie führt Telefonate, für die das Deutsch der Familie noch nicht reicht, und bevor Vater Lalmohamad den Führerschein machte, fuhr sie mit ihm auf den Verkehrsübungsplatz. Am Anfang hatten die Nooris mehr Hilfebedarf, doch mit der Zeit wurde es immer weniger. Verbunden bleiben sie sich trotzdem – und aktuell unterstützt Lisa Lange den jungen Afghanen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Am liebsten als Elektro- oder Kfz-Mechatroniker.

Dass die Unterstützung durch die Paten im Laufe der Zeit immer weniger wird, sei durchaus so gewollt, erklärte Flüchtlingsberaterin Katharina Stein den mehr als 50 Zuschauern das Projekt. »Wir wollen den Geflüchteten Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln.« »Verselbstständigung« heißt das im Sozialbereich. Stein ist überzeugt: Geflüchteten, die durch Paten begleitet werden, gelingt es deutlich eher, sich zu integrieren und in Deutschland Fuß zu fassen. »Mit einem Paten geht alles viel, viel schneller«, betonte sie.

So wie bei Sawsan Rashid zum Beispiel. Die Syrerin ist gehbehindert und auf den Rollstuhl angewiesen. Schon kurz nach ihrer Ankunft vor knapp zwei Jahren übernahm Jörg Habermann gemeinsam mit seiner Frau die Patenschaft für Sawsan Rashid und ihre Familie. Das begann schon damit, dass die Flüchtlingsunterkunft nicht barrierefrei war, erinnerte sich Habermann. »Meine Frau fuhr mit Sawsan deswegen ins nahe Nordbad, damit sie dort duschen konnte – denn die Sanitäranlagen in der Unterkunft waren nicht rollstuhlgeeignet.« Auch bei Amtsangelegenheiten und dem Vereinbaren von Arztterminen unterstützten die Habermanns. Und als die Stadt Gütersloh für die dreiköpfige Familie Rashid eine behindertengerechte Wohnung gefunden hatte, half das Ehepaar, Möbel aufzutreiben. »Am Anfang konnte ich gar nicht verstehen, warum sie das alles machen«, sagte Sawsan Rashin, »es war so viel Arbeit. Sie sind wirklich sehr hilfsbereite Menschen.«

Heute, fast zwei Jahre später, pflegt das Patenschaftstandem immer noch regelmäßigen und freundschaftlichen Kontakt – auch wenn die Rashids mittlerweile kaum noch Hilfe benötigen. Und Sawsan Rashid engagiert sich mittlerweile selbst ehrenamtlich: Als Dolmetscherin unterstützt sie die Flüchtlingsberatung der Diakonie. Die gelernte Sozialarbeiterin spricht Kurdisch, Arabisch, Englisch, Türkisch – und ein schon fast flüssiges Deutsch.

Dass über die Zeit aus einer Paten- eine Freundschaft werden kann, zeigt sich auch bei der Gütersloherin Katharina Lindenberg und Houlanda Abakous aus Syrien. Die beiden bilden seit Herbst 2016 ein Patenschaftstandem, treffen sich mittlerweile auch regelmäßig zum Kaffee und verbringen Freizeit miteinander. »Wir reden also nicht mehr nur über Probleme«, sagte Lindenberg lachend. Helfen tut sie natürlich trotzdem. Wenn Houlanda Abakous offizielle Briefe erhält, schickt sie Fotos davon per WhatsApp an Lindenberg – Amtsdeutsch ist schließlich schwer zu verstehen. Doch sogar als Muttersprachlerin habe diese sich gerade am Anfang durch alle bürokratischen Angelegenheiten »ganz schön durchbeißen« müssen, berichtete Katharina Lindenberg. Aber: »Ich stand ja nie alleine da und konnte mich bei Fragen an die Flüchtlingsberatung wenden.«

»Niemand muss ein Experte im Sozialrecht sein«, versicherte auch Katharina Stein. »Wir schicken niemanden weg.« Und niemand müsse mehr Arbeit in eine Patenschaft stecken, als er will. Wie umfangreich die Hilfe aussieht, entscheiden die Paten selbst. Manche wie Lisa Lange, Jörg Habermann und Katharina Lindenberg investieren viel Zeit – andere weniger. »Alles ist in Ordnung – auch, wenn man sich nur einmal die Woche zum Deutschlernen oder Kaffeetrinken trifft«, so Stein. Vor allem gehe es darum, Kontakte zu knüpfen – und die Basis dafür zu legen, dass aus Neubürgern bald Mitbürger werden.


Infokasten:
Die Diakonie Gütersloh sucht fortlaufend neue Paten. Wer Flüchtlinge unterstützen möchte, sollte volljährig sein sowie über Kommunikations- und Lernbereitschaft verfügen. Mit den potenziellen Paten wird zunächst ein Gespräch über ihre Stärken, Kompetenzen und Begleitwünsche geführt. Auf dieser Basis wird dann der Kontakt zu einem Flüchtling oder einer Flüchtlingsfamilie hergestellt. Anschließend entscheiden beide Seiten, ob eine Patenschaft gewünscht ist – und wie diese aussehen soll. 2016, im ersten Jahr des vom Bundesfamilienministerium geförderten Projekts, wurden 25 Patenschaften geschlossen und betreut, darunter 18 Familien- und sieben Einzelpatenschaften. Zehn dieser Patenschaften wurden im Zuge der Projektförderung auch 2017 durch die Flüchtlingsberatung begleitet, 15 Patenschaften wurden neu geschlossen. Somit wurden auch 2017 ebenfalls 25 Patenschaften intensiv betreut. Die Patenschaften sollen den Grundstein für längerfristige Kontakte und Freundschaften legen, auch außerhalb des Projektrahmens. Mehr Infos zum Patenschaftsprogramm: katharina.stein@diakonie-guetersloh.de

www.diakonie-guetersloh.de

[Zurück ...]



Gesund und Fit in Gütersloh


Transparent
Transparent
Transparent
Transparent
Transparent
Transparent

Unternehmen in Gütersloh


LogoLogoLogoLogoLogoLogo
© 2000–2017 Christian Schröter AGD, Impressum