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Inklusion beginnt immer auch im Kopf


Die Kinder- und Jugendförderung in der Stadt Gütersloh ist grundsätzlichen offen für allen Jungen und Mädchen, ungeachtet ihrer Ethnie, Religion oder eventuellen Einschränkungen. Im Zeitalter der Inklusion ist das Zusammensein von Kindern mit und ohne Handicap allerdings längst nicht so weit, wie von der Stadtverwaltung gewünscht …

Artikel vom 1. 9. 2015
Inklusion beginnt immer auch im Kopf
Zufriedene Projektleiter: Jörg Teckemeier, Andreas Reinhold und Jürgen Zöllner
Gütersloh (gpr). Die Kinder- und Jugendförderung in der Stadt Gütersloh ist grundsätzlichen offen für allen Jungen und Mädchen, ungeachtet ihrer Ethnie, Religion oder eventuellen Einschränkungen. Im Zeitalter der Inklusion ist das Zusammensein von Kindern mit und ohne Handicap allerdings längst nicht so weit, wie von der Stadtverwaltung gewünscht. Als eines von landesweit sechs Modellprojekten startete die Jugendförderung der Stadt Gütersloh darum im Jahr 2013 mit dem auf zwei Jahre angelegten »Projekt Inklusion in der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Gütersloh«. Ziel war und ist es dabei, benachteiligte gehandicapte Kinder und Jugendliche, ungeachtet von Alter und Einschränkung, stärker in die offene Jugendarbeit, die Angebote der Ferienspiele oder die Maßnahmen der allgemeinen Jugendförderung mit einzubeziehen.

Exemplarisch für den Brückenschlag zwischen Kindern und Jugendlichen ohne und mit Benachteiligungen wurden nach der Auftaktveranstaltung am im November 2013 elf Praxisprojekte in neun Einrichtungen und Organisationen der Jugendförderung, sowie je ein Angebot in Kooperation mit der Lebenshilfe und dem Verein VKM (»Für Menschen mit Förderbedarf«) aus der Taufe gehoben.

Nach dem offiziellen Ende des Inklusionsprojektes wurden jetzt die Ergebnisse inklusive eines Zwischenfazits im Rahmen einer gut dreistündigen Veranstaltung in der Janusz-Korczak-Gesamtschule präsentiert. Die wichtigste Erkenntnis der von Andreas Reinhold (Abteilungsleiter der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Gütersloh) und seinen beiden Kollegen Jörg Teckemeier und Jürgen Zöllner federführend geleiteten projektbegleitenden Arbeitsgruppe lässt sich in dem Satz zusammenfassen: Ein guter Anfang ist gemacht, es gilt, diesen Weg in der Zukunft unter Bündelung der Kräfte konsequent weiter zu gehen.

Andreas Reinhold: »Inklusion hat keinen Anfang und kein Ende, sondern ist ein immerwährender Prozess«. Bürgermeisterin Maria Unger drückte es in ihrer Eröffnungsrede ähnlich aus: »Aus vielen Gründen stehen wir sicher auch am Ende des Projektes ›Inklusion in der Kinder- und Jugendförderung in der Stadt Gütersloh‹ nicht vor dem ›Erreichen‹ von Inklusion, sondern haben uns lediglich auf den Weg gemacht und allenthalben auch schon einen guten Teil zurückgelegt. Es gilt, diesen konsequent weiter zu beschreiten und als ständigen Wegweiser einen festen Standpunkt zur Orientierung einzunehmen und zu halten«.

Als Strategiepapier und roten Faden für Nachahmer wurden darüber hinaus 18 konkrete Anwendungsbeispiele, weitere Erkenntnisse und Tipps in der neunseitigen »Handlungsempfehlung für eine ›inklusive‹ Kinder- und Jugendförderung« zusammengefasst. Weil diese, wie Andreas Reinhold von der Stadt Gütersloh klar stellte, mit »heißer Nadel« gestrickt wurde, prangerte auf der am Dienstag der Öffentlichkeit und dem überwiegenden Fachpublikum vorgestellte Publikation zunächst noch der Stempel »Entwurf vom 24. 8. 2015«. Die ausformulierte Endfassung soll zusammen mit einem begleitenden Dokumentarfilm sowie Handlungsempfehlungen im Jugendhilfeausschuss am 5. November präsentiert werden.

Mit konkreten Zahlen wartete die Erhebung dabei nicht auf. Zur Überwindung etwaiger Berührungsängste haben die Verantwortlichen im Sinne des Projektes auf die Erfassung konkreter Fallzahlen wohlweislich verzichtet. Gleichwohl fällt die Bewertung der Projektphase extrem positiv aus. Andreas Reinhold: »Durch das Inklusionsprojekt haben wir definitiv mehr Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen in unsere Einrichtungen gebracht. Zahlen kann und will ich aber keine nennen. Wenn wir jeden Jugendlichen vor der Teilnahme an unseren Angeboten nach ihren Beeinträchtigungen befragen würden, würden wir die Angebote und das langsam aufgebaute Vertrauen wieder gefährden«.

Sehr wohl teilen will der Abteilungsleiter dagegen die grundlegenden Erkenntnisse. Andreas Reinhold: »Am Anfang gab es nicht nur Hipp-Hipp-Hurra-Rufe, sondern neben viel Unsicherheit auch Skepsis. Daneben existierten aber auch der ausgeprägte Wille und eine hohe Motivation, das Thema Inklusion anzugehen«. Nachdem die ersten Kontakte geknüpft, die Schritte absolviert wurden, stellten sich nach Aussagen des städtischen Koordinators »zunehmend mehr Erfolgserlebnisse, Sicherheit und Selbstbewusstsein ein«. Neben der Schaffung einer Willkommenskultur und dem Ausräumen von Barrieren erwiesen sich in der Praxis »gemeinsame Interessen wie spiel- und sportpädagogische Angebote, kunst- und kulturpädagogische Möglichkeiten oder der Einsatz von Tieren und tierpädagogische Angebote als ideale Zugänge zur Verzahnung nicht einfach zusammen zu bringender Systeme dar«, so Andreas Reinhold.

Wie Zusammenführung von jungen Menschen unter dem Stichwort Inklusion in der Praxis perfekt und problemlos funktioniert, bewies der so titulierte »Markt der Möglichkeiten«. Die elf beteiligten Praxisprojekte präsentierten sich mit eigenen kleinen Ständen im Eingangsbereich der Gesamtschule.
Beispielhaft für viele tolle Ideen und den erhofften Schulterschluss standen dabei Benjamin Georg (18) und Florian Kruschinski (18). Die beiden besuchen die Förderschule FiLB »Auf dem Kampe«, spielen in ihrer Freizeit gemeinsam mit anderen Mitspielern mit und ohne Handicap beim Projekt »Streetsoccer inklusive« der mobilen Jugendarbeit.

Den Teamgeist zeigt dabei ein kleiner verbaler Doppelpass am Rande. Obwohl, wie Projektleiter Gerd Ebbing einräumt, »nicht die Leistung im Mittelpunkt steht«, sind alle stolz darauf, dass das Beste der vier Teams des »FC GTown« und des »FV Kühltown« in der ersten Liga Meister geworden ist.

Schüler Benjamin Georg räumt ein: »Es macht total viel Spaß, aber im Tor stehen kann ich nicht«. Prompte Antwort von Gerd Ebbing: »Dafür kann ich nicht so schnell laufen wie Du«. Mit anderen Worten: Es kommt auf einen Versuch an. Oder wie es Andreas Reinhold formulierte: »Inklusion beginnt auch immer im Kopf«. Ist die erste Hürde genommen, geht alles andere meist sehr schnell.

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