Deutsches Kinderbulletin: »Zu wenig und zu schlecht gemacht, um armen Kindern zu helfen!«

  • Heinz Hilgers, Kinderschützer und Ideengeber der Kindergrundsicherung übt deutliche Kritik am Gesetzentwurf der Koalition.

Oranienburg, Schmachtenhagen, 26. Oktober 2023

#Heinz #Hilgers, Ehrenpräsident des Deutschen #Kinderschutzbundes, Mitbegründer des »Bündnis Kindergrundsicherung, SPD Mitglied, ehemaliger #Bürgermeister von #Dormagen und Mitbegründer des »Dormagener Modells« übt im Interview mit dem Deutschen Kinderbulletin (DKB) deutliche #Kritik an den derzeit bekannten Plänen zur Einführung eine #Kindergrundsicherung, da mit den geplanten Maßnahmen die beschämende #Kinderarmut in #Deutschland nicht nachhaltig bekämpft werden kann.

Hilgers: »Für eine wirkliche Reform brauchen wir eine Leistung für tatsächlich alle Kinder in angemessener Höhe, die echte Teilhabe ermöglicht. Dafür muss neu berechnet werden, was Kinder für ein gutes Aufwachsen brauchen. Eine solche Neuberechnung ist aktuell leider nicht geplant, obwohl sie im Koalitionsvertrag vereinbart wurde.

Zudem muss die Leistung nach der Geburt möglichst automatisch bei den Familien ankommen, ohne große Antragskämpfe. Familien müssen von Anfang an eine einzige Behörde als Ansprechpartner haben, wo sie sich mit allen Problemen digital und analog hinwenden können.

Um das System dann noch gerechter zu gestalten, brauchen wir zudem unbedingt ein Ende der ungleichen Förderungen von Kindern entsprechend der Einkommen der Eltern. Staatliche monetäre Kinderförderung muss dazu dienen, allen Kindern ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen und jeweils in der Höhe einspringen, die Eltern nicht selbst gestemmt bekommen.

Um Kinderarmut dauerhaft und effizient zu bekämpfen, braucht es auf mehreren Ebenen Veränderungen. Auf Bundesebene fordern wir die beschriebene echte Kindergrundsicherung, um ausreichende Geldmittel in allen Familien sicherzustellen.

Auf Landesebene brauchen wir gleichzeitig dringend Verbesserungen im Bildungsbereich. Noch nie zuvor haben die schulischen Leistungen von Kindern in Deutschland so sehr von ihrem Elternhaus abgehangen. Wir müssen Kindern über eine gute und inklusive #Schulpolitik und #Bildungspolitik den perspektivischen Weg aus der #Armut ermöglichen.

Und drittens braucht es auf kommunaler Ebene inklusive und individuelle Unterstützung vor Ort. Dabei müssen die bestehenden Hilfen ausgebaut und verstetigt werden, und der Umgang mit allen Familien muss mehr von Wertschätzung und Hilfsbereitschaft geprägt sein.

Es braucht hier gute Präventionsketten wie das Dormagener Model, bei dem das ganze Hilfesystem um das einzelne Kind herum gut und effizient zusammenarbeitet und das Kindeswohl im absoluten Fokus steht.

Nur wenn wir alle diese Veränderungen gemeinsam angehen, werden wir an der verfestigten Kinderarmut in Deutschland etwas ändern können. Denn Kinder brauchen das alles: ein gutes Frühstück, eine gute Schule und gute Bezugspersonen, um den Weg aus der verfestigten Armut zu finden.«

Das Deutsche Kinderbulletin (DKB) unterstützt die Forderungen von Herrn Hilgers. Das vollständige #Interview gibt es hier