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© Eurobiker Deutschland & Eurobiker-Charity e.V
2. Int. Freundschafts-Touring der Eurobiker

28.05. bis 05.06.2004

Unter der Schirmherrschaft des letzten Präsidenten der EU-Komission R. Prodi, Otto Graf von Habsburg, der EU-Kommissarin Viviane Reding, dem EU-Koordinator Schwarz-Schilling und dem Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe machten sich am 28. Mai 2004 85 Motorradfahrerinnen und –fahrer in Begleitung von Service-Wagen und weiteren Organisationshelfern von München aus auf den Weg Richtung Balkan. Ziel war die bosnische Stadt Gorazde, die in den kriegerischen Zeiten der 90er Jahre über 40 Monate lang unter schwerstem Beschuss serbischer Truppen schwer zerstört wurde und wie viele Regionen aufgrund dieser Ereignisse in größte soziale Not geraten war und noch heute steht.

Zur Abfahrt in München auf dem Odeonsplatz vor der Feldherrenhalle wünschten drei Geistliche verschiedener Religionen der Gruppe mit Motorradfahrern aus 11 Nationen viel Erfolg bei dieser Mission und segneten die Tour zum Start. Vorab hatten die Eurobiker Geldspenden in Höhe von ca. 12.000 Euro gesammelt für ein Kinderheim in Obhut des deutschen Hilfswerks „Hilfe für Südost- und Osteuropa e.V.“, das in Gera beheimatet ist. Mit diesem Geld sollte das Dach des Kinderheims in Gorazde neu hergestellt werden. Außerdem hatten sie in 3½ Monaten medizinische Geräte und Krankenhaus-inventar in einem Wert von knapp 200.000 Euro gesammelt, deutschlandweit zusammengetragen, damit einen 40 t Lastzug füllen können und ihn auf den Weg zum Krankenhaus nach Gorazde geschickt, für das diese Sammlung bestimmt war.

Am ersten Tag fuhren die Eurobiker am Rand des Allgäu in Richtung Österreich, passierten dort den Großglockner und legten ihre erste Etappe in Heiligenblut ein, wo sie vom Bürgermeister und Landeshauptmann der Region empfangen wurden. Am nächsten Morgen starteten sie weiter in Richtung Süden, wurden an der slowenischen Grenze von einer Motorradpolizeistaffel empfangen, die sie als Großgruppe nach Ljubljana leitete. Dort begrüßten die Stadtoberen die illustre Gruppe und wünschte Ihnen für die weitere Fahrt, bei derzeit strahlendem und schönem Wetter, viel Erfolg und unfallfreie Erlebnisse. Es ging in Kleingruppen weiter, am Stadtrand von Zagreb/Kroatien empfing man uns nach komplikationsloser Passage der Grenze wiederum von einer Motorradpolizeistaffel, die die Eurobiker, aus lauter Freude allein über das dargebotene Bild, kreuz und quer durch die Stadt geleiteten. Die Kroaten jubelten am Straßenrand; die Gruppe fuhr direkt zum Parlament. Dort begrüßte sie der Parlaments-präsident nicht weniger herzlich, beschrieb die Aktion der Eurobiker als Friedensprojekt besonderer Art und erhielt von dem Eurobiker-Präsidenten Michel Turk (Luxemburg) und Andreas Kimmel (Deutschland) zwei Flaschen Wein aus Schengen, womit symbolisch seitens der Eurobiker die Hoffnung unterstrichen wurde, dass auch Kroatien in absehbarer Zeit Mitglied der EU werden könnte.

Nachdem die Motorradfahrer bereits am Tag zuvor an einigen ehemaligen Kriegsschauplätzen vorbeigefahren war, an denen die Spuren der Zerstörung noch immer ablesbar sind, deren Beseitigung sicher noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird, startete die Gruppe nach Übernachtung in Zagreb in Richtung Osijek, deren Stadtobere die Gruppe kurzfristig vor Antritt der Fahrt eingeladen hatte, man wollte die Eurobiker unbedingt in der Stadt begrüßen. An diesem Sonntag Mittag war dann auch auf dem mittlerweile neu gestalteten Markplatz die Hölle los, der Empfang konnte herzlicher nicht sein. Etliche Begrüßungsworte sollten dies unterstreichen und wurden von den Eurobikern, unter ihnen MdB Karsten Schönfeld, freundlichst erwidert. Schulkinder bedrängten die Motorradfahrer, fragten sie nach allem möglichen, insbesondere Eindrücken aus, wollten Stellungnahmen sammeln für Schulaufsätze, die sie im Zusammenhang mit diesem Empfang abfassen sollten. Das Interesse am Leben hüben wie drüben war groß; nach 1 ½ Stunden wünschte man der Gruppe aufs herzlichste eine gute Weiterfahrt.

Am Nachmittag erreichten die Eurobiker nach ebenfalls unproblematischer Passierung der serbischen Grenze die Kantonshauptstadt Novi Sad, hier führten Polizeimotorradfahrer die Gruppe vorbei an offiziellen Gebäuden zu einer alten, teils noch zerstörten Fabrikhalle, in der sich ein größerer Motorradclub Clubräume eingerichtet hatte. Dunkel gestrichene Wände, eine Art Barbeleuchtung und größere Theke, Bühne, Table-Dance-Käfig, aber auch Portraits der drei großen Marxisten, Tito oder Jugendstilbilder, wie sie kitschiger nicht sein könnten; eine abgeschossene MIK-Maschine an der Decke, leicht jazzige Hintergrundmusik aus den Lautsprechern. Nach einiger Zeit der Überraschung und des Interesses, einigen fragenden Blicken und Momenten der Unsicherheit kam schließlich ein gehbehinderter Mann, auf einen Handstock gestützt, schwarz gekleidet, ein T-Shirt mit kyrillischer Inschrift tragen, ging auf die Bühne und sprach Begrüßungsworte. Es stellte sich heraus, dass uns der Kantonspräsident in seinem Motorradclub begrüßt hatte. Er berichtete darüber, dass die Mitglieder in seinem Club aus verschiedenen Nationen und verschiedenen Religionen stammen, dass sie ein gutes Verhältnis zueinander gefunden haben und dass er diesen Club neben anderen Beispielen als Modell und Willen zu neuer Solidarität bewertet. Auch hier wurden den Eurobikern von Clubmitgliedern persönliche Berichte und Geschichten erzählt aus den Zeiten der kriegerischen Auseinandersetzung, und es wurden Folgen beschrieben, die einem als Mitteleuropäer in entsprechenden Details nicht bekannt waren.

Von Novi Sad aus fuhr die Gruppe schließlich bis Belgrad, wo nach einem eher kühlen und sachlichem Empfang im Parlamentsgebäude eine Ruhestätte im größten ansässigen Hotel bereitgestellt worden war. Einige Gruppenmitglieder nutzen den Abend zum Besuch von in der Nähe liegenden Lokalen, die in jüngster Zeit auf Hausbooten eröffnet worden waren und von den Besitzern/Betreibern als erste freiwirtschaftliche Aktivität im Land ohne staatliche Lenkung im Mittelstand gesehen und bewertet werden.

Mit starker Überwachung entlang der Fahrstrecke machten sich die Eurobiker am nächsten Tag auf den Weg Richtung Bosnien, wozu an der Grenze von zwei Europa-Polizisten in deutscher Uniform empfangen wurden. Nach etwas langwierigeren Grenzformalitäten ging es dann durch eine wunderschöne Berglandschaft nach Gorazde, wo es einen überwältigenden Empfang gab. Beim Kinderheim wurde die Geldspende übergeben, außerdem eine Einzelspende des Eurobikers Julius Szep, der mit seinem Kartenspielclub 5000,- Euro gesammelt hatte. Danach ging es jeweils mit einem Jungen oder Mädchen aus Gorazde auf dem Soziussitz hinauf auf den Hügel neben der Stadt, von dem die Serben den Beschuss auf Gorazde begonnen hatten. Auf ihm befindet sich heute ein Denkmal, eine Gedenkstätte, auf der die Eurobiker einen Baum zum Gedenken pflanzten und einen kleinen Kranz am Denkmal nieder legten.

Wieder herunter in der Stadt: alles was Beine hatte befand sich auf der Straße, alte Leute, kleine Kinder, Familien, Menschen auf der Straße, Motorradfahrer und -clubs, einzelne KFOR-Soldaten, allesamt waren sie auf den Beinen, um die Eurobiker auf dem Marktplatz zu empfangen. Sie luden die Fahrerinnen und Fahrer zu einem kleinen Imbiss im direkt benachbarten Gasthof ein, woraufhin der größere Teil der Gruppe den Weg aufnahm nach Sarajevo, wo ab 18.00 Uhr dieses Dienstages ein ökumenischer Gottesdienst anlässlich des Besuches der Eurobiker veranstaltet wurde. Eine kleine Gruppe, unter Leitung des Koordinators der Sammlung Dr. Hermann Munzel, fuhr zum Krankenhaus, wo den Eurobikern für ihr soziales Engagement gedankt wurde. Dabei wurde der Eurobiker Munzel, in seinem Hauptberuf Arzt, in das Frischgeborenenzimmer geführt, von drei Müttern zum Dank in den Arm genommen, die ihm ihre wenige Stunden alten Kinder zeigten, wohl zu verstehen als symbolischen Hinweis, dass sie wieder leben würden, dass in Gorazde wieder gelebt würde, ein ergreifender Moment. Immerhin waren es die Frauen der Stadt gewesen, die während der Kriegszeit monatelang mit nächtlichen Wanderungen unter wiederholtem Beschuss des Feindes Lebensmittel aus der Umgebung zur Stadt getragen hatten und damit das Überleben garantiert hatten. Viele Frauen mussten dabei ihr Leben lassen, genauso wie die Männer, die versucht hatten, mit vom Feind geraubten Waffen –eigene hatten sie nicht gehabt- zur Wehr zu setzen, was ihnen erfolgreich gelungen war, bis dann schließlich 1994/95 mit Hilfe der Nato diesem grausigen Treiben ein Ende bereitet wurde.

Nach Eintreffen der Krankenhaus-Besucher haben schließlich alle Motorradfahrer gemeinsam das Ende des ökumenischen Gottesdienstes in Sarajevo erlebt, legten daraufhin einen Kranz an einem Friedensdenkmal in der Stadt nieder und fuhren dann in ihr Hotel. Das Wetter verschlechterte sich, im Regen ging es nun nach Mostar, wo der frisch wieder hergestellten, symbolträchtigen Brücke in der Stadt ein Besuch abgestattet wurde. Ein Monat später sollte diese Brücke vom ehemaligen EU-Koordinator Hans Koschnick offiziell der Bestimmung übergeben werden. Auch die weitere Fahrt war schwierig, die Nässe ließ den Asphalt zu Schmierseife werden, es geschahen einzelne Stürze der Motorradfahrer, aber jeweils ohne Personenschaden und mit nur leichtem Sachschaden. Ein Empfang der Stadtoberen in Split musste dann auch abgesagt werden. Die Gruppe fuhr gleich weiter zum Quartier und war froh, mit heiler Haut das schöne Hotel, Essen und Bett erreicht zu haben. Es gab genug Platz zum Trocknen der nassen Sachen, die vorher gedrückte Stimmung stieg gleich wieder.

Die Laune am folgenden Morgen war dann wie die Sonne, die am Himmel stand, wodurch die sich anschließende Fahrt durch eine fjordartige Küstenlandschaft in Kroatien zu einem ganz besonderen Leckerbissen wurde. Dieser Tag wurde genutzt zum reinen Motorradfahren, zum Genießen von Landschaft und Leute, zum Entspannen. Die in viele Kleingruppen aufgeteilte Reisegruppe fand sich dann schließlich pünktlich um 18.00 Uhr zum Empfang der Stadtparlamentarier im Hafen ein. Nach Grußworten und einem erfrischendem Getränk, nach Studium einzelner Zeitungsartikel, die meist in kyrillischer Schrift geschrieben in der Woche zuvor erschienen waren, wurde uns dann ein besonderer politischer Erfolg der Reise beschert.

Man erzählte und zunächst die Geschichte, dass Rijeka im Krieg weitestgehend verschont geblieben war aufgrund des Engagements des damaligen Militärkommandanten der Stadt und des Bürgermeisters. Der eine Serbe, der andere Kroate, seit Jahren eng befreundet, waren bei Kriegsbeginn plötzlich vor eine sehr schwierige Situation gestellt gewesen; mit viel Geschick aber haben sie es über all die Jahre verstanden, dass der Kommandant die Waffen von See aus nicht auf die Stadt richten musste. Diese Geschichte mit deutlichen Inhalten in Richtung Loyalität herauszuhören, und unter Bezug darauf, dass die Stadt dadurch nicht in Armut geraten war, wollten die Stadtparlamentarier jetzt zum Anlass nehmen, auf der Basis der Presseveröffentlichung der Eurobiker und deren nachfolgende Aktionen eine eigene Initiative für eine Sammlung und eine Solidaritäts-Aktion für Bosnien zu starten. Die Eurobiker begriffen in diesem Moment, dass die verstanden worden waren und es war klar geworden, dass auch das politische Ziel der Tour erreicht worden war.

Nach einigen Runden auf der nahen Rennstrecke in Opatija, einem geselligen Abend und einer ruhigen Nacht ging es am letzten Tag, Samstag dem 05.06., nach Trient. Dort verbrachten die Eurobiker nach Begrüßung durch den Tourismusleiter der Stadt ihren Abschlussabend, um dann am nächsten Tag individuell den Heimweg anzutreten.

Das 2. Internationale Freundschafts-Touring der Eurobiker war ein großartiges Erlebnis, sowohl als Charity-Aktion als auch als politisches Event, sie setzte erfolgreich ein völkerverbindendes Element um. Für die Teilnehmer war es ein großes emotionales wie auch touristisches Erlebnis, für den Einzelnen wie auch in der Gruppe; und jedem war bei Rückkehr klar, dass es im Folgejahr eine dritte Reise geben wird und muss verbunden mit der Hoffnung, dass das auch in den Folgejahren möglich sein wird.

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