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| © Eurobiker Deutschland & Eurobiker-Charity e.V |
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1. Int. Freundschafts-Touring der Eurobiker
Fahrt in die weißen Nächte:
In 7 Tagen durch 7 Länder über 7 Grenzen. Tour der Eurobiker nach St. Petersburg anlässlich des 300 Geburtstages der Stadt.
Johannes zeigt mir sein mobiles GPS: 44 km/h steht als aktuelle Geschwindigkeit im Display. Die Sonne spiegelt sich glitzernd im Meer. Es ist Donnerstag und wir haben vor einer Weile die Motorräder auf der Finnjet festgezurrt und in Helsinki abgelegt. Wir sind auf dem Weg zurück nach Deutschland, nach Rostock. Um 18:30 Uhr wird die Fähre in Tallinn einen Zwischenstop machen. Tallinn kennen wir, hier waren wir doch erst letzten Montag. Nach dem Motto „Mobilität überwindet Grenzen und verbindet Kulturen" starteten 100 Teilnehmer des 1. Freundschaftstourings der Eurobiker aus Luxemburg, Italien, England, Finnland und Deutschland auf 87 Motorrädern letzten Samstag in Berlin.
07.06.2003, Berlin, Platz des 18.März am Brandenburger Tor: ab 6:30 finden sich die Teilnehmer ein. Die Tourguides verteilen uns auf 11 Gruppen. Wir werden begrüßt und eingestimmt mit Life-Musik der „Teufelsgeiger von Jakascha", einem Biker-Frühstück vom Kaffe Einstein, sowie mit geistlichen und weltlichen Segen, Wünschen und Sprüchen versehen. Die Reden der Politiker (Iris Gleicke, MdB, StS Verkehrs-ministerium und Bürgermeister Joachim Zeller sowie der Botschafter von Polen, Litauen, Lettland, Estland, Russland und Finnland) sind erträglich kurz und erstaunlich humorvoll. Für den Reisesegen (der auch tatsächlich funktionierte!) sorgen zwei Priester der Russisch-Orthodoxen Gemeinde Berlin, eine jüdische Priesterin und Pastor Holger Janke. Holger versorgt uns mit gelben Bändern die für die Fahrt an allen Maschinen festgemacht werden. Unter dem Schutz von Berliner Motorrad-Polizisten geht es im großen Konvoi in Begleitung von Iris Gleicke, Joachim Zeller und TV-Moderator Wolfgang Lippert auf seiner Harley in Richtung Osten. Zügig und ohne Beachtung von roten Ampeln rollt die lange Schlange bis an die Grenze nach Polen - so einen Service durch die uniformierten Freunde hat man nicht alle Tage!
Nach den Formalitäten – Reisepass raus, Helm runter, Reisepass rein, Helm auf - fahren wir in kleinen Gruppen weiter. Endlich ist Dynamik im Spiel. Wenn Karsten mit seinem mondänen BMW-Reise-Cruiser CL1200 beim Überholen auch mal aus dem 6. Gang rauskäme wäre die Gangart sogar als zügig zu bezeichnen. Unser finnischer Tourguide Risto lässt die K1200 fliegen und orientiert sich mit seinem GPS. Da seine Schäfchen sich an Karte und Straßenschildern orientieren, kommt es zu leichten Irritationen. Aber Risto ist der Chef. Und GPS hat immer Recht, egal wie groß die Straßenhinweisschilder auch sind. Wir kommen auf jeden Fall am Treffpunkt in Pila an, eigenartigerweise als letzte. Da der Gastgeber reichlich aufgetischt hat, werden auch wir noch satt. Es gibt irisch Gegrilltes mit Beilagen, Nachtisch, Kaffee und Kuchen - und ebenfalls kostenlos - einmal voll tanken für alle! Richtig gelesen, der Gastgeber heißt ORLEN, ist ein Mineralölkonzern und hat uns zur Eröffnung einer neuen Tankstelle eingeladen. Frisch gestärkt rollen wir weiter. Vor Olsztyn (Allenstein) springt ein Polizist auf die Straße und winkt uns rechts raus. Wie schnell waren wir denn? - Entwarnung, der Polizist hat alle Eurobiker raus gewunken. Die Polizei begleitet uns mit Rotlicht bis auf den historischen Marktplatz von Olsztyn. Hier ist eine Bühne aufgebaut, der Bürgermeister und viele Besucher warten schon auf uns. Nach den Reden des Bürgermeisters, der Chefs von Eurobiker Deutschland (Andreas Kimmel) und Luxemburg (Michel Turk), von Karsten Schönfeld (MdB) werden Geschenke ausgetauscht. Michel übergibt eine Flasche Luxemburger Wein aus Schengen und erinnert damit an die Bedeutung des Schengener Abkommens für unser offenes Europa. Karsten wünscht dem heute in unserem Gastland Polen stattfindenden Referendum zum EU-Beitritt einen guten Erfolg.
Nach dem herrlichen Trompetensolo von Wolfgang ist die ganze Truppe eingeladen zu einem Imbiss im besten Hause am Platz. Es dauert nicht allzu lange und die reichlich gedeckte Tafel ist geputzt. Das letzte Stück bis zum Hotel ist schnell geschafft. Einchecken, Duschen, ab an die Quelle. Lange stehen wir noch beim Bier zusammen und lassen den ersten Tag ausklingen. Immerhin 550 km wurden die Mopeds älter. Manche satelliten-gesteuert auch 30 km mehr!
Im Roadbook stehen für Sonntag 580 km und 5:00 wecken, 5:30 Frühstück, 7:00 Start. Nicht alle können pünktlich los. Die Klischees und Vorurteile über Polen wurden leider bestätigt: Einige Teilnehmer hatten ungebetenen nächtlichen Besuch im Zimmer, vermissen Brieftaschen und Geldbörsen. Der Bürgermeister ist zur Verabschiedung da, holt seinen Polizeichef sowie die Hoteldirektorin dazu. „Nix zu machen" ist der erste Stand. Deshalb müssen zwei Teilnehmer die Fahrt beenden, da auch die Pässe weg sind. Bis Mittag werden zumindest alle Dokumente und die mittlerweile gesperrten Kreditkarten aufgetrieben und mit den beiden durch Polizei-Fahndung wieder aufgegriffenen Heimkehrern der Gruppe hinterhergeschickt. Der verzögerte Start und der nun drängende Zeitplan sorgen bei unserer kleinen Gruppe für eine etwas sportliche Gangart. Als unser Guide (und Tourchef) Silvio zu Ingolf und mir sagt: „Fahrt ihr mal vorne, ihr habt die schwächsten Mopeds; wir holen euch ja spielend ein." hat er mit der Motorleistung recht. Auf den kleinen Straßen in der wunderschönen masurischen Seenlandschaft lassen wir die betagten BMW's fliegen. Wir beide genießen die kurvige, buckelige und sehr verkehrsarme Strecke. Ingolfs F650 mit 34 PS und meine 2-Ventil GS sind in ihrem Element. Wir sind so konzentriert dabei, dass wir gar nicht merken, dass der Rest der Truppe abhanden kommt. Erst in der nächsten Stadt können Thomas mit KTM LC8, Bernd auf Triumph Königs-Tiger und Silvio mit der BMW 1150RT aufschließen. Das breite Grinsen unter den Helmen zeigt, dass alle ihren Spaß hatten. Nur dumm, dass Ingolfs Einzylinder sich der amtlichen Nummerntafel entledigt hat. Wären wir zusammen geblieben, hätte es bestimmt jemand gesehen ...
So geht es im Fahrradtempo retour. Tatsächlich finden wir nach einigen Kilometern das gesuchte Kennzeichen im Straßenbegleitgrün. Jetzt aber wieder zügig. Als wir endlich an der Grenze nach Litauen eintreffen, sind alle anderen schon wieder da. Die Formalitäten ziehen sich; eine zusätzliche Versicherungspolice je Fahrzeug ist erforderlich.
Die Landschaft und die Straßen in Litauen unterscheiden sich deutlich von der letzten Etappe in Polen. Neuwertige gerade und großzügige Highways ziehen sich durch weite Ebenen. Nur die niedrige Verkehrsdichte ist für uns (durch verstopfte Straßen Geschädigte) so wie in Polen. Es ist ja Sonntag; der LKW- und Berufsverkehr ruht. Die bei uns zu Hause gewohnte Massenmobilität am Wochenende ist hier sicherlich für viele nicht bezahlbar.
Vor Kaunas sind alle wieder eingesammelt und unter Polizeigeleit in das Zentrum gelotst. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und mit Musik einer Militärkapelle werden wir empfangen. Nach zwei Umrundungen des gut gefüllten Marktplatzes stellen wir die Motorräder in einer langen Reihe ab. Litauische Motorradfahrer reihen herausgeputzte, aufwendig hergerichtete Chopper und auch einheimische Klassiker ein. Nach den feierlichen Reden und dem Austausch der Gastgeschenke sind wir eingeladen zu einer „Soldatenmalzeit". Es gibt einen Brei aus Getreide und Hirse. Unsere verwöhnten Gaumen tun sich nicht leicht mit der sicherlich nahrhaften und sättigenden Speise aus dem großen Kübel. Wohl eher die Höflichkeit als der Appetit lässt die meisten Teller leer werden. Die große Truppe verabschiedet sich und wird von den litauischen Motorradfahrern mit reichlich Musik aus den offenen Auspuffanlagen begleitet. Eine kleine Abordnung fährt noch mit Vertretern des Deutschen Kulturvereins mit wehender schwarz-rot-goldener Fahne auf dem Sozius zum Vereinssitz. Nach dem Phototermin vor dem stolz präsentierten Gebäude (dem ehemaligen Polizeipräsidium) müssen wir uns wieder mal sputen, um der großen Gruppe hinterher zu kommen. Keiner von uns weiß aus dem Einbahnstraßensystem der Innenstadt heraus. Wir fragen kurzerhand einen Trans-Alp-Fahrer, der die Fotoaktion interessiert beobachtete. Nachdem wir ihm versichern, dass wir mit polizeilichem Segen ein Stück entgegen der Einbahnstraße fahren dürfen und die noch anwesenden uniformierten Ordnungshüter zur Bestätigung nicken, tauscht er mit Thomas die Maschine. Ohne Helm, wie fast alle Motorradfahrer hier, geleitet er uns stolz auf der LC8 aus Kaunas hinaus bis auf die Autobahn in Richtung Riga.
Wir sind zügig an der Grenze nach Lettland. Obwohl sich ein Vertreter des lettischen Parlaments eingefunden hat, geht die Abfertigung nicht recht voran. Endlich können wir passieren und werden von Polizisten und einem lettischen Motorradclub empfangen. Geduldig haben sie seit einigen Stunden ausgeharrt. Sie geleiten uns samt Parlamentsvertreter nach Riga. Der Empfang beim Parlament fällt leider aus, man konnte nicht länger auf uns warten. So fahren wir direkt zum Hotel in die Innenstadt. Gemeinsam mit den lettischen Bikern, dem Mann vom Parlament und dem deutschen Botschafter sitzen wir noch lange in der Hotelbar.
Für Montag stehen nur 310 km im Roadbook. Daher ist der Start mit Polizei-Eskorte erst auf 9:00 angesetzt. Wenig später werden wir an einer Tankstelle aus dem Geleit entlassen. Die Grenze nach Estland ist schnell erreicht und passiert. Wieder begrüßen uns einheimische Motorradfahrer und begleiten einige unserer Gruppen. Hinter Pämu (Pemau) nehmen wir nicht die direkte Route über die N12 nach Norden, sondern folgen westlich dem Küstenverlauf. Wir schließen uns der Gruppe von Peter an, die gut aufeinander eingespielt zügig unterwegs ist. Bei einer ausgedehnten Brotzeit auf einem einsam gelegenen Reiterhof erhöht sich schlagartig der Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Das schöne Wetter, dass die Eurobiker seit zu Hause begleitete, hat sich verabschiedet. Unter diesen Umständen verzichten wir bei der Weiterfahrt auf Umwege und versuchen nun, in östlicher Richtung doch auf die N12 zu kommen. Sehr zur Freude der Endurofahrer müssen wir eine ungewöhnlich breite Naturstraße befahren. Etwa 12 km folgen wir der Piste, die Grobstolligen dürfen vorausfliegen. Da wir hier in einem ausgedehnten Moorgebiet mit Torfabbau sind, kommen uns hinter einer Biegung zwei ebenfalls zügig fahrende Großtraktoren entgegen. Jetzt ist schlagartig klar, warum die Straße diese Dimensionen hat: Wegen der an den Traktoren montierten übermannshohen Doppelbereifung brauchen wir jetzt den rechten Seitenstreifen. Auf der Fernstraße kommen wir im immer stärker werdenden Regen nur langsam nordwärts. An der Tankstelle hinter dem Ortseingang von Tallinn erfahren wir per Telefon, dass wir zu spät sind. Der Empfang beim estnischen Parlament und am Rathausplatz hat bereits begonnen. Auf der Suche nach dem Hotel irren wir durch den dichten Großstadtverkehr. Im Gewühl treffen wir auf einen Motorradfahrer. Silvio bittet um Hilfe und wir werden sauber zum Hotel geführt. Dort angekommen nehmen wir die Helme ab und bedanken uns. Er ist eine nette Sie und weiß auch von unserem Kommen. Ihre Freunde waren beim Begrüßungs-kommando an der Grenze. Sie konnte nicht mitfahren. Hat leider arbeiten müssen und war gerade auf dem Weg nach Hause. Jetzt ist sie froh, dass sie doch noch einige von den Eurobikern getroffen hat.
Später fahren wir mit einem Taxi-Bus zum Essen in die Altstadt. Gemeinsam mit Thomas, Thomas und Karsten lasse ich den Abend in einer gemütlichen Altstadtkneipe ausklingen. Dort kommen wir mit drei Motorradfahrern aus Österreich ins Gespräch. Sie reisten über die Ukraine nach Moskau, St. Petersburg und hierher nach Tallinn. Sie berichten von vier Grad mit Schneetreiben in Moskau und machen uns Mut mit langen Wartezeiten an der russischen Grenze. Als wir von unserem Zeitansatz von 1,5 Stunden für die ganze Gruppe berichten, brechen sie in schallendes Gelächter aus.
Der Dienstag erwartet uns mit 390 km im Roadbook und unverändert schlechtem Wetter. So schlecht, dass einige gar nicht aus dem Bett finden. Doch gegen Mittag sind alle am vereinbarten Treffpunkt in Narva vor der Grenze nach Russland. In Einzelgruppen führt uns ein Polizeiwagen zum Übergang. Die Esten haben die Ausreise schnell erledigt. Die netten Beamtinnen sind wegen der ungewöhnlichen Kundschaft ganz aus dem Häuschen, sind mehr mit Fotografieren als mit Kontrollieren beschäftigt. Russland empfängt uns nach dem Überqueren der Narva mit umständlicher Bürokratie. Am ersten Schlagbaum Papiere vorlegen. Die Daten von Fahrer und Maschine werden auf einen Laufzettel geschrieben und mitgegeben. Schranke hoch, weiter zum nächsten Schlagbaum. Papiere und Laufzettel vorlegen. Es wird kontrolliert, geschrieben und gestempelt. Noch mal weiter zum nächsten Häuschen, wieder alles vorlegen. Hier versucht eine Uniformierte die Daten mit einem Finger in die EDV zu hacken. Was prophezeiten die Kollegen aus Österreich am Abend zuvor? Wenn wieder einer fertig ist, steckt sie den Kopf durch das Fenster und ruft einem uniformierten Kollegen das deutsche Wort „Schlagbaum" zu. Schon geht es eine Etappe weiter. Johannes übernimmt gerne den Part mit „Schlagbaum" rufen, kriegt sogar den russischen Akzent einigermaßen hin. Bald merkt der so Beauftragte, dass gar nicht immer ernst ist mit dem Kommando und lässt das Ding einfach oben. Überhaupt gelingt es den Russen nicht, auf Dauer so bierernst zu schauen und Ordnung zu halten in unserem Ameisenhaufen. Wir sind durch die vielen Grenzen der letzten Tage sehr gelassen, haben alle gute Laune und freuen uns auf den Höhepunkt der Reise. Selbst der auffällig unauffällig gekleidete Zivilist im Hintergrund, der die Aufsicht über die Uniformierten zu haben scheint, lässt seine Leute irgendwann in Ruhe mit seinen per Kopfbewegung getätigten Kommandos. Als alle durch den vorletzten Schlagbaum sind, werden die Laufzettel eingesammelt und nochmal kontrolliert. Endlich öffnet sich die letzte Schranke. Mit Polizeibegleitung fahren wir los.
Nur ein kleines Stück weiter stellen wir die Motorräder auf einem Platz ab. Hier werden wir von Frauen und jungen Mädchen in traditionellen Kleidern empfangen. Jeder Teilnehmer erhält Brot und Salz als Willkommensgruß. Nach kurzer Fahrt stoppen wir erneut: Fototermin mit einem C1 Roller von BMW Russia, der sich für die Weiterfahrt einreiht. In geschlossener Kolonne spulen wir die Kilometer bis St. Petersburg. Vor dem Gebäude der Bezirksverwaltung begrüßen uns Boris Kiselev, der Präsident der 300-Jahrfeier der Stadt St. Petersburg, Ulrich Schöning, Deutscher Generalkonsul und eine ganze Schar Kinder. Zur Auflockerung der Reden bieten uns die Kinder eine Tanzaufführung zu Musik aus einem Radiorecorder. Wir fahren noch ein kurzes Stück weiter durch die weiträumigen Parkanlagen des Katharinenpalastes nach Pawlowsk.
Unser Eintreffen beim staatlichen Kinderheim Nr. 4 für behinderte Kinder wird sehnsüchtig erwartet. Alle Kinder, die die Gebäude verlassen können, sind auf Beinen oder Rädern und bestaunen die weitgereisten Gäste. Die vorsichtige Zurückhaltung weicht ehrlicher Freude, als wir die mitgebrachten kleinen Geschenke verteilen. Auch hier gibt es einen feierlichen Empfang durch die Heimleitung und durch Margarete von der Borch, Vorsitzende des deutsch-russischen Vereins Perspektiven e.V.. In Gegenwart des deutschen Generalkonsuls übergibt Andreas Kimmel einen symbolischen Spenden-Scheck an die Vertreter des Vereins und an die Heimleitung. Insgesamt wurden an Geld- und Sachspenden rund 45.000 Euro gesammelt. Der Verein Perspektiven e.V. setzt sich seit Jahren dafür ein, aktiv mit den behinderten Kindern zu arbeiten, anstatt sie nur wegzuschließen. Die Kinder bedanken sich mit einer bunten Aufführung und einem gemeinsamen kleinen Imbiss. Draußen sind einige Solo-Biker und Eliane mit ihrem Boxer-Gespann dabei, Kinder die Straße rauf und runter zu fahren. Die Polizei hat sogar den Verkehr abgesperrt. Wer jemals an einer Jumbo-Fahrt teilgenommen hat weiß, wie schön das Erlebnis für die Kleinen und auch für die Größeren ist! Hier ist sicherlich für viele von uns der Höhepunkt dieser Tour. Der Abschied fällt schwer, aber unser Terminplan geht weiter.
In großer Gruppe fahren wir durch dichten Verkehr nach St. Petersburg. Am Platz des Sieges erfolgt eine Kranzniederlegung zum Andenken an die Opfer des zweiten Weltkrieges und als Zeichen der Versöhnung. Anschließend erwartet uns ein Empfang in der BMW-Niederlassung. Uns begrüßt der Chef von BMW-Russia, Sparte Motorrad. Er lädt uns ein zu einem Büffet in den Verkaufs- und Ausstellungsräumen. Begleitet von Live-Musik, versorgt mit leckeren Köstlichkeiten und Getränken schweifen wir durch die Ausstellung von alten und neuen Maschinen.
Der Weg zum Hotel führt uns durch die beeindruckende Innenstadt. Das Hotel Pribaltiskaja liegt etwas außerhalb mit Blick auf den Finnischen Meerbusen auf einer von zwei Armen der Neva gebildeten Insel. Nach Einchecken und Frischmachen fahren wir noch mal los. Um 0:30 werden die Neva-Brücken samt Straßenbahnschienen und Oberleitungen hochgezogen, die wartenden großen Schiffe haben freie Fahrt zum Meer. Die Insel kann während dieser Zeit nicht über Straßen verlassen werden. Als wir zurück sind, gehen wir noch zu den anderen in die Hotelbar. Da es nicht richtig dunkel wird, gerät das Zeitgefühl völlig aus den Fugen. Die Sonne scheint kräftig als wir endlich ins Bett kommen.
Am Mittwoch haben die Zwei- und Dreiräder Pause. Vor dem Hotel warten drei Reisebusse. Stadtrundfahrt, Besuch des Katharinenpalastes und um 16:00 ein Empfang im Marmorpalast erwarten uns. Die Reiseleiterin unseres Busses hat Zweifel, dass wir die Zeit zum Empfang überhaupt einhalten können. Sie geht von einer üblicherweise mehrstündigen Wartezeit vor der Besichtigung des Bernsteinzimmers aus. Dabei hat sie die Rechnung ohne unsere Organisation gemacht. Andreas, der Vorsitzende der Eurobiker, ist beruflich für die Ruhrgas AG tätig, ebenso eine 14-köpfige Gruppe aus unseren Reihen. „Grruppa Ruargaaz" ist fortan das Zauberwort für uns. Es öffnen sich Seitentüren, das Warten hält sich in Grenzen. Das mit Spenden, u.a. von der Ruhrgas AG, wiederhergerichtete Bernsteinzimmer ist nur einer von vielen großartigen Räumen im Katharinenpalast. Da hier im zweiten Weltkrieg heftige Kämpfe tobten wurde vieles zerstört oder in der Zeit der deutschen Besatzung gestohlen. In jedem Raum gibt es eine Tafel mit Bildern des Zimmers vor und unmittelbar nach dem Krieg. Das Neuerschaffen des Bernsteinzimmers ist ein wichtiges Symbol für die Völkerverständigung zwischen Russland und Deutschland, auch wenn die Kosten dafür horrend waren und im krassen Missverhältnis zur wirtschaftlichen Not vieler Menschen in Russland stehen.
Pünktlich kurz vor 16:00 stehen die Busse nach komplettem Sightseeing-Programm vor dem Marmorpalast. Gemeinsam mit festlich gekleideten Herrschaften, Mitgliedern des Berliner Salons, werden wir in den Hof eingelassen. Mit der lockeren Freizeitkleidung kommt sich so mancher etwas „underdressed" vor. Trotzdem sind wir herzlich willkommen und werden von historisch bekleideten Bediensteten mit Sekt empfangen. Der Berliner Salon fördert beispielsweise junge Künstler der klassischen Musik aus Russland und Deutschland. Die anwesenden Mitglieder kamen im Rahmen einer Kreuzfahrt mit der A'ROSA BLU nach St. Petersburg. Wir nehmen gemeinsam Teil an einem Empfang durch W.A. Jakowlew, Gouverneur von St. Petersburg, mit einem Konzert der Preisträger und Verleihung der Förderpreise des Berliner Salon für die „Stars von morgen". Die Eurobiker werden geehrt für die völkerverbindende Fahrt hierher und für das Engagement für das Kinderheim.
Nach so viel Kultur werfen wir zu später Stunde doch noch die Motoren an und genießen eine weitere der „Weißen Nächte" als einmaliges Naturschauspiel. Abendsonne und Morgenröte gehen ineinander über und tauchen die Stadt an der Nena in ein betörendes Licht. Die späte Abendsonne hilft beim Fotografieren einiger Sehenswürdigkeiten, die wir schon tagsüber mit dem Bus besuchten. Die Morgensonne begleitet uns nach viel zu kurzer „Nacht" beim frühen Start am Donnerstag.
4:00 Start steht im Programmheft, das heißt nach MEZ 2:00. Da die Sonne hoch oben steht und die ersten Neva-Brücken bereits wieder für den Straßenverkehr heruntergelassen sind, kommen alle pünktlich los. Zügig begleitet uns die Polizei stadtauswärts. Müdigkeit kommt gar nicht erst auf- es ist viel zu frisch dafür. Je weiter wir nordwestlich Richtung Helsinki kommen, desto frischer wird es. Die Temperaturen sind deutlich im einstelligen Bereich, alles an Klamotten kommt zum Einsatz. Das Programmheft warnt vor Radarfallen. Tatsächlich sehe ich zweimal Polizeistreifen mit Radarpistolen, trotz der frühen Stunde. Die Beamten messen offensichtlich das Tempo, senken beim Näherkommen jedoch die Messgeräte, erwidern den Gruß den Eurobiker und schauen staunend den recht zügig fahrenden Gruppen hinterher. 380 km nach Helsinki sind schließlich bis 12:00 zu schaffen. Nach unerwartet zügiger Ausreise begrüßt uns nach der finnischen Grenze das EU-Schild. Über gut ausgebaute Autobahn geht es voran. Jetzt wird es immer wärmer. Einige haben doch mit gewaltiger Müdigkeit zu kämpfen. Ohne Ausfall erreichen wir den verabredeten Treffpunkt und fahren mit Polizeibegleitung zum Hafen von Helsinki. Der 2. Oberbürgermeister Herr Björklund begrüßt uns. Im Anschluss sind wir Gast im finnischen Parlament. Der Vizepräsident des Parlaments, Herr Kanerva, geleitet uns auf seinem Motorrad zurück in den Hafen. Dichter, fast nur stehender Verkehr und wenig freundliche Autofahrer stimmen uns ein auf zu Hause ...
St. Petersburger Schattenseiten.
Abgesehen vom Besuch im Kinderheim Nr. 4 haben die Eurobiker fast nur den auf Hochglanz polierten schönen und reichen Teil der Stadt gesehen. Das Venedig des Nordens hat aber auch seine dunklen Seiten: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 Prozent, der Durchschnitts-verdienst bei 100 Euro. Viele Familien sind zerbrochen, die Flucht endet in Alkohol und Drogen. Schätzungen sprechen von bis zu 30.000 Straßenkindern.
Bericht Wolfgang Schmitz
(Claudia Tubes)
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| Letzter Newsletter zur 8. Eurotour |
16. Mai 2010 Newsletter zur 8. Eurobiker-Tour 2010 von Hermann Munzel []
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| Hier einige Bilder der Kosovo Tour 2010 |
Die meisten Bilder sind von Franz, auch an dieser Stelle noch einmal Vielen Dank dafür! www.fotoholzapfel.de []
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| Eurobiker sind zu einem Spendentransport nach Kroatien gestartet. |
12. Oktober 2009 Eurobiker starten zu einem Spendentransport in die kroatisch-bosnische Grenzregion []
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| Bikertreffen am 08. Mai 2010 in Wienhausen |
Unser Eurobiker Freund Helfried Pohndorf organisiert eine große Bikerfete bei sich in Wienhausen. Das sollte sich kein (Euro-) Biker entgehen lassen!!! Weitere Info´s auch unter www.flotwedel.de []
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