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Textfabrik

»Habt ihr eine tolle Location hier!« – Schriftsteller Klaus D.Bornemann, der in seinen Zeiten als Modefotograf in den Metropolen der Welt zu Hause war, zeigte sich von der Lage der Weberei sichtlich beeindruckt. Wetterbedingt konnte die Textfabrik ihre Mikrofone unter grünen Bäumen vor idyllischen Dalke-Auen aufbauen. Schließlich hatte der wohl einzige »klangwebende« Förster Nordrheinwestfalens, Bernhard Wohlfahrt aus Rheda-Wiedenbrück, sämtliche Möglichkeiten seines neuen red-line-Studios genutzt, um die Zuhörer soundtechnisch in die Weiten des Universums zu katapultieren. Dieser klangliche Raumflug trotzte dem schönsten Sonnenschein und dem sattesten Grün, denn Gegensätze ziehen sich bekanntermaßen ja an.

So waren auch die Gäste der Textfabrik in höchst unterschiedlichen Genres angesiedelt: Autorin und Verlegerin Karin Schweitzer vom Schweitzerhaus Verlag, die unter anderem Märchen (»Amora«, »Feenland«) im Gepäck hatte, musste sich erst durch einen Ruhr2010-Stau kämpfen, bevor sie mit Franziska Röchter über die schwierige Selbstbehauptung auf dem mainstreamorientierten Buchmarkt sprechen konnte, der von Produktionszwängen, Effizienz und Kostenminimierung unter optimaler Ausnutzung der Ladenfläche bestimmt wird. Der individuell zugeschnittene Prozess des eigentlichen Verlegens sei einem Konglomerat aus Managern, Marktbeobachtern und Marketingexperten sowie einer programmlichen Beliebigkeit gewichen. Genau diesem ursprünglichen Berufsbild des Verlegers versuche man sich als Kleinverleger durch das Besetzen von Nischenpositionen wieder anzunähern, oftmals unter vielen persönlichen Einschränkungen, aus einer übergroßen Liebe und Leidenschaft zu Büchern heraus. Der Gewinn, das Materielle sollten bei der Schriftstellerei nicht an erster Stelle stehen, meinte auch Klaus D. Bornemann, der seinerzeit gegen verschiedene private Widerstände seinen lukrativen Job als Fotograf an den Nagel hängte, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

Dieter Bohn gab zusammen mit Franziska Röchter einen Ausschnitt seiner zur Leipziger Buchmesse erschienenen Hörbuch-CD »Navivirus« (Wunderwaldverlag) zum Besten, auf der Franziska Röchter und auch Bernd Wohlfahrt als Sprecher fungieren. Desweiteren hatte Dieter Bohn seine souverän vorgetragenen Geschichten aus der Romantruhe »Letzte Mahnung!« dabei und seine preisgekrönte Story vom Buch des Lebens (»Sefer Chajim«, 2. Platz William-Voltz-Award).

Tobi Siebert (17) aus Harsewinkel ging der Frage nach, warum sich so wenig Leute trauen, in die Fantasiewelt abzutauchen und stattdessen lieber die vorgekaute Konsolenwelt nutzen, während Klaus D. Bornemann den Fantasy-Begriff dehnte (»Ist nicht alles ›Fiktive‹ und ›Erdachte‹ letztendlich Fantasy?«). Er nahm in Ausschnitten aus seinem erfolgreichen Buch »Trügerische Wahrheiten« die Auswirkungen gesellschaftlicher Schwankungsbreite auf das individuelle Selbstverständnis unter die Lupe.

Pointierte Gedichte aus Röchters »Trete ein in Wundergärten« (2009, Verlag P&B) (»schärft auch den zehnten sinn / und gebt den zukunftspin / in eure wlan-hirne ein …«) rundeten die bunte Mischung aus fantastischen Texten, surreal-futuristischen Klängen und Interviews ab.

Fazit: ein gelungenes Format für all diejenigen, die sich mehr als nur oberflächlich bespaßen lassen wollen. Am 15. August wird es ein besonderes Highlight geben: unterschiedlichste Dichter und Poeten aus ganz Deutschland werden sich zusammenfinden, um ein »Best-Of«-Poesiefest zu veranstalten. Eine Fortsetzung der Reihe im Herbst mit äußerst interessanten Künstlern ist bereits in Planung.

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