Gemeinsam gegen #Brustkrebs

Vor 15 Jahren haben das #Klinikum #Gütersloh und das #Sankt-#Elisabeth-#Hospital das »#Kooperative #Brustzentrum« ins Leben gerufen. Deutschlandweit erhalten rund 70.000 Frauen jährlich die Diagnose Brustkrebs. Damit ist das #Mammakarzinom die häufigste Krebserkrankung bei #Frauen. Das »Kooperative Brustzentrum« hat es sich zum Ziel gesetzt, die Patientinnen von der Erstdiagnose bis zur Nachbehandlung zu betreuen. Hier arbeiten die Krankenhäuser eng mit niedergelassenen Fachärzten sowie mit dem Interdisziplinären Brustzentrum Gütersloh zusammen. Dr. Wencke Ruhwedel, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Klinikum Gütersloh, und Dr. Johannes Middelanis, Chefarzt der Klinik für #Gynäkologie und #Geburtshilfe im Sankt-Elisabeth-Hospital, leiten das »Kooperative Brustzentrum« gemeinsam. Im Interview erklären die beiden, warum eine ganzheitliche Behandlung so wichtig ist.

Frau Dr. Ruhwedel, warum ist es von hoher Bedeutung, dass Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte bei der Therapie eng zusammenarbeiten?

Die erfolgreiche individuelle Behandlung von Brustkrebs erfordert einen interdisziplinären Ansatz. Dabei arbeiten die Kliniken für Brustkrebs Hand in Hand mit niedergelassenen Gynäkologen, Onkologen, Radiologen, Pathologen, Strahlentherapeuten, Humangenetikern und Psychoonkologen an einem Zentrum zusammen. Der Heilungsprozess, der je nach Art der Behandlung und der Vorerkrankungen bei jeder betroffenen Frau anders verläuft, muss nach dem Klinikaufenthalt überwacht und kontrolliert werden. Diese Tumornachsorge findet im ambulanten Bereich beim niedergelassenen Gynäkologen statt. Um Rückfälle rechtzeitig zu erkennen, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen für Frauen mit Brustkrebs besonders wichtig.

Herr Dr. Middelanis, bei den Tumorkonferenzen im Brustzentrum besprechen Spezialisten aus unterschiedlichen Fachdisziplinen gemeinsam Behandlungsfälle. Warum ist das ein Erfolgsfaktor?

Jede Patientin wird durch ein interdisziplinäres Team betreut und in unterschiedlichen Phasen der Brustkrebserkrankung von Therapeuten verschiedener Fachrichtungen behandelt. Das Zentrum zeichnet sich durch die kurzen Wege aus. Alle Fachkräfte kommen demnach an einen Tisch und betrachten die Befunde jeder Patientin gemeinsam, aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Man kann sagen, dass während der Tumorkonferenz das geballte Fachwissen vorhanden ist, um für jede Patientin die individuell beste Behandlung abzustimmen. Dies geschieht auf der Grundlage der gültigen nationalen S3-Leitlinie zur Behandlung von Brustkrebs. Das ist unser Erfolgsgeheimnis und der Grund, warum sich Brustkrebspatientinnen einem spezialisierten Zentrum anvertrauen sollten.

Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, wie gut sind die Heilungschancen heute und was hat sich in den 15 Jahren seit Gründung des Kooperativen Brustzentrums verändert, Frau Dr. Ruhwedel?

Mit rund 68.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Brustkrebs die mit Abstand häufigste Krebserkrankung der Frau. Noch in den 1970er-Jahren war die #Mastektomie, also die Brustamputation, meist die einzige Therapieform, um Brustkrebs zu behandeln. Die Chancen auf Heilung lagen bei rund 50 Prozent. Heute dagegen leben auch zehn Jahre nach der Diagnose Brustkrebs noch über 82 Prozent der Patientinnen. Die Zahl der Sterbefälle sinkt kontinuierlich, obwohl mehr Frauen an Brustkrebs erkranken. Zudem können inzwischen etwa 80 Prozent der Frauen brusterhaltend behandelt werden. In den letzten 15 Jahren gab es entscheidende Veränderungen in der Vorsorge und der Therapie von Brustkrebs: Zur Früherkennung von Brustkrebs wurde das Mammographie-Screening landesweit eingeführt und die Therapieformen weiterentwickelt. Die Therapie ist heute individueller denn je. Jeder Fall wird heute in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen und die anschließende Therapie festgelegt. Denn welche Therapie die richtige ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab.

Herr Dr. Middelanis, im Bereich der Früherkennung werden neben der Mammographie auch Bluttests diskutiert. Können sie die Mammographie in naher Zukunft ersetzen oder sind sie eher eine Ergänzung?

Es gab vielversprechende Studien auf dem Gebiet der so genannten »Liquid Biopsy«. Die bislang vorgestellten Bluttests zur Früherkennung, bei dem spezielle Biomarker im Blut einen Hinweis auf eine Brustkrebserkrankung liefern sollten, sind vielversprechend aber offensichtlich noch fehleranfällig. Sicherlich wäre es wünschenswert, wenn Frauen ohne eine belastende Röntgenstrahlung diagnostiziert werden könnten. Die Forschung ist aktuell noch nicht soweit. Die Mammographie ist nach wie vor das sicherste Verfahren, um Veränderungen des Brustgewebes festzustellen, gegebenenfalls gefolgt von einem Brustultraschall.

Für viele Patientinnen ist die Brustkrebsdiagnose trotz hoher Behandlungserfolge ein Schock, wie wichtig ist die psychologische Betreuung der Patientinnen, Frau Dr. Ruhwedel?

Neben der körperlichen Heilung ist die seelische Gesundung für eine hohe Lebensqualität nach der Diagnose Brustkrebs von entscheidender Bedeutung. Jeder Brustkrebspatientin steht eine psychoonkologische Betreuung zu. Psychoonkologen können in jeder Phase der Krebserkrankung zu Rate gezogen werden, denn jede Phase der Krankheit birgt unterschiedliche Sorgen und Ängste für das seelische Empfinden. Nach der Diagnose, während der Therapie und auch beim Wiedereinstieg in den Alltag.

Was wünschen Sie sich für die kommenden zehn Jahre und die Zukunft des Kooperativen Brustzentrums, Herr Dr. Middelanis?

In den vergangenen 15 Jahren hat sich auf dem Gebiet der Brustkrebstherapie viel zum Vorteil für die betroffenen Frauen geändert. Ich wünsche mir, dass wir auch weiterhin hier in Gütersloh mit unseren Kooperationspartnern an allen Stellen eine Brustkrebstherapie und -diagnostik auf höchstem Niveau anbieten, damit wir wie in den vergangenen Jahren zu den besten Brustkrebszentren in #NRW gehören.