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Flauschig weich – und kratzt bestimmt nicht


Ergänzung in der Demenz-Therapie: Pflege-WGs der Diakonie Gütersloh setzen Roboter-Katze »Justocat« ein …

Artikel vom 6. 2. 2018
Flauschig weich – und kratzt bestimmt nicht
In der Diakonie-WG in Verl setzt Pflegefachkraft Martin Schubert die Justocat im Umgang mit Demenzpatienten ein. Die Roboterkatze soll neue Wege in der Kommunikation zwischen Mitarbeitenden und demenziell erkranken Bewohnern ermöglichen, Foto: Diakonie
Das Fell der schnurrenden, schwarzen Katze ist flauschig-weich, die blauen Augen groß. Wird sie lange genug gestreichelt, miaut sie laut und vernehmlich. Und doch handelt es sich bei ihr nicht um ein echtes Tier, sondern um einen Roboter. Seit Neuestem wird »Justocat« bei der Diakonie Gütersloh in der Arbeit mit Demenzpatienten eingesetzt. Das erste Fazit: »Die ›Katze‹ kommt an«, findet Heike Schulze, Bereichsleitung ambulant betreute Wohngemeinschaften bei der Diakonie.

Nach einer ersten Testphase im Herbst vergangenen Jahres hatte die Diakonie im Dezember zehn dieser Tiere angeschafft – eines für jede Pflege-Wohngemeinschaft. Möglich gemacht hatte das ein Zuschuss aus den Kollektenmitteln »Altenhilfe« der Evangelischen Kirche im Rheinland sowie der Evangelischen Kirche von Westfalen. Optisch erinnern die Katzen an ein gewöhnliches Stofftier. »Aber das sind sie natürlich nicht«, erklärt Heike Schulze. »Sie dienen als Brückenbauer in der Kommunikation mit Menschen, die an fortgeschrittener Demenz erkrankt sind. Sie ermöglichen eine sensorische Stimulation und zudem das biografische Arbeiten.«

Das biografische Arbeiten gilt als wichtiger Baustein im Umgang mit Demenzpatienten. Deren Sprach- und Denkvermögen nehmen im Laufe der Krankheit immer weiter ab, Verhaltensänderungen und Orientierungslosigkeit hingegen zu. »Die Erinnerung an lang zurückliegende Ereignisse aus Kindheit und Jugend bleibt meist aber erhalten«, sagt Schulze. Die Folge: Es droht der Rückzug in sich selbst, in die eigene Vergangenheit. Deswegen kann es manchmal schwer sein, mit einem demenzkranken Menschen zu kommunizieren und ihn tatsächlich zu erreichen. Das biografische Arbeiten schafft hier einen wichtigen Zugang. Bilder von früher, Lieder aus der Jugend und natürlich auch Gespräche wecken die Erinnerung des Menschen und schaffen Vertrautheit. »Und sollte das Sprachvermögen schon zu sehr abgenommen haben, hilft es auch, wenn sie bestimmte Dinge berühren, erfühlen und anfassen können – also eben sensorische Reize wahrnehmen«, so Schulze. »Die Roboterkatze vereint beide Ansätze.«

Das weiche Fell der Katze zu streicheln, zu spüren, wie der Körper beim Schnurren vibriert oder sogar die nachgeahmten Atembewegungen zu fühlen: All das fühle sich gut an und steigere das Wohlbefinden, betont Schulze. »Und vor allem aktivieren die Roboter das Gedächtnis. Katzen sind eines der beliebtesten Haustiere in Deutschland und gerade früher gehörten sie als Mäusefänger fest zum Alltag. Wenn ein demenzkranker Mensch ein solches Tier auf dem Arm hält, kann das Erinnerungen an seine Kindheit oder Jugend wecken.« Das wiederum schaffe einen neuen Zugang zum Demenzpatienten. »Hatte er als Kind zum Beispiel selbst eine Katze? Wie hieß sie? Wie war sie?«, zählt Schulze auf. »Da liefert die Interaktion mit dem künstlichen Tier den Pflegekräften und Angehörigen viele mögliche Ansätze, um den Demenzpatienten aus seinem Schneckenhaus zu holen.« Deswegen gehe es auch nicht darum, die Katzen als Ersatz für eine echte Pflegekraft einzusetzen oder die pflegebedürftigen Menschen mit dem Roboter allein zu lassen, damit sie sich selbst beschäftigen. »Die Katze ist vielmehr das Werkzeug, das neue Möglichkeiten der Kommunikation zwischen den Patienten einerseits sowie der Pflege- und Betreuungskraft andererseits erlaubt.« Dass die Justocat unverkennbar keine echte Katze ist, sei durchaus so gewollt: »Wir wollen den Demenzpatienten ja keine falsche Tatsachen vorgaukeln, um das Vertrauensverlust zwischen Bewohner und Pflegekraft nicht zu gefährden.« 

In den Pflege-Wohngemeinschaften kommen die Tiere überwiegend positiv an. »Unruhige Bewohner kommen zur Ruhe, setzen sich mit der Katze in einen Sessel, um sie zu streicheln. Andere erzählen mehr von sich oder fahren das Tier im Rollator spazieren – bewegen sich also mehr. Und generell regt es auch die Kommunikation der Bewohner untereinander an«, berichtet Schulze. »Aber natürlich gibt es auch Demenzpatienten, die sich davon gar nicht angesprochen fühlen. Manchen fehlt der Bezug zu Katzen, andere wollen sich nicht mit einem augenscheinlichen Kuscheltier befassen. Aber grundsätzlich ist das eine tolle therapeutische Ergänzung.«

Ganz neu ist der Einsatz solcher Hilfsmittel nicht. Therapiepuppen sind seit Langem Standard im Umgang mit Demenzkranken, und in der Öffentlichkeit hatte vor allem ein weiterer Pflegeroboter für Aufmerksamkeit gesorgt: die Pflegerobbe Paro, die in Asien entwickelt worden ist. »Allerdings haben wir hier in Deutschland ja kaum Bezug zu Robben. Das ist bei Katzen anders«, so Schulze. »Insofern ermöglichen die in Schweden entwickelten Justocats ein ganz anderes biografisches Arbeiten.«

www.diakonie-guetersloh.de

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