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Erfolgreiche Replantation nach Kreissägen-Unfall



Handchirurg des Klinikum Gütersloh rettet vier Finger …

Artikel vom 5. 12. 2017
Oberarzt Michael Stoffels kontrolliert die Fortschritte, die Alexander Ebert dank Reha-Maßnahmen macht
Gütersloh (kgp). Mehrere Hundert Operationen an der Hand werden im Klinikum Gütersloh jährlich durchgeführt – doch diese eine wird den erfahrenden Chirurgen der Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie sicher noch lange in Erinnerung bleiben: Bei einem Arbeitsunfall hatte sich Alexander Ebert vier Finger der rechten Hand abgetrennt. In einer rund 13-stündigen Not-Operation konnte Oberarzt Michael Stoffels dem 41-jährigen alle Finger erfolgreich wieder replantieren – eine Operation, die in dieser Größenordnung sehr selten ist.

Der Unfall passierte bei seiner Arbeit in der Verpackungsabteilung eines Paderborner Baustoff-Herstellers: »Ich war gerade dabei, mit einer Tischkreissäge eine Hartfaserplatte abzusägen, als ich reflexartig nach links schaute, weil etwas meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Dabei habe ich auch meine Hand nach links in die Kreissäge hinein gezogen«, schildert Alexander Ebert die Situation. Drei Finger wurden komplett abgetrennt, der kleine Finger hing nur noch an einem Hautlappen an der Hand fest. »Mein Zeigefinger sah aus wie explodiert, überall war Blut. Es war der absolute Horror.« Dennoch verspürte er keinen Schmerz: »Es hat sich eher angefühlt wie ein Schlag auf die Hand«, so Ebert.

Seine Kollegen vor Ort reagierten vorbildlich: Die Hand wurde mit einer sterilen Binde verbunden, die abgetrennten Finger wurden in einen wasserdichten Beutel gelegt und gekühlt. »Ich hatte ein wenig Glück im Unglück: Erst zwei Tage zuvor haben wir im Betrieb eine Auffrischung in der Ersten Hilfe erhalten. Die Kollegen wussten also genau, was zu tun war.« Dass dieses Verhalten genau richtig war, bestätigt auch Handchirurg Michael Stoffels: »Es ist sehr wichtig, dass abgetrennte Körperteile kühl und trocken gelagert werden. Auf keinen Fall sollte man den Finger direkt in Eis oder in Wasser legen, da dies das Gewebe zerstört und eine erfolgreiche Operation unmöglich macht. Am besten legt man den in Kompressen eingewickelten Finger in eine Tüte, die man gut verschlossen in eine zweite Tüte mit Wasser und ein paar Eiswürfeln legt. Auf dem Rettungswagen gibt es in der Regel auch fertige doppelwandige Replantatbeutel.«

Die Klinik für Plastische, Ästhetische und Handchirurgie ist vom Landesverband der Berufsgenossenschaften zum so genannten »Schwerstverletzungsartenverfahren in der Handchirurgie« zugelassen und unterhält für die Versorgung frischer handchirurgischer Notfälle einen eigenständigen Bereitschaftsdienst. Da die Autobahn aufgrund eines verunglückten Schwertransports gesperrt war, wurde für Alexander Ebert ein Rettungshubschrauber angefordert. »Das war für mich nochmal zusätzlicher Stress – ich habe nämlich Flugangst«, so Ebert. »Ein Anästhesist hat mich deshalb noch vor dem Abflug sediert. Ich bin erst nach der Operation viele Stunden später wieder aufgewacht.«

In der Zwischenzeit hatten Michael Stoffels und sein Team die vier abgetrennten Finger in einer aufwändigen Operation wieder replantiert. Schritt für Schritt wurden die Knochen verdrahtet und die Sehnen vernäht. Für die Rekonstruktion der Gefäße und der Nerven wurden unter dem Operationsmikroskop Fäden verwendet, die dünner sind als Haare. »Ich dachte zunächst, dass wir den Kleinfinger nicht retten könnten, aber auch das hat dann glücklicherweise funktioniert. Eine Replantation ist immer knifflig, aber gleich vier Finger sind eine besondere Herausforderung.«

Trotz der erfolgreich verlaufenden OP wird Ebert mit Funktionseinschränkungen leben müssen: »Er wird die Hand nicht mehr ganz zur Faust schließen können, da die zerstörten Mittelgelenke nicht rekonstruierbar waren. Mit viel Ergotherapie und Krankengymnastik wird er seine Hand aber trotzdem im Alltag wieder gut nutzen können.« Das bestätigt auch Alexander Ebert, der inzwischen mehrere Reha-Maßnahmen abgeschlossen hat: »Bei feinmotorischen Tätigkeiten wie beispielsweise beim Zuknöpfen von Jacken habe ich Schwierigkeiten. Außerdem kann ich kleine Dinge nicht in der Hand halten, größere sind dagegen kein Problem. Auch schreiben kann ich mit der rechten Hand. Ansonsten versuche ich mich langsam daran zu gewöhnen, die linke Hand als Führungshand zu nutzen.«

Während der gesamten Behandlungszeit standen ihm seine Familie, aber auch die Kollegen aus Paderborn immer zur Seite: »Besonders gefreut hat mich, dass unser Seniorchef Dr. Klaus Hölscher zu Besuch ins Klinikum kam und mir einen Brief mit Genesungswünschen aller Mitarbeiter mitgebracht hat. Es hat mir viel Halt gegeben zu wissen, dass mein Arbeitgeber hinter mir steht«, so Ebert.

Noch ist die Behandlung nicht abgeschlossen: »Ich muss weiterhin trainieren, damit die Finger Stück für Stück wieder lernen, sich zu bewegen. Leider wird mein kleiner Finger taub bleiben, hier war zu viel zerstört. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis und sehr dankbar dafür, dass meine Finger gerettet werden konnten.«

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