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Valmieras Wirtschaftswachstum stößt an Grenzen


Mehr Arbeitsplätze als Einwohner …

Artikel vom 13. 9. 2017
Valmieras Wirtschaftswachstum stößt an Grenzen
Besuch von Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der pro Wirtschft GT, im vergangenen Jahr in Beverina. Das Besondere an Valmieras neuem Industriegebiet – im Hintergrund auf der Powerpoint zu sehen: Es liegt im Wesentlichen in der benachbarten Großgemeinde Beverina, Foto: Archivfoto Kreis Gütersloh 2016
Doloresa Volkopa, Personalreferentin des Glasfaserwerks in Valmiera, hat ein Problem: Sie findet nicht mehr genügend Arbeitskräfte. Die Stadt Valmiera, wirtschaftliches Zentrum der gleichnamigen Region, zieht schon jetzt aus einem weiten Umfeld Arbeitskräfte an: Auf 1.000 Einwohner der Stadt kommen mehr als 1.000 Arbeitsplätze, die Arbeitslosenqoute beträgt 4,2 Prozent. Bürgermeister Janis Baiks habe ihr gegenüber mal gesagt, er kenne jeden Einzelnen ohne Job in der Stadt. Womit er wohl ausdrücken wollte, dass die meisten von ihnen keine potenziellen Fachkräfte mehr darstellen.

Die gewaltige Anziehungskraft Valmieras hat zu einem steigenden Preisniveau auf dem Immobilienmarkt geführt, das Angebot ist nicht ausreichend. Die Stadt will jetzt gegensteuern und für die Schaffung von 700 neuen Wohnungen bis zum Jahr 2020 sorgen, 150 sollen bereits Ende dieses Jahres bezugsfertig sein. Während zahlreiche ländlichen Großgemeinden Einwohner verlieren, wächst Valmiera: Offiziell leben knapp 25.000 in der Stadt, inoffiziellen Angaben zufolge sollen es 30.000 sein. Da auch in Lettland viele staatliche Zuschüsse von der Höhe der Einwohner abhängen, will man die Zugezogenen animieren, sich auch in der zweitgrößten Stadt des Landes anzumelden.

Die Besonderheit des neuen Industriegebiets von Valmiera: Es liegt in der Nachbargemeinde Beverina. Das Industriegebiet wird nach deutschen Maßstäben interkommunal und schließt sich räumlich direkt an den Bereich an, in dem das Glasfaserwerk Valmieras liegt. Wie auch Koceni und Burtnieki, zwei weitere angrenzende Großgemeinden, liegt Beverina im Speckgürtel Valmieras, 64 Prozent der arbeitenden Bevölkerung Beverinas arbeitet in Valmiera. Wer in Valmiera ein Haus bauen will, verwirklicht das in jüngerer Zeit häufig jenseits der Stadtgrenze in den drei Nachbargemeinden. Mit 19,35 Quadratkilometern ist die ehemalige Kreisstadt Valmiera relativ klein – wenig Platz für neue Industriegebiete oder Wohngebiete. Zum Vergleich: Halle/Westfalen mit seinen rund 22.000 Einwohnern ist knapp 70 Quadratkilometer groß.

Personalreferentin Volkopa bestätigt die Situation auf dem Wohnungsmarkt. Ihre Kreise, innerhalb derer sie nach Fachkräften sucht, zieht sie immer weiter. Vor kurzem warb sie in einer rund 100 Kilometer entfernten Ortschaft für Valmiera Glasfaser, nachdem dort eine Näherei zugemacht hatte. Fürs pendeln ist die Strecke zu weit, zum Wohnen war den Arbeiterinnen Valmiera aber zu teuer, berichtet Volkopa.

Die positive wirtschaftliche Entwicklung Valmieras zieht Menschen aus dem Umland an, ob Pendler oder ganze Familien. Seit der Wirtschaftskrise 2008/2009 in Lettland haben viele Letten ihr Glück woanders gesucht, sei es gleich im Ausland, in der Hauptstadt Riga – dort lebt die Hälfte der zwei Millionen Letten – oder mitunter eben in Valmiera. Die Kehrseite der Entwicklung findet man in den Großgemeinden im Norden der Region Valmiera, etwa in Naukseni (2300 Einwohner). In der Schule der Großgemeinde werden Kinder von der 1. bis zur 12. Klasse beschult. In den Fluren hängen die Fotos der Absolventen jahrgangsweise an den Wänden. Alle Rahmen sind gleich groß, in den vergangenen Jahren ist man dort dazu übergegangen, die Fotos etwas größer zu drucken, damit die Rahmen nicht so leer aussehen. 2006 und 2007 machten noch 33 beziehungsweise 39 junge Menschen hier ihre Hochschulreife. 2016 und 2017 waren es nur noch jeweils acht.

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