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Wo es in der Versorgung hakt


Tag gegen den Schlaganfall: Netzwerk informiert über Angebote – Kritik an Versorgungslücken …

Artikel vom 14. 5. 2017
Wo es in der Versorgung hakt
Bessere Versorgungsstrukturen, ein Plus bei den Leistungen der Krankenkassen und mehr Unterstützung für die Arbeit der Therapeuten, Pflegekräfte und Mediziner: Bei der Betreuung und Behandlung von Schlaganfall-Patienten könnten viele Dinge besser laufen – gerade in der Nachsorge. Das finden zumindest die Partner des von der Diakonie Gütersloh gegründeten Schlaganfall-Netzwerkes. Am Samstag, 13. Mai, haben sie mit einem Informationsstand vor der Gütersloher Martin-Luther-Kirche deswegen nicht nur ihre Angebote vorgestellt. Von der Politik forderten sie gleichzeitig mehr Unterstützung für Schlaganfall-Patienten und ihre Angehörigen. Anlass war der Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai.

1. Die Betroffenen – und ihre Probleme

Rund 270.000 Menschen in Deutschland erleiden nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe jedes Jahr einen Schlaganfall – Junge wie Alte. Einer davon ist Gerhard Schneider (Namen aller Betroffenen im Text geändert, Anm.). 2013 hat der heute 78-Jährige aus Gütersloh seinen ersten Schlaganfall erlitten. Im vergangenen Sommer folgte der zweite. Zudem leidet er unter anderem an Diabetes, ist herzkrank. Regelmäßig stehen für ihn deswegen Arzt- und Therapietermine auf dem Programm, etwa bei der Logopädin oder beim Ergotherapeuten. Organisiert wird all das von seiner Ehefrau Helga Schneider. Mittlerweile weiß die 76-Jährige, worauf es ankommt. Doch gerade in der Zeit nach dem ersten Schlaganfall hätte sie sich mehr Hilfe gewünscht. »Zum Glück hatte ich damals die Unterstützung meiner Tochter gehabt«, erinnert sich die Gütersloherin. »Es wäre toll gewesen, jemanden zu haben, den ich hätte fragen können.« Aber so musste sich Helga Schneider selbst »reinfuchsen«. Sie recherchierte Adressen, organisierte Therapien, nahm an einem Kolloquium zum Thema Schlaganfall teil, koordiniert nun die gesamte Behandlung. »Ich versuche, alle Termine so zu legen, dass wir mehrere miteinander verbinden können«, beschreibt Helga Schneider ihren Alltag. Die eigenen Arzttermine der 76-Jährigen bleiben da schnell auf der Strecke. »Mein Mann kann ja nicht alleine bleiben«, sagt sie. Unglücklich sei sie mit der anspruchsvollen Aufgabe jedoch nicht. »Umgekehrt hätte mein Mann dasselbe für mich getan.«

Auch Anke Gärtner hat ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Gütersloherin ist Mutter der 19-jährigen Yasmin. Die junge Frau hat bereits zwei schwere Hirnblutungen hinter sich. Bei der ersten war sie zwölf Jahre alt, die zweite erlitt sie 2015. »Während der Reha hatten wir alles an einem Ort, alles war organisiert«, erinnert sich Anke Gärtner. »Aber zu Hause kamen dann die Schwierigkeiten. Wir mussten uns viel durchfragen, teilweise lief alles in Leere.« Einen Fahrdienst zu finden, der ihre Tochter zu den Therapien bringen konnte, wenn sie selbst bei der Arbeit war? »Nicht zu machen«, so Anke Gärtner. »Entweder hatten die Anbieter feste Verträge mit Seniorenheimen oder sie boten keine Krankentransporte an. Oder sie waren schlicht zu teuer.« Die Krankenkassen wiederum übernähmen nur Fahrten zu ambulanten Behandlungen in medizinischen Einrichtungen, nicht zu den Therapien.

Doch Mutter und Tochter bissen sich durch. Nach der ersten Hirnblutung schaffte Yasmin den Weg von der Förderschule zurück auf die Realschule, die sie mit Qualifikationsvermerk für die gymnasiale Oberstufe abschloss. Dann folgte die zweite Hirnblutung. »Yasmin ist nun halbseitig komplett gelähmt und versucht, sich mühsam Schritt für Schritt ins Leben zurück zu kämpfen, kann unter anderem die rechte Hand noch nicht wieder gebrauchen«, so Anke Gärtner. Zudem leide Yasmin noch unter Sprachstörungen und eingeschränktem Gesichtsfeld. Aber zumindest klappe das eigenständige Laufen wieder relativ gut, und sie erhält Hausunterricht in Mathe, Deutsch und Englisch – um die Wissenslücken zu schließen, die die Hirnblutung gerissen hat. Ihr Ziel: das Abi nachzuholen. 

Genau wie Helga Schneider hätte sich auch Anke Gärtner über einen zentralen Ansprechpartner gefreut, der bei der Organisation und Koordination hilft – wie es jetzt das Schlaganfall-Netzwerk Gütersloh anbietet. Dabei hatte die 50-Jährige noch das Glück, selbst im medizinischen Bereich zu arbeiten. »Deswegen war ich mit vielen Dingen vertraut. Aber bei anderen Menschen ist das meist nicht so.«

2. Das Netzwerk

Die Probleme von Helga Schneider und Anke Gärtner sind typisch für viele Angehörige von Schlaganfall-Patienten. »In der Akutversorgung sind wir in Deutschland super aufgestellt«, sagt Corinna Pook von der Diakonie Gütersloh. »Doch sobald der Patient aus der Reha nach Hause kommt, liegt die Verantwortung bei den Angehörigen. Alles muss organisiert werden. Die Therapien, die ärztlichen Behandlungen, die Behördenangelegenheiten – etwa die Anträge für Hilfsmittel oder Pflegestufen. Doch dabei werden die Angehörigen weitgehend allein gelassen.«

Um Betroffenen diese Koordinierung abzunehmen und zudem die Nachsorge von Schlaganfall-Patienten zu verbessern, hatte im vergangenen Jahr das Schlaganfall-Netzwerk Gütersloh offiziell seine Arbeit aufgenommen. Insgesamt engagieren sich hier sechs Partner (siehe Infokasten) aus den Bereichen Pflege, Logopädie, Physio- und Ergotherapie. Mit Corinna Pook stellt die Diakonie Gütersloh eine Case Managerin, die als zentrale Ansprechperson für die Betroffenen fungiert. Im Fokus steht zudem die regelmäßige Abstimmung der Partner über die einzelnen Patienten. »Damit jede Hand immer weiß, was die andere tut«, so Pook.

Um Angehörige zusätzlich zu entlasten, stehen im Kreis Gütersloh zudem ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer bereit, die von der Diakonie ausgebildet werden. In den Schulungen lernen angehende Helfer Grundlagen zu medizinischen Aspekten des Schlaganfalls und welche Unterstützungsmaßnahmen es für Betroffene und ihre Familien gibt. Zudem bekommen sie Informationen zu den notwendigen Artikeln des Sozialrechts sowie der Pflegeversicherung und üben sich in Gesprächsführung.

3. Der Appell an Kassen und Politik

Diesen Einsatz leisten die Partner zurzeit ehrenamtlich. »Deswegen ist eine große Herausforderung für uns auch, die notwendige Zeit aufzubringen«, erklärt Carmen Göbel-Bettermann, Inhaberin der gleichnamigen Logopädie-Praxis. »Denn die Arbeit im Netzwerk erfolgt zusätzlich zum Tagesgeschäft.« Einer der Wünsche der Netzwerk-Partner ist deswegen vor allem mehr Unterstützung durch die Kranken- und Pflegekassen. »Die Refinanzierung von Initiativen wie dem Netzwerk wäre sehr wichtig«, sind sich die Netzwerk-Partner einig, »etwa als geförderte Modellprojekte.« 

Ein weiterer Punkt: der Fachkräftemangel. »Die Ausbildung zum Therapeuten ist sehr teuer – egal, um welche Fachrichtung es geht«, so die Logopäden des Netzwerks einstimmig. »Das schreckt den Nachwuchs ab. Dabei könnte man mit den Patienten viel besser arbeiten, wenn es einfach mehr Fachkräfte gäbe. Hier müsste dringt es etwas mit Blick auf die Ausbildungskosten getan werden.« Zudem hapere es bei der Bewilligung notwendiger Therapien, kritisiert Corinna Pook. »Die logopädische Behandlung wird Patienten zum Beispiel nur für ein Jahr bezahlt, danach nicht mehr. Das ist nicht nachvollziehbar.«

Neben verstärkter Prävention würde es sich für die Kassen und letztlich auch für Staat und Gesellschaft deswegen lohnen, auch die Nachsorge vermehrt zu unterstützen, betont Corinna Pook. Bei fast jedem dritten Schlaganfall in Deutschland handelt es sich laut »Deutschem Ärzteblatt« um einen sogenannten Rezidivinfarkt - also einen erneuten Schlaganfall. »Eine gute Nachsorge könnte diese Quote effektiv verringern«, so Pook. Davon würden nicht nur die Patienten selbst profitieren. Auch die Behandlungskosten würden deutlich sinken. »Denn eines steht fest: Die Folgen eines erneuten Schlaganfalls sind in der Regel deutlich gravierender als beim ersten.«

Das Schlaganfall-Netzwerk Gütersloh besteht zurzeit aus sechs Partnern. Neben der Diakonie Gütersloh und der logopädischen Praxis Göbel-Bettermann sind das: Praxis für Logopädie Christiane Dammann, Logopädische Praxis Bärbel Gaisendrees, Physio Moving sowie die »Gemeinschaftspraxis für Prävention, Ergotherapie, Rehabilitation Niemeyer und Hilmert-Thomas«. Anette Harnischfeger von der Schlaganfall-Selbsthilfe Gütersloh engagiert sich ebenfalls im Netzwerk, dessen Kooperationspartner die Deutsche Schlaganfall Hilfe ist.

Interessierte erreichen das Netzwerk über Tel. 05241/9867-2110 oder per Mail an corinna.pook@diakonie-guetersloh.de.
www.schlaganfall-netzwerk-gt.de

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